Attacken aus dem Nichts
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 23.01.2010
Alles dreht sich, der Boden schwankt, ein Sog zieht nach unten: Wer unter Schwindelattacken leidet, fühlt sich regelrecht aus der Bahn geworfen. Jeden kann es treffen, denn Schwindel ist nach Kopfschmerzen das zweithäufigste Krankheitssymptom.
Den Tag, an dem ihre Welt ins Wanken geriet, wird Sonja Winter nie vergessen. «Ich wollte gerade die Einkäufe ins Auto räumen», berichtet sie. «Dabei drehte ich mich um – und plötzlich war mir so schwindlig und schlecht, dass ich mich auf den Boden setzen musste.»
Der Rettungswagen brachte sie ins Krankenhaus, wo die Ärzte die Menièrsche Krankheit diagnostizierten und sie mit Infusionen behandelten. Zu Hause kamen die Schwindelanfälle erneut. Sonja Winter konnte ihre Arbeit als Krankenpflegerin nicht wieder voll aufnehmen. «Wenn ich mich mit Schwung ins Bett legte», berichtet sie, «drehte sich das Schlafzimmer.»
Nach Schmerz ist Schwindel das zweithäufigste Krankheitssymptom. Die Auslöser von Schwindelattacken sind vielfältig, nicht jeder Schwindel ist gefährlich oder behandlungsbedürftig. «Denn Schwindel ist auch ein Alltagsphänomen, das wir aus vielen Situationen kennen», sagt Anne Freimann, die als Redakteurin für die Medizinsendung Service: Gesundheit im hr-Fernsehen arbeitet und einen Ratgeber über Schwindel geschrieben hat.
Chaos im Gleichgewichtsorgan
Im Alltag kann uns Schwindel zum Beispiel als Beifahrer oder beim Fahrstuhlfahren ereilen: Im Fahrstuhl haben wir nicht selten das Gefühl zu fallen. Der Grund: «Das Auge erkennt keine Veränderung, und trotzdem nehmen wir die Bewegung des Lifts wahr», erklärt Freimann. Ähnliches gilt beim Auto. Hier wird uns als Beifahrer vor allem beim Blick in die Straßenkarte übel oder schwindelig. Das liegt daran, dass die Augen unterschiedliche Informationen bekommen. Während sich das Auto bewegt, ist die Karte ruhig. Die unterschiedlichen Informationen lösen Chaos im Gleichgewichtsorgan und dadurch Schwindel aus.
Während diese sogenannten akuten Schwindelattacken harmlos sind und schon nach einigen Minuten vollkommen verschwinden, treten andere Schwindelarten plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Die Betroffenen haben das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren und keine Kontrolle mehr über sich und ihre Umwelt zu haben. Die Welt dreht sich wie ein Karussell. Es wird einem schwarz vor Augen oder der Blick verschwimmt. «Schwindelattacken werden deshalb oft auch als Bedrohung wahrgenommen», sagt Freimann.
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