Mo., 13.02.12

Makrobiotik Essen und ein besserer Mensch werden

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Artikel vom 17.02.2010

Wie esse ich richtig? Das ist die Frage, die derzeit die Biofach-Messe in Nürnberg wälzt. Lebensberater Klaus Schubring hat seine Antwort gefunden: Makrobiotische Ernährung liefert dem Hirn, was es braucht, und entlastet den Körper. Das macht glücklich.

Herr Schubrig, Makrobiotik verspricht Freude am Leben, Freiheit vor finanzieller Angst, Überlebensfähigkeit, Fähigkeit zu Lieben, Selbstlosigkeit. Funktioniert das alles nur durch Ernährung?

Schubring: Ich bin mehr froh als sauer, also muss es in der Richtung eine Wirkung haben.

Wie funktioniert das?

Schubring: Das erfordert eine etwas längere Erklärung, ich versuche mich kurz zu fassen. Alles, was Menschen essen, und wenn es noch so natürlich erscheint, ist Erfindung des Menschen. Für uns ist entscheidend, wie es zusammengestellt und zubereitet ist, damit es mit wenig Aufwand vertragen wird. Desto mehr Freiraum ist für die Gesamtstruktur da, für Aufnahmefähigkeit und Abgabefähigkeit. Frohsinn beruht darauf, dass der Mensch ausreichend Freiraum hat. Das ist die eigentliche Zielrichtung der Makrobiotik, in der Hoffnung, dass Menschen, die mehr Freiraum haben, die Gesellschaft mit mehr Toleranz und Frieden gestalten.

Ernährung ist also die Grundlage für bessere Menschen?

Schubring: Das Hauptthema der Makrobiotik ist nicht Essen und Trinken, sondern die Frage: Was ist ein ziemlich sicherer Weg zur Lebensfreude? Essen und Trinken sind in der Makrobiotik immer in der gesellschaftlichen Funktion zu verstehen. In jeder Kultur kommen doch dieselben Fragen zum Tragen: Was ernährt den Menschen in seiner Intelligenz, so, dass er sich weiter entfaltet? Nahrung ist alles, was uns sozial kompetent macht: emotionale Nahrung, zivilisatorische Strukturen, und Orientierung für jeden Einzelnen. Letztlich funktioniert es aber nur in der Gemeinschaft.

Nichts desto trotz beruht Makrobiotik auf einer bestimmten Ernährung. Was ist das besondere daran?

Schubring: Spannenderweise erfinden Menschen immer wieder essbare Dinge, die in erster Linie unserem Hirnstoffwechsel nutzen. Menschen brauchen definitiv so etwas wie Intelligenznahrung. Ideal ist, was unsere geistig-nervliche Arbeit ernährt und den Körper so wenig wie möglich belastet.

Haben Sie da ein Beispiel?

Schubring: Ihr Körper braucht ein Mindestquantum an Mineralsalzen. Technisch gesehen wird das mit Bratwurst und Pommes abgedeckt, aber diese Kombination bereitet unserem Körper eine Menge Nacharbeit. Dieselbe Nährstoffmenge bekommen sie durch Gemüse im Meersalzsud mit Hirse. Auf die Dauer ist die Frage, was hält der Körper aus? Die leichte Variante sorgt für mehr Freiraum und mehr Gesundheit.

Der Begründer der modernen Makrobiotik, Georges Ohsawa, ist Japaner, und die Makrobiotik ist vor allem dort populär. Warum?

Schubring: Es hat damit zu tun, dass es dort sehr lange Friedensperioden gab. Die Bevölkerung wuchs, aber Japan ist ein Land, das eigentlich nicht viele Menschen ernähren kann. Deshalb wurde wenig tierische Nahrung produziert, weil so mehr Fläche für pflanzliche Nahrung zur Verfügung stand. Weil tierische Nahrung aber von ihrem Mineralanteil wichtig ist für die Hirnentwicklug, brauchte man Alternativen, die diese geistige Aktivität fördern. Das muss erforscht und erfunden werden, zum Beispiel mit der Sojabohne. Sie wird in Sojasoße oder Misopaste verwandelt, das ist Würzmittel, aber gleichzeitig Nervennahrung. Deshalb hat Japan mehr Beilagen, die ideal für die Nervenversorgung sind, und Makrobiotik hat einen japanischen Anstrich bekommen. Es kommt aber aus der Antike.

Die Japaner verwenden auch viele Algen. Was ist das Besondere daran?

Schubring: Algen haben einen sehr geringen Nährwert, aber sie nähern beide Abteilungen des Nervensystems optimal. Mit Polisacchariden, die wie Zucker verdaut werden, und Mineralien.

Die makrobiotische Ernährung ist je nach geographischer Lage unterschiedlich ausgeprägt. Was ist ihr überall gemein?

Schubring: Es gibt eine Grundrichtung, ich nennen das Essmuster eins. Das ist Getreide, bekömmlich zubereitet. Die Körner müssen genügend aufgeschlossen werden, Getreide braucht deshalb lange Kochzeiten und eine Spur Salz.

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