Wladimir Putin : Abgeschnitten von allem - er lässt eine ganze Stadt aushungern

Kreml-Chef Wladimir Putin zeigt sich gnadenlos. Während die von Russland besetzte Stadt Oleschky von der Außenwelt abgeschnitten ist, kämpfen rund 2.000 Menschen hier um ihr Leben. Die humanitäre Katastrophe lässt Moskau eiskalt.

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Statt Evakuierung und humanitäre Hilfe lässt Kreml-Chef Wladimir Putin die Menschen in der russisch besetzten Stadt Oleschky hungernd zurück. (Foto) Suche
Statt Evakuierung und humanitäre Hilfe lässt Kreml-Chef Wladimir Putin die Menschen in der russisch besetzten Stadt Oleschky hungernd zurück. Bild: picture alliance/dpa/TASS/Alexei Druzhinin
  • Bis zu 2.000 Menschen in Oleschky von der Außenwelt abgeschnitten
  • Wladimir Putin gnadenlos - Hilfegesuche werden nicht gehört
  • Hunger, fehlendes Trinkwasser und Minen machen die Stadt zur tödlichen Falle
  • Moskau verweigert offenbar die Evakuierung

In der russisch besetzten ukrainischen Stadt Oleschky spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab, die von Kreml-Chef Wladimir Putin weitestgehend ignoriert wird. Fest steht allerdings: Ein Leid solchen Ausmaßes kann und darf man nicht übersehen.

Oleschky: Humanitäre Katastrophe unter den Augen Wladimir Putins und der Welt

In der russisch besetzten ukrainischen Stadt Oleschky spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. Bis zu 2.000 Menschen harren dort laut "Bild"-Bericht unter katastrophalen Bedingungen aus – vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Unter den Eingeschlossenen befinden sich nach Angaben der ukrainischen Militärverwaltung auch 47 Kinder. Die meisten Verbliebenen sind Rentner oder Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit.

Vor dem russischen Einmarsch zählte die Stadt südlich des Dnipro noch 24.000 Einwohner und gehörte zu einer beliebten Ferienregion. Heute droht mit dem nahenden Winter eine Hungersnot. Die spärlichen Ernten aus den Gärten der Bewohner gehen zur Neige, und seit Monaten gelangen kaum noch Nahrungsmittel in die eingekesselte Stadt. Kiew spricht von einer "humanitären Katastrophe" und drängt auf eine Evakuierung der Zivilbevölkerung – doch Moskau blockiert bislang sämtliche Bemühungen.

Wie Oleschky zur tödlichen Falle wurde

Die Tragödie der Stadt begann mit der Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Jahr 2023, als Oleschky zunächst von Wassermassen überflutet und anschließend unter Beschuss genommen wurde. Bereits im November 2022 hatten russische Truppen die Antoniwka-Brücke über den Dnipro gesprengt – die einzige direkte Verbindung zur nur vier Kilometer entfernten Gebietshauptstadt Cherson, die unter ukrainischer Kontrolle steht.

Sämtliche Zufahrtswege zur Stadt sind inzwischen von der russischen Armee vermint worden. Fünf der insgesamt 13 Ortschaften der Gemeinde wurden im Zuge der Besatzung komplett dem Erdboden gleichgemacht, wie die "Deutsche Welle" berichtet. Wer versucht, Oleschky zu verlassen, riskiert sein Leben – durch Minen an den Straßenrändern, durch Drohnen oder durch russische Soldaten, die Flüchtende zurückschicken. Die Stadt ist zur Falle geworden, aus der es kaum ein Entkommen gibt.

Hunger, Minen und kein Tropfen Trinkwasser

Die Zustände in Oleschky sind verheerend. Strom und fließendes Wasser gibt es nicht mehr, Medikamente erreichen die Stadt so gut wie gar nicht. Das örtliche Krankenhaus läuft zwar noch mit Generatoren, doch der Treibstoff ist auch hier - ähnlich wie auf der Halbinsel Krim - nahezu aufgebraucht. Komplizierte Eingriffe wie Amputationen nach Minenunfällen können nicht mehr durchgeführt werden.

