Brustkrebs-Vorsorge : Wie sinnvoll ist Ultraschall?

Fachärzte raten Frauen im Alter von 35 bis 50 Jahren, bei der Brustkrebs-Früherkennung auf Ultraschall zu setzen. Doch bisher fehlen wissenschaftliche Belege für den Nutzen der Untersuchung. Auch die meisten Krankenkassen zahlen nicht.

Frauen ab 50 bekommen alle zwei Jahre eine Mammografie bezahlt. Doch wie sieht die Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen unter 50 aus? Radiologen empfehlen eine Untersuchung per Ultraschall, die die Patientinnen selbst bezahlen müssen. Bild: dpa

Brustkrebs ist mit rund 57.000 Neuerkrankungen und 18.000 Todesfällen pro Jahr die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. Um mehr Frauen das Leben retten zu können, wird eine Reihenuntersuchung mit Röntgengeräten für Frauen ab 50 Jahren angeboten. Dieses Mammografie-Screening wird speziell dieser Altersgruppe empfohlen, da das Brustkrebs-Risiko im höheren Lebensalter rapide ansteigt. Seit 2009 gibt es das Angebot in ganz Deutschland. Regelmäßig alle zwei Jahre werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren über die Meldeämter eingeladen.

Für Frauen, die jünger sind als 50, gibt es bei der Krebsvorsorge beim Gynäkologen heute in der Regel Tastuntersuchungen der Brust. Für die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall (DEGUM) ist das unzureichend. Moderne Ultraschallgeräte könnten die Brust zuverlässig durchscannen, argumentiert Gynäkologe Jens-Uwe Blohmer als Leiter eines Berliner Brustzentrums für die DEGUM. Die Untersuchung sei frei von Strahlung, verursache keine Schmerzen und dauere nur wenige Minuten.

Die Kassen zahlen diese Untersuchung in der Regel jedoch nicht. Als Selbstzahler werden Patientinnen bei modernsten Geräten, die bisher nur in Kliniken oder Brustzentren stehen, mit rund 150 Euro zur Kasse gebeten. Beim üblichen Ultraschall in einer Praxis seien es 30 bis 40 Euro, berichtet DEGUM-Kollege Friedrich Degenhardt. Er rät allerdings dazu, den Arzt vorher nach seiner Qualifikation für diese Untersuchung zu fragen. Die DEGUM hat eine Experten-Liste herausgegeben.

Radiologe Alexander Mundinger hält Ultraschall auch ergänzend zur Mammografie ab 50 für sinnvoll. Eine Kombination der Methoden könne die Krebsentdeckungsrate laut Studien um sieben bis 40 Prozent steigern, sagt er.

Beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hält Radiologe Stefan Delorme Ultraschall für die Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen ab 40 für eine gute Idee. «Medizinisch ist das sinnvoll und wünschenswert», ist er überzeugt. Gerade bei jüngeren Frauen werde das Brustkrebs-Risiko häufig unterschätzt. Das Brustgewebe sei in diesem Lebensalter im Ultraschall auch besonders gut zu sehen. «Die Frage ist aber, ob Reihenuntersuchungen logistisch und finanziell machbar sind», ergänzt er. Ganz unbefangen beim Thema Ultraschall ist Delorme allerdings nicht. Er ist Präsident der DEGUM.

Deutliche Kritik am geforderten Ultraschall-Screening kommt von der Kooperationsgemeinschaft Mammografie. Bisher gebe es keinen ausreichenden Beleg dafür, dass Ultraschall-Untersuchungen der Brust bei Frauen ohne Symptome einen Nutzen für die Früherkennung hätten, sagte Sprecherin Barbara Marnach. Die Frage sei auch, ob es damit vielleicht viele unklare Befunde gebe. Ein Screening müsse Tumore mit großer Sicherheit nachweisen oder ausschließen können.

sca/sua/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

0 Kommentare
Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen für den news.de-Leser