Donald Trump: Handy-Kontrolle nach Midterm-Debakel – Trump-Assistentin schirmt ihn offenbar ab

Wer Donald Trump auf seinem persönlichen Handy anruft, bekommt seit Kurzem nicht mehr den Präsidenten ans Ohr, sondern eine Frau Anfang 30, die entscheidet, ob man überhaupt zu ihm durchgestellt wird. Nach der desaströsen Midterm-Niederlage der Republikaner hat Assistentin Natalie Harp offenbar die Kontrolle über Trumps wichtigste Verbindung zur Außenwelt übernommen.

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Donald Trump wurde nach dem Midterm-Debakel offenbar von seiner Assistentin abgeschirmt. (Foto) Suche
Donald Trump wurde nach dem Midterm-Debakel offenbar von seiner Assistentin abgeschirmt. Bild: picture alliance/dpa/AP | Jacquelyn Martin
  • Natalie Harp soll Anrufe auf Donald Trumps persönlichem Handy entgegennehmen und vorsortieren
  • Die 35-Jährige arbeitet inzwischen in Trumps privatem Speisezimmer und gilt als wichtige Vertraute
  • Auch beim Informationsfluss und beim Zugang zu Trump soll Harp eine zentrale Rolle spielen

Nach der verheerenden Midterm-Niederlage der Republikaner scheint sich um Donald Trump eine neue Mauer hochzuziehen und ihre Architektin ist seine Assistentin Natalie Harp. Wie "The Independent" berichtet, hat die Exekutivassistentin offenbar die Kontrolle über das persönliche Mobiltelefon des US-Präsidenten übernommen und entscheidet nun eigenständig, welche Anrufe zu ihm durchgestellt werden.

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Handy-Putsch gegen Donald Trump: Assistentin übernimmt nach Midterm-Debakel Kontrolle

Das ist ein bemerkenswerter Kurswechsel. Monatelang hatte das Weiße Haus damit geprahlt, wie unkompliziert Trump für Journalisten erreichbar sei – Pressevertreter konnten seine Nummer wählen und zu praktisch jeder Tages- und Nachtzeit kurze Interviews bekommen. Damit scheint nun Schluss zu sein. Statt des Präsidenten selbst meldet sich seit rund 48 Stunden eine junge Frau, die wissen will, wer am Apparat ist. Erst dann fällt die Entscheidung, ob ein Gespräch zustande kommt – "offenbar nach ihrem Ermessen", wie "The Independent" schreibt.

Mehrere Journalisten bestätigten gegenüber "The Independent", dass ihre Anrufe auf Trumps bekannter persönlicher Nummer in den vergangenen zwei Tagen stets von derselben jungen Frau entgegengenommen wurden, die zunächst die Identität des Anrufers verlangte. Auch die Zeitung selbst machte am Dienstagabend, während die Midterm-Ergebnisse eintrudelten, dieselbe Erfahrung. Besonders aufschlussreich: Als "Politico"-Reporterin Dasha Burns den Präsidenten während eines Live-Streams am Wahlabend anrief, wurde die Person am anderen Ende der Leitung aufgezeichnet. Ein Stimmabgleich mit Harps Rede auf dem Republikanischen Nationalkonvent 2020 ergab nach Einschätzung von "The Independent" eine identische Übereinstimmung.

Ein langjähriger Korrespondent im Weißen Haus schilderte zudem, dass er erst durchgestellt wurde, nachdem Trump im Hintergrund seinen Namen gehört und signalisiert hatte, das Gespräch anzunehmen. Die Assistentin fungiert damit als menschlicher Filter zwischen Präsident und Außenwelt.

Vom Schreibtisch vor dem Oval Office ins private Speisezimmer

Harps Aufstieg zur zentralen Figur in Trumps unmittelbarer Umgebung vollzog sich schrittweise. Die etwa 30-jährige Assistentin war lange als Trumps "menschlicher Drucker" bekannt – sie begleitete ihn auf Schritt und Tritt und versorgte ihn mit ausgedruckten Artikeln, die seine Stimmung heben sollten, vorzugsweise schmeichelhafte Berichterstattung.

Inzwischen hat sie ihren angestammten Arbeitsplatz direkt vor dem Oval Office offenbar aufgegeben und sich stattdessen in Trumps privatem Speisezimmer eingerichtet, wo sie Nachrichtenartikel und Dokumente für den Präsidenten ausdruckt. Laut "New York Times" gehört sie zu dem kleinen Kreis, mit dem sich Trump "zunehmend abkapselt".

Harp veröffentlicht Berichten zufolge auch Beiträge auf Truth Social im Namen des Präsidenten. Vergangene Woche diktierte Trump ihr an Bord der Air Force One seine wütende, 1.300 Wörter lange Tirade gegen TV-Moderator Bill Maher.

Loomer-Draht und Medienverbote: Harps Machtspiele hinter den Kulissen

Die Übernahme des Präsidentenhandys ist dabei nur der jüngste Ausdruck von Harps wachsendem Einfluss auf Trumps Informationsfluss. Mehreren Berichten zufolge war es die Assistentin, die den Kontakt zwischen Trump und der selbsterklärten "Islamophobin" und rechtsextremen Aktivistin Laura Loomer herstellte – und zwar wiederholt und gegen den ausdrücklichen Widerstand ranghoher Mitarbeiter im Weißen Haus.

Auch bei einer der umstrittensten medienpolitischen Entscheidungen der zweiten Amtszeit soll Harp die treibende Kraft gewesen sein: Im September verfügte Trump den Ausschluss von CNN, MSNOW und Politico aus dem Weißen Haus. Laut den vorliegenden Berichten ging diese Maßnahme maßgeblich auf Harps Einfluss zurück.

Das Muster ist deutlich: Die Assistentin bestimmt zunehmend nicht nur, welche Nachrichten den Präsidenten erreichen, sondern auch, welche Medien überhaupt Zugang zu ihm erhalten.

Der einst erreichbarste US-Präsident kapselt sich ab

Was sich hier abzeichnet, ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Ein Präsident, der seine ständige telefonische Erreichbarkeit jahrelang als Alleinstellungsmerkmal gegenüber seinen Vorgängern ins Feld führte, wird nun von seiner engsten Mitarbeiterin systematisch von der Außenwelt abgeschirmt. Der Zeitpunkt ist dabei kaum zufällig gewählt.

Die neue Abschottung fällt zusammen mit Trumps historisch niedrigen Zustimmungswerten und der demütigenden Midterm-Schlappe seiner Partei. Statt sich den unangenehmen Fragen der Presse zu stellen, läuft der Zugang zum mächtigsten Mann der Welt nun über eine einzelne Assistentin Anfang 30, die nach eigenem Gutdünken entscheidet, wer durchgestellt wird.

Die "New York Times" hatte bereits beschrieben, dass sich Trump mit einem immer kleineren Personenkreis umgibt. Harps Griff zum Präsidentenhandy macht diese Isolation nun auch für die Außenwelt spürbar.

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