Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Der Nagel ist tot, gelb-braun hat er sich vom Nagelbett gelöst. Die hässliche Fratze des Mörders zeigt sich den Ermittlern im Labor: Nagelpilz treibt sein Unwesen. Und er hat Hunger auf mehr. News.de weiß, wie man ihn stoppen kann.
Der Nagel an Zeh oder Finger ist Ort eines grausamen Geschehens. Die Krallen sind hässlich verfärbt, sehen ungepflegt aus und sind merkwürdig verformt. Der Schuldige: Nagelpilz macht sich am KeratinHornsubstanz der Haut der Nägel zu schaffen, denn die Hornsubstanz schmeckt dem Widerling nur allzu gut. In den meisten Fällen sind sogenannte Fadenpilze die Übeltäter - vor allem der Gattung Trichophyton. In seltenen Fällen sind Hefepilze für Nagelpilz verantwortlich. Allen Pilzen gemein ist, dass sie das feuchtwarme Treibhausklima der Füße lieben. Sie besiedeln aber ab und an auch die Fingernägel.
Der Täter treibt sein Unwesen beharrlich voran. Fadenpilze verursachen zunächst am freien Nagelrand Verfärbungen, von dem sich die Sporen über die gesamte Nagelplatte ausbreiten. Hefen beginnen am Nagelwall Schaden zu verursachen. Wird dem Pilz kein Einhalt geboten, ist der Nagel dem Untergang geweiht, denn das Keratin wird langsam aufgelöst.
Die Nagelplatte verdickt, es bilden sich luftgefüllte Hohlräume - gut zu erkennen als weiße Streifen oder Flecken. Der Nagel ist rau und brüchig, mitunter krümelig. Das geht soweit, dass sich die Nagelplatte lockert und vom Nagelbett abhebt. Das kann beim Gehen sehr schmerzhaft sein. Befällt der Pilz dann noch das Nagelbett, hat der sich neu bildende Nagel keine Chance gegen den Angreifer. Auch er wird infiziert.
Was sind die Ursachen?
In den meisten Fällen ist Nagelpilz die Folge einer unbehandelten Fußpilzerkrankung. Aber es ist auch eine direkte Übertragung möglich. Wie beim Fußpilz lauern die Pilzsporen in öffentlichen Bädern, Saunen, Duschen und Umkleideräumen in Fitnessstudios. Wer hier keine Badelatschen trägt, läuft Gefahr, sich schnell anzustecken. Denn: Die Sporen sitzen auf Hautschuppen, die der Träger beim Laufen verliert. Ist ein Familienmitglied infiziert, ist das Risiko einer Ansteckung ebenfalls erhöht.
Zudem sind ältere Menschen öfter von einer Nagelpilzerkrankung betroffen als jüngere. Das liegt daran, dass die Durchblutung im Alter meist schlechter ist und das Immunsystem nicht mehr so fit wie in jungen Jahren. Zudem können bestimmte Medikamente die Immunabwehr schwächen. Diabetiker haben aus den gleichen Gründen wie Senioren ein erhöhtes Risiko für Nagelpilz. Es kommen bei ihnen Sensibilitätsstörungen hinzu. So nehmen Diabetiker beispielsweise kleinere Verletzungen nicht so gut wahr. Dies öffnet den Pilzsporen Tür und Tor.
Doch auch gesunden Menschen macht der Pilz bisweilen das Leben schwer. Vor allem Sportler sind gefährdet. Sie kommen zum einen häufiger mit potenziellen Pilzüberträgern in Kontakt, zum anderen bieten Turnschuhe besonders pilzfreundliche Bedingungen. Hier ist es für den Pilz kuschelig warm und feucht. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die erhöhte Schweißabsonderung beim Sport weicht die Haut an den Füßen auf, wodurch die Pilze beste Bedingungen haben, ihr Werk zu verrichten. Das gilt im Übrigen auch für Bauarbeiter und Bergleute, die häufiger an Schweißfuß leiden als andere Berufsgruppen.
Nur der Arzt kann helfen
Wer einen Nagelpilz hat, sollte ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen und umgehend einen Arzt aufsuchen. Dieser wird eine genaue Diagnose stellen. Dafür wird eine Nagelprobe im Labor untersucht und die Pilzart bestimmt. Nur so können die Sporen gezielt bekämpft werden. Der Arzt verabreicht anschließend ein Antimyotikum, das Wirkstoffe enthält, die die Winzlinge abtöten beziehungsweise ihr Wachstum hemmen.
So lange der Nagel nur oberflächlich betroffen ist, reichen Tinkturen und Nagellacke zur äußerlichen Anwendung. Ist das Nagelbett bereits befallen, sind Tabletten oder Kapseln zur Einnahme erforderlich. Sie schleusen die Wirkstoffe über das Blut zum Tatort: Sie lagern sich im Nagelbett ein und kämpfen sozusagen an vorderster Front.
Wer Nagelpilz hat, muss sich auf eine etwa dreimonatige Therapie einstellen. Eine Behandlung mit einem speziellen Pilz-Nagellack kann bis zu sechs Monate dauern. Der Grund: Die Pilzsporen sind sehr hartnäckig, verstecken sich in den Hohlräumen, die zwischen den Nagelschichten liegen. In diesem Fall richten Tinkturen und Medikamente nicht viel aus. Die Sporen überleben mitunter viele Wochen in ihrem Versteck. Dann kommen Salben, die Kalium jodatum oder Harnstoff in hohen Konzentrationen enthalten, zum Einsatz. Sie werden auf den Nagel aufgetragen und sind in der Lage, die oberen Nagelschichten aufzulösen und damit den Sporen den Garaus zu machen. Manche Ärzte entfernen auch die befallenen Nagelschichten mit einer Fräse.
zij/sca/news.de