Die Angst, todkrank zu sein
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Rat suchen Hypochonder seit einigen Jahren vermehrt im Internet. «Das Internet ist oft die erste Anlaufstelle für Menschen mit Krankheitsängsten – die Hemmschwelle ist hier einfach niedriger», sagt die Psychologin Gaby Bleichhardt, die an der Mainzer Universität zu dem Thema forscht. Die Gefahr sei dabei, dass sich im Netz zu jedem Symptom gleich eine passende Krankheit als Erklärung finden lasse. «Dadurch verschlimmert das Internet die Ängste der Betroffenen oft noch.» Hypochonder erhielten so im Handumdrehen passende Belege für ihren Krankheitsverdacht, deren Wahrheitsgehalt sie kaum einschätzen können: Bauchschmerzen deuten dann auf ein Magengeschwür hin, und ein Kribbeln in den Fingern wird zum ersten Anzeichen von Multipler Sklerose.
US-Forscher wie Brian Fallon von der Columbia Universität in New York haben für dieses Phänomen schon ein neues Fachwort erfunden: Cyberchondrie. Fallon zufolge ist der Hypochonder von heute meist ein Cyberchonder. Betroffene tun nichts Anderes mehr, als im Internet ihre Symptome zu prüfen.
Eine Verhaltenstherapie kann helfen
Schäller, der eine Selbsthilfegruppe gegründet hat, kann das bestätigen: «Das ist eine unendliche Spirale. Ohne die nötige Disziplin, den PC rechtzeitig auszuschalten, kann das schnell zur Sucht werden.» Er hat sich schließlich zu einer Verhaltenstherapie durchgerungen. Kein leichter Schritt, denn wie viele Betroffene war Schäller fest von seinen körperlichen Leiden überzeugt. Die Hilfe eines Psychotherapeuten aufzusuchen, erschien ihm wenig einleuchtend.
Bleichhardt kennt solche Vorbehalte. An der Universität Mainz gibt es ein spezielles Behandlungskonzept , das sich bereits bewährt habe, sagt sie. Bei der Behandlung werde unter anderem versucht, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren. In einer Verhaltenstherapie sollen die Patienten lernen, ihren Gedanken eine andere Richtung zu geben, erklärt die Forscherin. Die ständige Selbstkontrolle des Körpers solle dabei nachlassen.
Laut Bleichhardt ist nicht jeder gleich ein Hypochonder, der aus Sorge über eine mögliche Erkrankung im Netz nach Symptomen sucht. «Denn Angst vor Krankheiten hat wohl jeder. Krankhaft wird diese Angst erst, wenn sie Betroffene über einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr ständig beschäftigt.»
kat/news.de/dpa
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