Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
So altmodisch der Begriff «Heimat» auch klingen mag, jeder braucht ihn, um sich geborgen zu fühlen. Wem die Heimat dagegen verloren geht, der ist anfälliger für psychische Belastungen, Depressionen oder gar Psychosen.
Heimat muss nicht mehr ein bestimmter Ort sein, wie es früher verstanden wurde, sagt Heimatexpertin und Psychologin Professor Beate Mitzscherlich. «Heimat ist ein inneres Konstrukt und nicht unbedingt ein realer geographischer Ort.» Dieses Konstrukt kann aus sozialen Beziehungen zu Freunden oder der Familie sein, sich auf Geschmack, Gerüche oder Geschichten und Erinnerungen beziehen.
Manche Menschen finden ihre Heimat in ihrer Arbeit oder etwa über Sport in ihrem Körper. «Manche Menschen sagen auch ‹Meine Heimat bin ich›», so Mitzscherlich. Diese innere Beheimatung kann etwa durch Yoga, Meditation oder Religion erreicht werden. Auch muss dieses Konstrukt ein Leben lang immer wieder erarbeitet werden und kann sich auch stetig wieder ändern.
Heimat wird von vielen Wissenschaftlern und Psychologen als Basis von Identität gesehen. «Man braucht einen Ort der Zugehörigkeit, um sich entwickeln und abgrenzen zu können», so Mitzscherlich. Aus der Migrantenforschung wisse man, dass die Entwurzelung, der direkte Verlust der örtlichen Heimat, zu wesentlich höheren Depressionsraten führt. Das gelte besonders für Frauen.
Das trifft aber auch auf Migranten zu, die ihre Heimat freiwillig verlassen haben und nicht unbedingt durch Krieg, Folter oder Verfolgung gezwungen waren zu gehen. Dieser Verlust von Heimat kann in bedrohlichen Situationen sogar bis zur Psychose führen und die Psyche völlig entwurzeln. Ob aber Migration und Entheimatung immer per se eine Traumatisierung darstellt, darüber ist sich die Wissenschaft nicht einig.
Traditionen als Puffer in der Fremde
Viele Migranten der ersten Generation konzentrieren sich am neuen Ort verstärkt auf ihre Traditionen, Bräuche und Speisen, um einen Puffer gegenüber dem Neuen zu bilden. Besonders, wenn der Unterschied zwischen den Kulturen oder dem Erscheinungsbild, etwa der Hautfarbe, signifikant ist. Kommen sie allerdings gar nicht erst in der neuen Heimat an, weil sie nicht integriert werden oder die Sprache nicht lernen, sondern bleiben zwischen den Welten hängen, dann kann dies zu psychischen Erkrankungen führen.
«Sich einer neuen Umgebung anpassen zu müssen, ist immer eine psychologische Belastung», so Mitzscherlich. Frauen empfinden das Umziehen viel stärker als Verlust von einem sozialen Netzwerk. Männer dagegen sehen dies oft als Chance. Besonders, wenn der neue Ort mit dem einem Sprung nach oben auf der Karriereleiter bedeutet. Untersuchungen hätten ergeben, dass die psychische Belastung in allen Gruppen dann nachlässt, wenn Integration anfängt zu greifen.
Da durch den Arbeitsmarkt inzwischen oft Mobilität vorausgesetzt wird, besteht die Gefahr, dass Bindungen nicht mehr geknüpft werden können und kein funktionierendes soziales Netzwerk aufgebaut wird. «Wer sein Leben lang alle zwei Jahre von einer Stadt zur nächsten gezogen ist, hat dies vielleicht nicht mehr», gibt Mitzscherlich zu bedenken und fügt hinzu: «Nicht mehr zu wissen, wo man hingehört, zumindest immer wieder zeitweise, ist ein sehr modernes und verbreitetes Gefühl.»
Dabei sind soziale Bindungen wichtig für die Gesundheit. «Ein funktionierendes soziales Netz ist eines der sichersten Mittel gegen Depression», sagt die Psychologin. «Es ist zwar keine Garantie, dass psychische Einbrüche verhindert werden, aber es fängt am besten auf.» Das bezieht sich nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf den Körper. Denn: Auch Heilungschancen bei schweren Krankheiten sind dann am besten, wenn Menschen da sind, die Halt und Kraft geben.
Beheimatet in Hotelketten und Flugzeugen
Bindungen nehmen psychologisch gesehen viel Arbeit ab. Schließlich müsse man dann nicht mehr ständig die Frage stellen, ob die Position, in der man sich im Leben gerade befindet, wirklich die richtige ist. Das kostet sonst viel Energie. Beziehungen zu anderen Menschen vermitteln dagegen das Gefühl angekommen zu sein.