Die letzte Lieferung von Lebensmitteln erreichte Oleschky laut ukrainischen Angaben Anfang Mai per Lastwagen – danach kam nichts mehr. "Ohne Strom müssen die Leute über offenem Feuer kochen, die Kühlschränke funktionieren nicht", schildert Tetjana Hasanenko, Leiterin der ukrainischen Militärverwaltung in der Region Cherson.

Geld hat in der Stadt seinen Wert verloren – stattdessen wird getauscht. Bewohner schlachten ihre letzten Hühner, weil kein Futter mehr vorhanden ist. Verstorbene bleiben oft unbestattet an Ort und Stelle liegen.

IKRK steht mit Bussen bereit – Moskau schweigt

Die ukrainische Regierung setzt sich auf mehreren Ebenen für die Rettung der Eingeschlossenen ein. Neben dem Außenministerium sind auch der Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez und internationale Hilfsorganisationen in die Verhandlungen eingebunden. Kiew fordert die Einrichtung humanitärer Korridore sowie eine Waffenruhe, um die Evakuierung zu ermöglichen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte sich bereits Ende April bereit, ausreichend Busse für den Transport der Zivilisten bereitzustellen. Insgesamt sollen rund 6000 Menschen aus Oleschky und umliegenden Ortschaften am linken Dnipro-Ufer in Sicherheit gebracht werden – darunter etwa 200 Kinder, so Lubinez.

Wladimir Putin gnadenlos - keine Kooperation, kein Ende des Leids in Sicht

Doch Russland verweigert bislang jede Kooperation. Kiew wartet nach eigenen Angaben auf die Festlegung eines Datums für eine Feuerpause durch Moskau. Die Leiterin der Militärverwaltung wirft Russland vor, die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Lebensgefährliche Flucht durch Minenfelder

Während die diplomatischen Bemühungen stocken, wagen einzelne Freiwillige auf eigene Faust Rettungsaktionen. Die ehemalige Bewohnerin Ksenia Archipowa organisiert mit Unterstützung der Hilfsorganisation "Save Ukraine" wöchentlich die Evakuierung von sieben bis zwölf Personen. Der Weg durch die verminte Stadt ist dabei extrem riskant: "Wir gehen je hundert Meter voran und prüfen, wo Minen liegen, erst dann lassen wir ein Fahrzeug nachkommen", beschreibt Archipowa das Vorgehen gegenüber der "Deutschen Welle".

Die Fluchtroute führt über einen enormen Umweg – zunächst ins besetzte Skadowsk, dann durch Russland bis zur ukrainisch-belarussischen Grenze. Doch selbst dieser gefährliche Weg steht nicht allen offen. Ohne gültige Ausweispapiere lassen die russischen Kontrollposten niemanden passieren. Wer seine Dokumente bei Angriffen verloren hat, sitzt fest – die Beschaffung russischer Ersatzpapiere dauert Monate und erfordert bürokratische Hürden, die unter den herrschenden Bedingungen kaum zu erfüllen sind.

Kiew ruft UN und OSZE zum Handeln auf

Parallel zu den Evakuierungsbemühungen arbeitet die ukrainische Regierung daran, den internationalen Druck auf Moskau zu erhöhen. Das Außenministerium in Kiew kündigte an, die dramatische Versorgungslage in Oleschky und weiteren besetzten Ortschaften der Region Cherson sowohl vor den Vereinten Nationen als auch bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zur Sprache zu bringen.

"Wir rufen die internationale Gemeinschaft dringend zu konkreten Maßnahmen auf, um unsere Bürger im vorübergehend besetzten Teil der Region Cherson zu retten", erklärte das ukrainische Außenministerium.

Auch Menschenrechtsbeauftragter Lubinez bemüht sich, weltweit Aufmerksamkeit für die Notlage zu schaffen. Er hatte sich bereits Anfang März nach Hilferufen aus der belagerten Stadt an das IKRK gewandt und zudem Gespräche mit der damaligen russischen Ombudsfrau Tatjana Moskalkowa geführt.

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