Nach Midterm-Debakel: Macht Trump vorzeitig Schluss? Experte überrascht mit Prognose

Die Demokraten haben Donald Trump und den Republikanern bei den US-Zwischenwahlen eine schwere Niederlage zugefügt. Wahlanalytiker Nate Silver geht nun sogar so weit, einen vorzeitigen Rückzug des US-Präsidenten ins Spiel zu bringen.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Tritt Donald Trump bald zurück? (Foto) Suche
Tritt Donald Trump bald zurück? Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon
  • Demokraten übernehmen die Kontrolle über beide Kongresskammern
  • Nate Silver hält einen vorzeitigen Rückzug Trumps für denkbar
  • Vizepräsident Vance gibt dem Iran-Krieg eine Mitschuld an der Wahlniederlage

Hat Donald Trump bald genug vom Weißen Haus? Der renommierte Wahlforscher Nate Silver äußerte eine bemerkenswerte Vermutung: Der US-Präsident könnte nach dem historischen Debakel seiner Partei bei den Midterm-Wahlen einen Vorwand finden, um sein Amt vorzeitig niederzulegen. Er habe da "eine seltsame Intuition", sagte Silver im Podcast "Still Counting".

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Zum Hintergrund: Die Republikaner haben bei den Zwischenwahlen 2026 eine bittere Niederlage kassiert, wie sie das Land seit der Watergate-Ära 1974 nicht mehr erlebt hat. Beide Kongresskammern gingen an die Demokraten, der Vorsprung im nationalen Popular Vote lag bei 13 Prozentpunkten. Silver, der die blaue Welle korrekt vorhergesagt hatte, sprach von einer Zurückweisung, die der US-Präsident "in gewisser Weise lange herausgefordert" habe.

Nach Midterm-Debakel für Donald Trump: Tritt der US-Präsident vorzeitig ab?

Die Dimensionen des demokratischen Erdrutschsiegs sind gewaltig: Zum Zeitpunkt der Podcast-Aufnahme hielten die Demokraten 54 Senatssitze – mit Aussicht auf 55 oder sogar 56. Im Repräsentantenhaus zeichneten sich laut NBC-Schätzungen 258 Sitze ab, dazu kamen fünf eroberte Gouverneursposten. Podcast-Moderator Galen Druke ordnete das Ergebnis als "Zurückweisung im Watergate-Ausmaß" ein – mit dem Hinweis, dass die Demokraten 1974 zwar noch deutlicher gewonnen hätten, die heutige politische Polarisierung einen direkten Vergleich aber verbiete. "Im Maßstab ist es durchaus vergleichbar", so Druke. Silver selbst bezeichnete das Wahlergebnis als das "Ende einer Art Trump-Ära". Seine erste Frage am Morgen danach: Wie sollen sich die Republikaner bis 2028 aus dieser Lage befreien, wenn der nächste Wahlzyklus bereits begonnen hat?

JD Vance geht auf Distanz zu Donald Trump

Vizepräsident JD Vance wartete nicht lange mit seiner Reaktion. In einem bemerkenswerten Statement auf X machte er Trumps zutiefst unpopulären Iran-Krieg für das historische Wahldesaster verantwortlich. "An alle, die sauer sind und sagen wollen, 'Wir haben es euch ja gesagt': Ihr habt recht, ihr habt es uns gesagt", schrieb Vance – und fügte hinzu, man solle diese Energie nutzen, um Republikaner zu wählen, die die eigene Weltsicht teilten. Das klang, wie "The Daily Beast" bemerkte, verdächtig nach Wahlkampf. Silver hält Vance dennoch nicht für den aussichtsreichsten republikanischen Kandidaten 2028. Der Vizepräsident sei zu eng mit Trump verknüpft. Gefragt, wen er auf das republikanische Ticket setzen würde, nannte Silver stattdessen Floridas designierten Gouverneur Byron Donalds.

Teufelspakt der Republikaner

Die Republikanische Partei steckt nach Silvers Einschätzung in einem fundamentalen Dilemma. Die Partei habe "einen Teufelspakt mit Trump geschlossen", erklärte er im Podcast – drei Richter am Supreme Court und Steuersenkungen für Wohlhabende erkauft, dafür aber einen enormen Preis gezahlt. Trump habe "jeglichen Sauerstoff für alle anderen in der Republikanischen Partei aufgesogen". Entscheidend sei: "Er hat den Angstfaktor verloren."

Während Nikki Haley bereits am Wahlabend die Rückkehr zum klassischen Dreigestirn aus Familienwerten, freier Marktwirtschaft und harter Sicherheitspolitik predigte, rechnete Ron DeSantis auf X kühl vor, dass die Republikaner den Kongress möglicherweise erst 2028 und den Senat erst 2032 zurückerobern könnten. Claire Malone las daraus ein unmissverständliches Signal an Trump und dessen Gefolgsleute. Das Problem: Trump hat nicht nur die alte Partei diskreditiert – sondern auch seine eigene Version davon.

2028: Das Schlimmste könnte noch kommen

Auf den Wettmärkten gelten die Demokraten inzwischen als 2-zu-1-Favorit für die Präsidentschaftswahl 2028 – die Wahrscheinlichkeit stieg nach dem Wahlabend von rund 60 auf 67 Prozent. Silver warnte auf X davor, die Midterm-Ergebnisse vorschnell abzutun: "Ich weiß, die 'schlaue' konventionelle Weisheit besagt, dass Midterms keine künftigen Wahlergebnisse vorhersagen", schrieb er und verwies auf eine Grafik, die Trumps katastrophale Zustimmungswerte mit denen von George W. Bush verglich. "Aber 2006 ist die einzige moderne Amtszeit mit einer solchen Welle." Nach dem damaligen Verlust beider Kammern folgte 2008 Obamas Erdrutschsieg gegen John McCain. Podcast-Kollege Druke mahnte allerdings zur Vorsicht: Historisch betrachtet gleiche der Zusammenhang zwischen Midterms und der folgenden Präsidentschaftswahl eher "einem Jackson-Pollock-Gemälde" als einer geraden Linie.

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