Sa., 26.05.12

Vaskulitis 19.12.2010 Amoklauf in den Blutgefäßen

Der andere Schlaganfall (Foto)
Es muss kein Schlaganfall sein: Bei einer Vaskulitis entzünden sich die Blutgefäße. Die ähneln einem klassischen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Die Vaskulitis zählt zwar zu den seltenen, dafür aber zu den gefährlichsten Krankheiten. Ihre Folgen sind vergleichbar mit denen eines Herzinfarktes. Das Paradoxe: Es ist ein Rheuma, das nicht nur die Gelenke, sondern auch die Blutgefäße angreift.

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«Ich war oft total kaputt und nicht belastbar, selbst nach kurzem Spazierengehen bekam ich ziemliche Schmerzen in den Beinen, Rücken und Gelenke machten starke Probleme», schildert Petra aus dem Rhein-Main-Gebiet ihre Patientengeschichte auf der Internetseite des Arbeitskreises Vaskulitis.

Was die Autoren auf der Seite mit alle Vaskulitis-Patienten vereint: eine Odysee von einem Arzt zum nächsten – alle mit einer abweichenden Diagnose. «Es wurde nichts gefunden. Einer sprach von Fibromyalgie. Ein anderer sagte, ich solle doch wiederkommen, wenn ich richtige Probleme hätte. Ich bekam den Tipp, mehr Sport zu machen, Entspannungstechniken anzuwenden - und dann hieß es plötzlich psychosomatisch», schreibt Petra verzweifelt.

Die Rheumatologin Dr. Eva Reinhold-Keller kann nachfühlen, was die Patienten durchmachen, bis endlich die Diagnose Vaskulitis feststeht: «Sie ist im ärztlichen Alltag sehr selten und gehört gleichzeitig zu den facettenreichsten Krankheitsbildern, da prinzipiell alle Blutgefäße betroffen sein können. Für die Betroffenen ist dies häufig lebensbedrohlich, weil die Krankheit innere Organe schädigt.»

Nach Angaben der Deutschen Rheuma-Liga werden jedes Jahr zwischen 3300 und 4100 Deutsche mit dieser Diagnose konfrontiert. «Ein Vaskulitis-Patient ist in der Regel überall der Einzige im Umfeld. Dies führt naturgemäß bei Ärzten, Familie und Freunden zu Unsicherheiten», erklärt Dr. Reinhold-Keller.

Aus noch unbekannten Gründen entgleist bei einer Vaskulitis das Immunsystem, greift die Bindegewebszellen der Gefäßwände an und führt dort zu Entzündungen. Es wird vermutet, dass sich dabei Reste von Bakterien oder Viren von Antikörpern an der Zellwand verbinden und diese zerstören. Durch die Entzündung schwellen die Adern an, sie verdicken sich und können nicht mehr genügend Sauerstoff und Nährstoffe transportieren.

Therapie mit der Mediziner-Keule

Je nachdem, wo die Entzündung auftritt mit gravierenden Folgen. Schädigt der Amoklauf des Immunsystems kleine Gefäße, komme es laut Reinhard-Keller oft zu Rötungen der Augen, Nasennebenhöhlentzündungen, Hautveränderungen wie punktförmigen Ausschlag, Blut im Urin, blutigem Husten oder Herzrhythmusstörungen.

Greife die Vaskulitis hingegen mittelgroße Gefäße an, so seien lebenswichtige Organe wie Niere, Leber, Lunge, Herz und Gehirn in Gefahr. «Die Folgen sind dann vergleichbar mit denen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles. Erfasst die Entzündung große Gefäße, beispielsweise die Arterien der Schläfen, drohen Erblindung oder Thrombosen.

Das Fatale: Erst die in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium auftretenden rheumatischen Beschwerden wie Schmerzen in den Gelenken, Fieber oder Nachtschweiß bringen die Ärzte auf die richtige Spur. Die Experten können die Erkrankung jedoch dann nur behandeln. Eine völlige Heilung gibt es nicht. Die Entzündung kann sich in Schüben wieder zurückmelden. Etwa die Hälfte aller Patienten erleidet dieses Schicksal.

Der Betroffene braucht dann viel Geduld und Ausdauer, denn die Ärzte packen die medizinische Keule aus. Hohe Kortisondosen schwächen die Entzündung ab. «Cortison allein ist aber selten ausreichend, um die Vaskulitis wirkungsvoll zurückzudrängen. Oft sind andere Immunsuppressiva - Medikamente, die das überschießend arbeitende Immunsystem bremsen - notwendig. So ist bei schweren Formen Cyclophosphamid unverzichtbar», weiß Reinhard-Keller. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das eigentlich ausschließlich Krebspatienten verschrieben wird.

Diese aggressive Behandlung werde in aller Regel nicht länger als sechs Monate durchgeführt. Anschließend geht die Behandlung zu «weicheren» Medikamenten über, um den erreichten Zustand der Besserung zu halten. Vielen Nebenwirkungen von Medikamenten können aber Patient und Arzt durch entsprechende Blut- und Urinkontrollen sowie Ernährung und Verhaltensweise vorbeugen.

Dazu gehöre, dass der Betroffene auf fleischarme Ernährung umstellt, denn Eiweiß fördert die Entzündung. Bei dieser Schulung komme es ganz darauf an, dass die Patienten lernen, selbst auf die Zeichen des Körpers zu hören, die schon früh einen Rückfall andeuten, so die Expertin. Unter anderem zählen dazu, die Urin- sowie Blutwerte selbständig regelmäßig zu kontrollieren.

Weitere Infos gibt es unter:

Interdiszipliäres Vaskulitis-Zentrum

Arbeitskreis Vaskulitis

Vakulitis-Selbsthilfegruppe

ham/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Welsch
  • Kommentar 1
  • 05.01.2011 22:52
 

Nach den vielen Berichten die ich seit etwa 1 Woche lese, wird mir bewusst was ich die ganze Zeit hatte und nicht erkannt wurde. Jeder Arzt bei dem ich im letzten Jahr war, hat sich keine Zeit genommen und immer alles so abgetan als wäre ich ein Simulant. Kann es sein, dass ich nach der Einnahme des Cortison den Schlaganfall vom Cortison bekam, denn meine Venen und Schlagadern sind nach Untersuchung des Krankenhauses in Ordnung. LG Trixi

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