Von Gerald Fritsche - 23.11.2009, 11.36 Uhr

Fußball in der DDR: Motor, Traktor, Aktivist

Fußballvereine in der DDR trugen zum Teil eigenartige Bezeichnungen: Zum Leidwesen der Historiker kam es nie zu einem offiziellen Aufeinandertreffen der Vereine mit den wohl kuriosesten Namen. Aktivist Schwarze Pumpe gegen Rotes Banner Trinwillershagen.

Tausende Fans von Dynamo Dresden sitzen im neuen Rudolf-Harbig-Stadion, das seinen Namen durch die Geschichte rettete. Bild: dpa

Sie nannten sich Motor, Traktor, Aktivist oder Wismut und spielten in Stadien, die die Namen angesehener Widerstandskämpfer und Sportler trugen. Was noch vor 20 Jahren im deutschen Osten in aller Munde war, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten, wenn nicht gar verpönt. Der vorgegebene Namenseinheitsbrei von DDR-Sportvereinen, der sich zumeist nach der Art ihres finanziellen Unterstützers aus der Industrie oder Landwirtschaft richtete, löste sich mit der Wende ebenso schnell auf wie die Stadion-Namen verschwanden.

Die Vereinsbezeichnungen waren relativ klar definiert. Vorwärts stand für einen Klub der Nationalen Volksarmee der DDR, Dynamo wurde der Volkspolizei zugeordnet, Motor dem Maschinen- und Fahrzeugbau, Wismut der Bergbauindustrie, Stahl der Stahlindustrie und Traktor der Landwirtschaft. Zudem gab es unter anderen noch Rotation für die Druckindustrie, Chemie für die Chemische Industrie oder Turbine für die Energieindustrie. Ein paar Exoten durften nicht fehlen: Kali Werra Tiefenort oder Sachsenring Zwickau.

FOTOS: Nationalspieler Sie haben ihre Wurzeln in der DDR

Das Beispiel zeigt, wie schnell sich die Namenslandschaft änderte. Plötzlich gab es sie wieder, die Klubs mit den Bezeichnungen Borussia oder Eintracht. Die Betriebssport-Gemeinschaften konnten nicht überleben, weil es die Betriebe meist nicht mehr gab und so das Geld fehlte. Die Vereine machten sich selbstständig und gingen auf Sponsorensuche.

Nur wenige Klubs behielten ihre Bezeichnung bei. Der deutsche Frauenfußball-Meister heißt nach wie vor Turbine Potsdam. Auf Druck der Fans behielt Dynamo Dresden seinen Namen, änderte nur zwischenzeitlich das SG für Sportgemeinschaft in 1. FC. Der zehnmalige DDR-Fußball-Meister BFC Dynamo kehrte zu seinem Namen ebenfalls nach dem Votum der Mitglieder zurück, nachdem er sich zunächst in FC Berlin umbenannt hatte. Auch Energie Cottbus oder der 1. FC Lok Leipzig, der zwischenzeitlich VfB Leipzig hieß, stehen noch oder wieder in den Ergebnislisten und Tabellen.

Dem bundesdeutschen Trend fielen auch viele Stadion- und Hallen-Namen im Osten zum Opfer. Aus dem Auer Otto-Grotewohl-Stadion wurde beispielsweise das Erzgebirgsstadion, das Stadion der Stahlwerker in Brandenburg heißt heute Stadion Am Quenz, in Erfurt wurde das Georgi-Dimitroff-Stadion in Steigerwaldstadion umbenannt. Nur wenn der Widerstandskämpfer, dessen Namen die Sportstätte trug, auch erfolgreicher Sportler war, blieb es dabei. Ernst-Grube-Stadien findet man deshalb heute ebenso wie Heinz-Steyer-Stadien und Bruno-Plache-Arenen.

In Zeiten, da die Finanznot groß ist, wird sich aber wohl kaum ein Klub leisten können, Angebote von Großsponsoren auf Umbenennungen abzulehnen. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis beispielsweise auch die einst größte Arena in der DDR, das Leipziger Zentralstadion, den Namen eines österreichischen Getränkeherstellers tragen wird.

FOTOS: Fluchtweg Fußball Getürmte DDR-Fußballer

hem/news.de/dpa

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