Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 24.11.2010, 11.33 Uhr

Trockene Augen : Auf die Tränendrüse drücken

Den ganzen Tag vorm Computer, zuhause die Heizung auf volle Pulle, genau wie das Gebläse im Auto: Augenärzten treibt es bei dieser Lebensweise die Tränen in die Augen. Denn viele Menschen leiden gerade im Winter unter trockenen Augen.

Beheizte Räume, Computer-Arbeit und Zigarettenqualm: Faktoren, die trockene Augen fördern. Bild: dpa

Dem Bundesverband der Augenärzte (BVA) zufolge treibt es einem bis zu zwölfmal pro Minute die Tränen in die Augen. Für Bruchteile von Sekunden schließt der Mensch unbewusst seine Augen. Aber es ist eine bewusste Reaktion des Körpers.

Bei jedem Lidschlag wird das Auge mit einem hauchdünnen Film aus Tränenflüssigkeit überzogen. Eine lebenswichtige Funktion für unsere optische Zentrale, denn die feuchte Schicht versorgt die Augenoberfläche mit Nährstoffen, bringt Sauerstoff aus der Luft an die Hornhaut und schwemmt Keime und kleine Fremdkörper weg. Die Schmierschicht trägt entscheidend dazu bei, dass im wahrsten Sinne des Wortes der Durchblick erhalten bleibt.

Bei bis zu zehn Millionen Bundesbürgern ist dies Wunschdenken, wie Dr. Georg Eckert vom BVA erklärt. Sie klagen über brennende, rote Augen sowie über geschwollene und verklebte Lider und haben das Gefühl, als wäre der Sandmann den ganzen Tag über in den Augen. Diagnose: trockenes Auge. «Nicht nur die Lebensqualität leidet, auch das Sehvermögen kann eingeschränkt werden», schildert Eckert.

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Wer ist gefährdet?

Das Problem ist: Bei den Betroffenen bildet sich entweder zu wenig Tränenflüssigkeit oder es verdunstet zu viel davon, weil die Fettschicht gestört ist und dadurch der Film abreißt. «Gerade jetzt im Winter ist das Auge besonderem Stress ausgesetzt, da in den Räumen heizungsbedingt die Luft trockener ist und damit höhere Anforderungen an den Tränenfilm gestellt werden», erklärt der Experte.

Das gilt nicht nur in den eigenen vier Wänden oder im Büro – auch im Auto lauern Gefahren: «Bei vielen Menschen ist der Tränenfilm nicht ganz perfekt, sodass bei Gebläse der Tränenfilm zusätzlich strapaziert wird.» Was der Augenspezialist meint: Es gibt etliche Risikogruppen, die gepaart mit trockener Luft besonders anfällig für ein brennendes Auge sind. Dazu zählen Rheumatiker, Diabetiker oder Patienten, die entwässernde Medikamente einnehmen müssen. Auch Frauen, die einen Östrogenmangel nach den Wechseljahren haben, klagen oft über das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben.

Den Augenärzten macht aber noch ein weiterer Faktor zu schaffen. Die konzentrierte Arbeit vor dem Computer oder wie der Fachmann sagt: Office Eye Syndrom. «Man blinzelt seltener und der Tränenfilm wird deshalb schlechter auf dem Auge verteilt», schildert Dr. Thomas Kaercher vom BVA-Ressort Trockenes Auge. Gerade Kontaktlinsenträger sitzen besonders oft auf dem Trockenen. Kommt noch Zigarettenqualm oder unzureichende Beleuchtung hinzu, ist das Desaster für die Augen perfekt.

Das hilft

Meist kommen die Betroffenen nicht um einen Besuch beim Augenarzt herum. Sie werden dort mit «künstlichen Tränen» versorgt. Die Augentropfen helfen dem Organ, wieder mit Feuchtigkeit versorgt zu werden. Ob dünn- oder dickflüssig – Arzt und Patient müssen mit viel Geduld ausblinzeln, was am besten anschlägt.

Doch im Alltag geht es einfacher, wie Eckert sagt: «So oft wie möglich an die frische Luft, denn dadurch wird die Produktion von Tränenflüssigkeit stimuliert.» Für Büroangestellte empfiehlt es sich, das Optimum aus ihrem Computerbildschirm zu holen, um den Anblick fürs Auge so angenehm wie möglich zu machen. Dabei aber nicht vergessen, kurze Arbeitspausen einzulegen, dabei die Augen zu schließen und ganz bewusst für Entspannung zu sorgen. Während der kreativen Arbeitsdauer sollte man auch versuchen, öfters zu blinzeln, um die Äuglein vor der Austrocknung zu bewahren.

Apropos Austrocknung: Trinken nicht vergessen, denn ein ausgewogener Flüssigkeitshaushalt im Körper wirkt der Trockenperiode im Auge entgegen. Das gilt auch für die eigenen vier Wände. Ist die Heizung an, sorgen feuchte Tücher oder eine Schale Wasser auf dem Heizkörper für eine entsprechende Luftfeuchtigkeit. Ein richtiger Eyecatcher sind zudem Topfpflanzen, die für ein augenfreundliches Raumklima sorgen.

Lesen Sie hier weitere Tipps, wie Sie kleinere, gesundheitlich Probleme auch ohne Arzt bewältigen.

ham/reu/news.de

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