Die Eifersucht zum Freund machen
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 03.11.2009
Für die einen ist sie das Salz in der Suppe einer Beziehung, für andere ein quälendes Gefühl: Die Eifersucht ergreift scheinbar ungefragt von uns Besitz. News.de erklärt, woher sie kommt, was sie mit uns anstellt und wie Betroffene von ihr los kommen.
«Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.» In diesem bekannten Satz steckt eine Menge Wahrheit: Etwa 80 Prozent aller Männer und Frauen geben laut einer Umfrage des Wickert Instituts zu, eifersüchtig zu sein, 30 Prozent sogar extrem eifersüchtig. Kaum jemand kann sich gegen dieses Gefühl, wenn es ihn einmal erfasst hat, erfolgreich wehren. Und der Partner, der sich zu unrecht verdächtigt fühlt, ist nicht selten hilflos.
«Oberflächlich betrachtet erscheint uns Eifersucht als ein Gefühl, das äußere Ereignisse und andere Menschen in uns auslösen können», sagt der Mannheimer Psychologe und Psychotherapeut Dr. Rolf Merkle. «Weil der andere das oder jenes tut, müssen wir mit Eifersucht reagieren. Tatsächlich ist es aber so, dass wir unsere Eifersucht selbst auslösen», erklärt Merkle.
Hinter der Eifersucht verbergen sich laut dem Experten große Selbstzweifel, Besitzdenken und die Einstellung, unbedingt die Liebe, Bestätigung und Aufmerksamkeit des Partners zu brauchen. Betroffene seien sich ihrer selbst nicht sicher und lebten deshalb in ständiger Angst, für ihren Partner nicht gut genug, attraktiv oder liebenswert zu sein.
Diese Angst verleite die Betroffenen zu Zwangsverhören, Vorwürfen und Schnüffeleien. «Manchmal gehen Betroffene sogar so weit, die Wäsche zu kontrollieren, dem Partner hinterherzufahren oder mit Kontrollanrufen zu bombardieren», berichtet Merkle, der einen Ratgeber zum Thema geschrieben hat (Eifersucht - woher sie kommt und wie wir sie überwinden können, Palverlag).
Wer ist anfällig für Eifersucht?
«Menschen, die an sich selbst glauben, sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst sind und sich annehmen, sind weniger empfänglich für Eifersucht», sagt Merkle. Sie hätten in ihrer Kindheit gelernt, sich von der Meinung anderer weniger abhängig zu machen und ihren Wert nicht danach zu bemessen, wie beliebt sie bei anderen sind. Sie hätten gelernt, selbst für ihre Zufriedenheit zu sorgen. Stark eifersüchtige Menschen hingegen, die unter krankhafter Eifersucht leiden, bräuchten die Bestätigung durch andere ebenso stark wie ein Verdurstender Wasser.
Wir können gar nicht anders als eifersüchtig zu sein, sagt dagegen Ulrich Clement. Denn die Eifersucht sei «tief im menschlichen Verhaltensprogramm verwurzelt». Ebenso wie die Untreue. «Es sieht so aus, als hätte die Natur uns zwei gegensätzliche Impulse eingepflanzt und überließe uns nun die Aufgabe, diesen Widerspruch zu lösen. Auf der einen Seite die Sehnsucht nach etwas Neuem, nach Ungebundenheit, auf der anderen Seite die Eifersucht und der Wunsch, den Partner festzuhalten», so der Heidelberger Paar- und Sexualtherapeut.
Clement sagt, Männer und Frauen seien aus unterschiedlichen Gründen eifersüchtig. Männer müssten darauf achten, dass sie Zeit, Energie und Fürsorge in den eigenen Nachwuchs investieren und nicht in den Nachwuchs anderer Männer. «Da die Vaterschaft aber nie ganz sicher ist, müssen sie einerseits eifersüchtig darüber wachen, dass die Partnerin nicht das Erbgut, also den Samen anderer Männer aufnimmt. Andererseits lohnt es sich für sie, ihre Gene zu platzieren, wo immer es möglich ist, sich also ihrerseits polygam zu verhalten», sagt Clement. Das erkläre auch, warum Männer sowohl eifersüchtig als auch polygam sind. Und es erkläre, warum für Männer die sexuelle Untreue bedrohlicher ist als die emotionale Untreue.
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Nur einen Mann lieben, das ist für Regula Heinzelmann nicht vorstellbar. Die Juristin und Schriftsteller mehr ...
Lebenslange Treue ist ein Ideal, das heutzutage kaum mehr zu halten ist. Das behaupten immer mehr ...
Männer sind von Natur aus untreu, wollen sowieso nur Sex und die Betrogenen sind immer mehr ...
Untreue Partnerinnen haben ab sofort eine gute Entschuldigung parat, wenn sie beim Fremdgehen erwischt werden: Ein Hormon mehr ...
Irgendwie steckt sie doch in fast jeder von uns, die kleine Prinzessin oder gar Königin: mehr ...
Gibt es die rein platonische Freundschaft zwischen Männern und Frauen oder funken Gefühle und Sex tatsächlich immer mehr ...
Da ist der Hund dem Herrchen doch ähnlicher als gedacht: Nach Wiener Forschern kann auch der beste Freund des Menschen neidisch mehr ...