Menschen, die wegen ihres Berufs ständig unterwegs sind, entwickeln Strategien, um sich dennoch in der Fremde irgendwie beheimaten zu können. Das Bedürfnis von Vertrautheit manifestiert sich dann etwa darin, immer mit der gleichen Fluglinie zu fliegen, die gleiche Hotelkette aufzusuchen oder bestimmte Rituale zu entwickeln.
Auch bei einem einfachen Umzug in eine neue Stadt gibt es Stategien, die Beheimatung vorantreibt. «Etwa das Einrichten der neuen Wohnung», so Mitzscherlich. Oder Verantwortung, die man vielleicht im Verein oder in der lokalen Politik einnimmt.
Für Psychologen hat der Heimatbegriff vor allem eine emotionale Qualität. «Dies ist ein Ort, fiktiv oder real, an dem man sich geborgen, aufgehoben und sicher fühlt», sagt Mitzscherlich. Unsicherheiten im Job und damit im Wohnort sowie instabile Beziehungen bringen nicht nur eine örtliche, sondern auch eine psychologische Entwurzelung mit sich. «Dieses ewige auf dem Sprung sein nimmt die Fähigkeit, sich zu entspannen», sagt Mitzscherlich und vermutet darin den Grund in der gestiegenen Stresswahrnehmung.
Es wird gerne die These aufgestellt: Wenn die Welt wieder heimatlicher wird, wird der Einzelne auch wieder gesünder. «Ich denke, da ist was dran», sagt Mitzscherlich. «Auch wenn das natürlich ein stark verkürzte Sicht ist.»
car/news.de
Dieser These über das Nichtfinden der Heimat kann ich nur Recht geben. Ein Mensch, den ich sehr genau kenne, wurde aus dem ehemaligen Sudetenland ausgewiesen. Das war im 2. Weltkrieg. Der Mensch lebte gerade in der Pupetät. Er hatte viele Ängste, auch Angst um seine Eltern. Vieles, Unmenschliche mußte dieser Mensch erfahren. Die Ängste konnte er nicht ablegen. Sie begleiteten Ihn dzrch sein Leben. Das führte zu Depressionen. Auch ein soziales Netz aufzubauen war sehr schwer. Der Mensch suchte seinen halt in der Arbeit, was ihm auch gelang. Jedoch wurden die Ängste auch auf die Kiner übertragen
jetzt antwortenKommentar meldenIn der Fremde, wie er den Rast der Welt nennt, beheimatet zu sein ist etwas schönes. Dich auf der ganzen Welt zu Hause fühlen und ein paar Sprachen zu sprechen. Das soll Entwurzelt sein? Der Psychologe hat wohl studiert. Oder? Selbstverstänslich dibt es auch Gegenden iin denen man sich nicht zu Hause fühlt. Es sind zugemüllte Dtadtviertel mit sich schlcht benehmenden Menschen oder auch mit dem gayule von Moschenn. Da aber braucht man dann ja auch nicht hin. Ergo. Wem es in einem anderen Land nicht gfällt, sollte doch zu Haus bleiben. Das erspart ihm psychische Störungen.
jetzt antwortenKommentar meldenüberall Wurzelschäden, oder? Einfach ideal, ( !!! ) dass ich für eine staatliche Einrichtung als Ermittler im Saisonbetrieb, mit den der Staatsanwaltschaft gleichen Rechten und Pflichten, den hiesigen Arbeitgebern strafbares Handeln nachweisen musste und ( !!! ) ich dies noch zertifiziert bekam, damit ich mich dann nach Saisonende bei den von mir geprüften und gemaßregelten Arbeitgebern und Unternehmern um einen neuen Job bewerben kann, will, soll und muss. Pat.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Kommentar fesselt schon deswegen, weil er einen sozialdemokratischen Zuschnitt hat. Zumindest nach Schröder. Aber Selbsterkenntnis war noch nie die linke Sache.
jetzt antwortenKommentar meldenDies Anschauung ist genau diese wissenschaftliche Verbrämung gescheiterter Lebensverhältnisse. Persönliche oder kollektive Mängelempfindungen werden zum Maßstab der Senkung des allgemeinen Niveaus. Der Widerspruch der Aussagen wird schon dadurch offensichtlich, jedoch nicht wahrer, wenn so genannte Einwanderer nichts anderes zu tun haben, als Heimatpflege zu betreiben. Im Falle sog. Migranten hier zu Lande wird die Heimatpflege zum Verdrängungssachverhalt. Erdokan hierzu: Türkei ist, wo Türken leben. Zum obigen Sprachwirrwarr: Psychiatrie ist, wo die Psychose ihre Urstände feiert.
jetzt antwortenKommentar melden