Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager - 29.11.2009, 10.51 Uhr

Alternative Medizin: Gut geschröpft ist halb geheilt

Auf dem Rücken haben sich Glasglocken festgesaugt, die Haut steckt in kleinen, sich tiefrot färbenden Hügeln in den Gläsern. Schröpfen ist eine uralte Heilmethode aus China, die von Heilpraktikern gegen verschiedene Leiden eingesetzt wird.

Mit Unterdruck saugen die Schröpfglocken an der Haut und lindern damit ganz unterschiedliche Beschwerden. Bild: dpa

Hinter der uralten Methode des Schröpfens steckt ein ganz einfaches Prinzip. In zu einer Seite offenen Glaskugeln wird ein Unterdruck erzeugt, die Glocke dann auf die Haut gesetzt. Durch den Unterdruck saugt sie sich fest und zieht die Haut und das darunterliegende Gewebe in die Glocke hinein, erklärt Heilpraktiker Manfred Backhaus. Der Effekt: Das fördert die Durchblutung und den Lymphfluss, die Ausscheidung von Giftstoffen und lockert das Gewebe. «Das kann bei verschiedenen Dingen schmerzlindernd wirken», so Backhaus. 

Beim Schröpfen wird unterschieden zwischen der trockenen und der blutigen Variante. Beim blutigen Schröpfen, das die Wirkung der trockenen Methode verstärkt, wird die Hautpartie, über die die Glocke gestülpt wird, mit einem sogenannten Schröpfschnepper leicht angeritzt, sodass durch den Unterdruck Blut abgesaugt wird. Aber keine Angst, beruhigt Backhaus. Der Blutverlust ist so gering, dass niemand befürchten muss, anschließend umzukippen. «Das sind vielleicht zwei Teelöffel pro Glocke», so der Heilpraktiker. Allerdings, darüber müsse man sich im Klaren seien, hinterlässt diese Methode viele kleine Narben.

FOTOS: Alternative Heilmethoden Ganzheitlich oder unheimlich?

Auch müssen die Wunden gut versorgt werden, damit keine Infektionen entstehen. Sinnvoll sei die blutige Methode dann, wenn eine Blutstauung dem Patienten zu schaffen mache oder Bluthochdruck für Beschwerden sorgt. Auch bei einer Migräne, die durch Blutandrang zum Kopf entsteht, kann das abgesaugte Blut Linderung schaffen. Schröpfen wird zudem gerne bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Auch bei Hexenschuss, Entzündungen oder Verspannungen kann das Gewebe durch die saugenden Glocken entstaut werden, sagt Backhaus. Das sei sehr angenehm, behauptet der Schröpfexperte. Zumindest habe sich bisher noch kein Patient beschwert, fügt er hinzu.

Was das Schröpfen so wirkungsvoll macht: Die Glocken werden entweder direkt dort angesetzt, wo die Beschwerden den Patienten quälen. Eine Art schnelle erste Hilfe gegen die Symptome. Oder sie werden an bestimmte Reflexzonen angesetzt, so dass auch der tiefer liegendere Stoffwechsel profitiert und der Körper entschlackt wird.

Mit Knutschflecken übersähter Rücken

Wer sich die Glocken aufsetzen lässt, sollte in den darauffolgenden Tagen keinen Ballabend mit rückenfreiem Kleid einplanen. Denn die angesaugten Stellen entwickeln sich zu Hämatomen. Der Rücken gleicht dann dem eines Marienkäfers. Diese großen Kutschflecken sind aber, laut Backhaus, weder gefährlich noch schmerzhaft. Sie sind sogar erwünscht. Denn: In den Blutergüssen entstehen histaminartige Körper, die als Reizkörper wirken und die Heilung aktivieren. Backhaus: «Schröpfen ist eben eine Reiztherapie.»

Eine weitere Variante: Die Schröpfmassage. Auch da wird ein Glas mit Unterdruck an der Haut festgesaugt. Aber statt statisch an einer Stelle zu sitzen, wird die Glocke über eine größere Hautfläche, etwa über den Rücken, gezogen. «Das ist eine gute Methode bei Muskelschmerzen.»

Eigentlich gibt es kaum Anzeichen oder Krankheiten, die gegen das Schröpfen sprechen, weil es, wird es richtig angewendet, keinerlei Risiken oder Nebenwirkungen in sich birgt. Allerdings: Die Glocken sollten nie auf verletzte oder kranke Haut gesetzt werden. «Ich würde etwa nie ein Glas auf ein Ekzem setzen», schränkt Backhaus ein.

Ideal als Begleittherapie

Der Unterdruck in den Gläsern kann übrigens ganz unterschiedlich erzeugt werden. Ob nun mit Ventil, Schläuchen und Pumpe, mit Alkohol ausgewischt und angezündet oder mit einem in Ether getauchten Wattebausch, das hängt ganz von den Präferenzen des Therapeuten ab.

Auch wenn der Anblick von Schröpfgläsern auf dem Rücken und am Nacken am bekanntesten ist, ist Schröpfen prinzipiell an jeder Körperstelle möglich. Dafür gibt es ganz unterschiedlich große Schröpfköpfe. So können etwa ganz winzige Gläser an kleinen Gelenken oder der Stirn zum Einsatz kommen. Backhaus bevorzugt, das Schröpfen nur als begleitende Therapie einzusetzen, da die Methode in vielen Fällen nur die Symptome lindern kann, aber die Ursachen nicht dauerhaft heilt.

Wie oft und wie viele Saugglocken auf der Haut landen, ist vom einzelnen Patienten abhängig. Während bei einem eine einzelne Glocke bereits beim ersten Ansaugen die Migräne vertreibt, werden bei anderen zahlreiche Gläser über mehrere Sitzungen angesetzt. Die Kosten berechnen sich immer aus dem jeweiligen Aufwand. Wie auch bei anderen Therapien der Heilpraktiker springt die Krankenkasse nicht ein. Stattdessen muss der Patient selbst in die Tasche greifen.

ham/news.de

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