Sozialversicherungen: Noch weniger Netto vom Brutto - Deutschen droht Abgabe-Hammer

Eine neue Studie zu den Sozialbeiträgen in Deutschland kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Die Abgaben für Arbeitslosen-, Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung könnten in den kommenden Jahren weiter drastisch steigen. Wie viel bleibt künftig überhaupt noch vom Bruttolohn übrig?

Erstellt von - Uhr

Deutsche Arbeitnehmer müssen sich einer aktuellen Studie zufolge wohl bald auf noch höhere Sozialabgaben einstellen. (Foto) Suche
Deutsche Arbeitnehmer müssen sich einer aktuellen Studie zufolge wohl bald auf noch höhere Sozialabgaben einstellen. Bild: Adobe Stock/Coloures-Pic
  • Laut aktueller Studie könnten die Sozialbeiträge weiter stark steigen
  • Deutsche müssen bald wohl knapp die Hälfte ihres Bruttolohns an Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abführen
  • Auch geplante Reformen können diese Entwicklung offenbar nicht aufhalten

Beschäftigte und Unternehmen in Deutschland müssen sich auf drastisch steigende Sozialabgaben einstellen. Laut einer aktuellen Untersuchung des IGES Instituts, die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt wurde und über die aktuell die "Bild" berichtet, könnten die Gesamtbeiträge für Rente, Gesundheit, Pflege und Arbeitslosigkeit bis 2035 auf nahezu 50 Prozent des Bruttolohns klettern. Derzeit liegt der Wert bei 42,8 Prozent.

Sozialabgaben: Hohe Belastungen kommen laut Studie auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu

Besonders ernüchternd: Selbst die von der Regierung angestoßenen Reformen können diese Entwicklung nicht stoppen. Je nach Berechnungsvariante ergibt sich für 2035 eine Belastung zwischen 47,5 und 49,3 Prozent. Konkret bedeutet das bei einem monatlichen Bruttoverdienst von 3.000 Euro eine zusätzliche Belastung von 141 bis 195 Euro pro Monat – aufgeteilt auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite.

Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung: Wo die Beiträge am meisten steigen sollen

Den größten prozentualen Sprung verzeichnet die Arbeitslosenversicherung: Von aktuell 2,6 Prozent könnte der Satz bis 2035 auf 4,4 Prozent hochschnellen. Hintergrund sind trübe Jobaussichten und ein Schuldenberg der Bundesagentur für Arbeit von rund zehn Milliarden Euro.

Bei der Rentenversicherung rechnen die Forscher mit einem Anstieg von 18,6 auf 20,9 Prozent – getrieben durch eine wachsende Zahl an Rentnern bei gleichzeitig schwindenden Rücklagen der Rentenkasse. Die Krankenkassenbeiträge könnten von 17,7 auf 18,8 Prozent steigen, da Einspareffekte der Reformen laut Studie ab 2031 wieder verpuffen.

Auch die Pflegeversicherung steht unter enormem Druck: Die Zahl der Pflegebedürftigen dürfte von 5,9 Millionen auf 8,3 Millionen anwachsen. Die geplante Pflegereform kann diesen Kostenschub zwar abbremsen, die Finanzierungslücke jedoch nicht vollständig schließen.

Warnung: Arbeit in Deutschland wird teurer

INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben sieht laut "Bild" in den Ergebnissen ein deutliches Warnsignal: "Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber 2035 zusammen fast die Hälfte des Bruttolohns an die Sozialversicherung abführen, wird Arbeit in Deutschland noch teurer, und netto bleibt noch weniger übrig."

Wie stark die Abgabenlast tatsächlich anzieht, hängt maßgeblich von der konjunkturellen Entwicklung ab. Die Bandbreite reicht laut Studie von 46,6 Prozent im günstigsten bis zu 51,6 Prozent im ungünstigsten Szenario. Auch die geplante Kapitalrente, für die ab 2028 schrittweise zwei zusätzliche Beitragspunkte in einen Fonds fließen sollen, dürfte erst nach 2035 eine spürbare Entlastung bringen.

Auch diese News könnten Sie interessieren:

/sfx/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.