Psychische Betreuung Die Angst vor der OP

Angst vor einer Operation (Foto)
Schätzungen zufolge braucht jeder dritte Patient vor einer Operation eine psychologische Betreuung. Bild: dpa

Bei einer Operation hat jeder ein mulmiges Gefühl. Einige Menschen belastet der chirurgische Eingriff aber so sehr, dass er in ihnen psychischen Stress auslöst und eine schnelle Heilung verhindert. Da hilft nur eine psychologische Betreuung.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin haben bis zu 60 Prozent der Kinder, die operiert werden müssen, große Angst. Doch solch psychischer Stress schadet der Heilung. Dagegen hilft nach Ansicht von Experten eine psychologische Betreuung - vor und nach dem Eingriff.

Mehr als jeder dritte Patient brauche vor einer Operation eine psychologische Betreuung, schätzt Professor Bernhard Strauß, Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena. «Der erhöhte psychische Stress kann negativen Einfluss auf den Heilungsprozess haben», sagt er. Das könne sich in einer schlechteren Wundheilung und in stärkeren Schmerzen äußern. Psychologische Risikofaktoren für Komplikationen nach größeren Operationen sind nach verschiedenen Untersuchungen vor allem Angst, Depressionen, Verzweiflung, das Gefühl der Machtlosigkeit und fehlende soziale Unterstützung.

Nach Studien des deutschen Herzzentrums München werden vor allem Herzoperationen als lebensbedrohliches Ereignis erlebt. Nach Bypass-Operationen seien starke Depressionen nicht selten. Die Folge sei ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Folgekrankheiten wie Herzrhythmusstörungen, Angina oder eines Herzinfarktes sechs bis zwölf Monate nach der Operation.

Breites Spektrum unterstützender Maßnahmen

Gegen die Angst gibt es kein Patentrezept. Die Universitätskliniken bieten ihren Patienten ein breites Spektrum an psychologischen Interventionen an. Dazu gehören Entspannungsverfahren, Verhaltenstraining, autogene Übungen oder hypnotherapeutische Techniken. «Die Hypnose hat sich nach unseren Untersuchungen als sehr wirkungsvoll erwiesen», sagt Strauß. «Die Angst reduziert sich und die Neigung zum depressiven Grübeln wird geringer.»

Vor allem aber seien unterstützende und aufklärende Gespräche nützlich. Nach den Erfahrungen von Strauß nehmen 50 bis 70 Prozent der Patienten mit großer Angst vor der Operation die Hilfe der Psychologen in Anspruch. Aber auch die Angehörigen sollten mit eingeschlossen werden. «Die Familie hat oft mehr Angst als der Betroffene selbst», sagt der Jenaer Mediziner.

Allerdings ist die psychologische Betreuung auf der Intensivstation eher die Ausnahme als die Regel. «Es gibt einen großen Nachholbedarf», bestätigt Strauß. Ein wichtiger Grund sind die Kosten. Für den Service wird zusätzliches Fachpersonal benötigt.

Mehr als 300 internationale Studien über die Wirksamkeit der psychologischen Betreuung bei Operationen liegen mittlerweile vor. Sie belegen, dass eine fachmännische Behandlung - selbst bei einer Kurzintervention - für den Patienten immer von Nutzen ist. Allerdings beschränken sich die wissenschaftlichen Arbeiten bislang auf einzelne Behandlungsformen. Das Jenaer Forscherteam hat sich in einer vom Bundesforschungsministerium geförderten Meta-Analyse vorgenommen, in den nächsten Jahren die Wirksamkeit aller Therapien zu überprüfen und Empfehlungen für die medizinische Praxis zu geben.

sca/rzf/news.de/ap

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