Wladimir Putin: Wirbel um Estland-Angriff - Kremlchef könnte in Nato-Grenzstadt eindringen
Eine US-Denkfabrik warnt, russische Spezialkräfte könnten unbemerkt in die estnische Grenzstadt Narva eindringen und dort eine Volksrepublik ausrufen. Eine estnische Sicherheitsexpertin sendet eine unmissverständliche Botschaft an den Kreml.
Erstellt von Tobias Rüster - Uhr
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- Wladimir Putin könnte Einheiten in Estland eindringen lassen
- Sicherheitsexpertin analysiert möglichen Putin-Angriff
- Nato-Land warnt: Putin-Vorstoß niemals wirklich "begrenzt"
- Nato-Versprechen als klare Botschaft an Wladimir Putin
Eine estnische Sicherheitsexpertin hat einem vieldiskutierten Szenario der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) entschieden widersprochen. Demnach könnte Russland, das zuletzt Elon Musk drohte, die estnische Grenzstadt Narwa durch eine verdeckte Militäroperation einnehmen. Merili Arjakas, Forscherin am International Centre for Defence and Security (ICDS) in Estland und Chefredakteurin des außenpolitischen Magazins "Diplomaatia", hält dieses Szenario für nicht glaubwürdig, wie sie im britischen "Express" erklärt.
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Wladimir Putin könnte Einheiten in Estland eindringen lassen
Das ISW-Szenario zeichnet ein bedrohliches Bild: Russische Spezial-Einheiten und verdeckte Agenten würden demnach unbemerkt über die Grenze nach Narwa eindringen. Zusammen mit vorpositionierten Kräften würden sie strategische Positionen in der Stadt besetzen und eine sogenannte Volksrepublik ausrufen.
Der Kreml würde laut dem Szenario anschließend erklären, russische Drohnen- und Luftabwehreinheiten seien zum Schutz russischer Staatsbürger in der neuen "Volksrepublik" abgestellt worden. Gleichzeitig würde Moskau behaupten, keine Truppen hätten estnisches Territorium betreten. Estland solle sämtliche Sicherheitskräfte und Regierungsvertreter aus dem Gebiet abziehen.
Besonders brisant: Der Kreml würde die Lage als interne Angelegenheit darstellen, die aus einer angeblichen Misshandlung russischer Bürger durch Estland resultiere. Ein Angriff auf die Nato werde ausdrücklich bestritten – stattdessen handle es sich um eine "Verteidigungsmaßnahme gegen estnische Aggression".
Das ISW betont, dass es sich dabei um ein hypothetisches Szenario und nicht um eine Prognose eines bevorstehenden russischen Angriffs handelt.
Sicherheitsexpertin analysiert möglichen Putin-Angriff
Arjakas zerpflückt die Analyse anhand von vier - ihrer Meinung nach - grundlegenden Fehleinschätzungen.
- Erstens werde unterstellt, Estland sei nicht in der Lage, das Eindringen bewaffneter russischer Agenten über die Grenze zu erkennen und zu unterbinden. "Wir können davon ausgehen, dass dafür mindestens Dutzende, wenn nicht Hunderte von Männern nötig wären, die für den Grenzschutz und den Nachrichtendienst völlig unsichtbar bleiben müssten", so die Expertin.
- Zweitens gehe das Szenario davon aus, dass diese Kräfte estnische Positionen ohne nennenswerte Gegenwehr einnehmen könnten.
- Drittens werde angenommen, weder die estnische Regierung noch die Nato-Verbündeten würden militärisch reagieren - aus Angst vor einer Eskalation.
- Viertens blende die Analyse aus, dass ein solcher "begrenzter" Vorstoß durchaus eine Nato-Gegenreaktion gegen russische Schwachstellen an anderer Stelle auslösen könnte. "Es ist eine unbegründete Annahme, dass von uns, unseren regionalen Partnern und anderen Verbündeten keine oder nur eine geringe Reaktion kommen würde", warnte Arjakas.
Nato-Land warnt: Putin-Vorstoß niemals wirklich "begrenzt"
Estland sei keineswegs schutzlos, machte Arjakas deutlich. "Um jede russische Attacke abschrecken und im Ernstfall abwehren zu können, unterhält und trainiert Estland eine auf Reservisten basierende Streitmacht, ergänzt durch Freiwillige", erklärte die Sicherheitsforscherin. Hinzu komme die enge Kooperation mit den Partnern der Nato, darunter das britische Kontingent in Estland. Diese Strukturen ermöglichten es, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.
Arjakas betonte zudem, dass es bei der sogenannten Salamitaktik kein natürliches Ende gebe. Ein russischer Vorstoß wäre niemals wirklich "begrenzt". Deshalb müsse jeder Angriffsplan bereits im Vorfeld unterbunden werden. "Auch wenn jeder Nachrichtendienst oder jedes Militär blinde Flecken haben kann – es braucht mehr als die bloße Behauptung, die Streitkräfte könnten nichts ausrichten, damit eine Analyse ernst genommen wird", so die Expertin.
Nato-Versprechen als klare Botschaft an Wladimir Putin
Die Sicherheitsexpertin verwies darauf, dass die Nato-Staaten unmissverständlich erklärt haben, jede militärische Bedrohung gegen das Territorium eines Mitgliedslandes entsprechend zu behandeln. Damit steht das Bündnisversprechen nach Artikel 5 im Raum.
Gleichwohl räumte Arjakas ein gewisses Maß an Unsicherheit bei der kollektiven Reaktionsfähigkeit ein. "Ich erkenne den Grad an Ungewissheit in unserer gemeinsamen Antwort an, der sowohl aus unterschiedlichen politischen Ansichten in einigen Hauptstädten als auch aus der schlichten Tatsache resultiert, dass ein solcher Test der Nato-Einheit bisher nicht stattgefunden hat", sagte sie gegenüber dem "Express". Dennoch sei die Annahme verfehlt, das Bündnis würde untätig bleiben.
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rut/news.de
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