So., 12.02.12

Pflege daheim So vermeiden Sie offene Wunden

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Artikel vom 30.07.2010

Ein Druckgeschwür ist eine der häufigsten Problemstellungen in der Pflege – egal, ob im Heim, Krankenhaus oder zu Hause. Die Gefahr, dass Bettlägerige wundliegen, ist besonders hoch. News.de zeigt Ursachen und wie sich offene Wunden vermeiden lassen.

Wie problematisch das Wundliegen – der so genannte Dekubitus - eines Patienten ist, zeigen Stichproben des Robert-Koch-Instituts: Danach tragen 14 Prozent aller im Krankenhaus behandelten Patienten ein oder mehrere Druckgeschwüre davon, die bis zu offenen, tiefen Wunden führen. Im Bereich der Patienten ab 65 Jahre steigt diese Zahl sprunghaft auf bis zu 30 Prozent an.

Nach diesen Schätzungen entwickeln jährlich mehr als 400.000 Patienten einen Dekubitus, der behandelt werden muss. Dabei entstehen Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro, die jährlich für die langwierige Therapie von Geschwüren aufgewendet werden müssen. Mindestens die Hälfte dieser Kosten könnten laut Robert-Koch-Institut durch eine konsequente Vorbeugung eingespart werden.

Ursachen

Betroffen sind vor allem bettlägerige Patienten. Der Druck, der das Geschwür auslöst, kann sowohl von außen entstehen, beispielsweise durch eine schlechte Matratze, Falten im Betttuch oder schlecht gepolsterte Kissen, als auch von innen verursacht werden, bei sehr dünnen Betroffenen etwa durch die eigenen Knochen. Schwitzen und Inkontinenz sind weitere Risikofaktoren, denn die feuchte Haut ist besonders gereizt. Durch die nachlassende Regeneration der Haut bei zunehmendem Alter können selbst kleinere Verletzungen zu Dekubiti führen, bedingt auch durch schlechtere Durchblutung.

Einteilung in vier Stadien

Experten teilen den Verlauf eines Druckgeschwürs zur groben Orientierung in vier Stufen ein. Im Anfangsstadium ist eine Rötung zu beobachten. Die Hautstruktur ist aber noch intakt. In der zweiten Stufe ist die Hautoberfläche schon so geschädigt, dass Blasen oder Hautabschürfungen zu sehen sind. Im dritten Stadium sind die unteren Hautschichten betroffen. Es kommt zu einer tiefen Wunde, wobei Muskel- und Knochengewebe noch intakt sind. Im härtesten Stadium liegen Knochen und Muskeln frei.

Gefährdete Stellen

Liegt der Patient auf dem Rücken, treten die Druckgeschwüre meist an den Schulterblättern, am Steiß- und Kreuzbein auf. In Seitenlage sind besonders der Beckenkamm, die Außenseite des Oberschenkels und des Knies gefährdet.

Einfache Vorbeugung

Damit es nicht so weit kommt, können Pfleger mit einfachen Mitteln vorbeugen. Hat der zu Pflegende eine trockene Haut, sollte er ausreichend trinken. Denn: Flüssigkeitsmangel vermindert die Elastizität der Haut. Zudem sollte er mit Johanniskrautöl eingerieben werden, was die Durchblutung fördert.

Bei sogenannter nässegefährdeter Haut, die durch das Tragen von Windeln und dem darin enthaltenen aggressiven Urin verursacht wird, hilft Eincremen mit Babylotionen. Zudem sollten Betroffene im Bett auf Leinen- oder Baumwolltüchern liegen, die atmungsaktiv sind. Auf keinen Fall Produkte mit Plastik verwenden.

Ist die Haut bereits gerötet, muss unbedingt der Arzt informiert werden. Das einzige, was die Angehörigen machen können, ist, für eine Druckentlastung zu sorgen.

Lagerung

Für die Entlastung kommt es auf die richtige Lagerung des Patienten an. Eine einfache Methode ist die Weichlagerung: Dabei werden unter die gefährdeten Stellen Kissen zur Polsterung gelegt. Achtung: Gelenke sollten in entspannter Haltung leicht gebeugt sein.

Ein weiteres Verfahren ist die 30-Grad-Lagerung. Eine Körperhälfte wird leicht angehoben. Zwei große Kissen werden in der Mitte zusammengefaltet. Das erste wird rechts oder links der Wirbelsäule unter den Rücken gelegt, das zweite unter den Oberschenkel.

Zur Entlastung von Gesäß oder Wirbelsäule bietet sich die Schneeschuhlagerung an. Bei Rückenlage werden die angewinkelten Unterschenkel bis zum Knie in zwei prall gefüllte Kissen gestellt. Die Kissen können so in verschiedene Schrittstellungen gebracht werden.

Hilfsmittel

Schnell zur Hand und simpel in der Anwendung sind Handtücher und flache Kissen, die zum Hochlagern und damit zur Entlastung verwendet werden können. Bei sitzenden Pflegebedürftigen empfehlen sich Gel-Sitzkissen. Bei liegenden Patienten kann der Hausarzt eine Wechseldruckmatratze verschreiben. Das heißt: Das Matratzeninnere sorgt elektrisch für eine automatische Druckverteilung.

In der nächsten Folge der Serie «Plege daheim» werden Stürze  und ihre Folgen bei älteren Menschen thematisiert und wie man sich davor schützt.

ham/reu/news.de
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