Sahra Wagenknecht bei Maischberger: Schlammschlacht in der ARD - SPD-Minister hart attackiert

Wer hat Schuld am Wahlerfolg der AfD? Diese Frage stellte Sandra Maischberger ihren Gästen in der ARD. Doch statt klare Antworten hagelte es Vorwürfe. Sahra Wagenknecht und SPD-Minister Carsten Schneider geraten in einen verbalen Schlagabtausch.

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Bei Sandra Maischberger in der ARD lieferte sich Sahra Wagenknecht einen heftigen Schlagabtausch mit SPD-Minister Carsten Schneider. (Foto) Suche
Bei Sandra Maischberger in der ARD lieferte sich Sahra Wagenknecht einen heftigen Schlagabtausch mit SPD-Minister Carsten Schneider. Bild: picture alliance/dpa/Matthias Bein
  • Sahra Wagenknecht und Carsten Schneider geraten bei Maischberger heftig aneinander
  • SPD-Minister wirft BSW-Chefin vor, der AfD in die Karten zu spielen
  • Wagenknecht sorgt mit Aussagen zur Brandmauer für Empörung
  • Sachsen-Anhalt-Wahl entfacht Grundsatzstreit über den Umgang mit der AfD
  • Reaktionen auf Sandra-Maischberger-Sendung vom 15.09. - das sagt das Netz

Bei "Maischberger" flogen am Dienstagabend die Fetzen in der ARD: SPD-Umweltminister Carsten Schneider und BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht gerieten in einen der heftigsten Schlagabtausche, die der ARD-Polittalk in jüngster Zeit erlebt hat. Explodierende Spritpreise, russisches Gas, der Umgang mit der AfD nach deren 43,8-Prozent-Ergebnis in Sachsen-Anhalt – kaum ein Reizthema blieb ausgespart.

Sahra Wagenknecht bei Sandra Maischberger: Was ist dran am "Steigbügelhalter"-Vorwurf?

Moderatorin Sandra Maischberger wies zu Beginn darauf hin, dass beide Gäste aus Thüringen stammen. Viel mehr Verbindendes fand sich an diesem Abend allerdings nicht. Schneider nannte Wagenknecht eine "Steigbügelhalterin der AfD", sie konterte mit dem Vorwurf, die SPD trage die Hauptschuld am Erstarken der Rechten. "Wenn man den Menschen so ins Gesicht schlägt, muss man sich nicht wundern, wenn die Wut im Land wächst", so Wagenknecht. Schneiders Antwort: "Jetzt reicht's mir aber."

Wagenknecht vs. Schneider - Tanken wird laut BSW-Chefin zum Horrortrip

Schon beim Einstiegsthema Spritpreise prallten die Positionen frontal aufeinander. Angesichts der Nahost-Krise rund um den Iran-Konflikt nähert sich der Dieselpreis mittlerweile der Drei-Euro-Marke – ein Kostenschock, den Experten als Treiber des AfD-Erfolgs im Osten identifizieren. "Jeder Gang zur Tankstelle ist ein Horrortrip", klagte Wagenknecht und verlangte eine Preisobergrenze von 1,50 Euro pro Liter sowie die Absenkung sämtlicher Steuern und Abgaben auf Kraftstoff.

Schneider versprach baldige Hilfe: "Wir werden jetzt etwas tun." Konkret deutete er eine Mehrwertsteuersenkung an, betonte jedoch, dass der Staat "nicht dauerhaft gegen Weltmarktpreise ansubventionieren" könne. Wie genau Wagenknechts Preisdeckel gegenfinanziert werden soll, blieb offen. Dass die Entlastungen ausgerechnet jetzt kämen, nannte die BSW-Chefin "etwas unglaubwürdig" – woraufhin Schneider ihr Auftreten als "unverfroren" bezeichnete.

Wer hat den Gashahn zugedreht?

Beim Thema Energieversorgung kippte die Debatte endgültig ins Grundsätzliche. Wagenknecht geißelte die deutsche Energiepolitik als "abgrundtief unehrlich" – Deutschland habe günstiges russisches Pipeline-Gas gegen teures amerikanisches Fracking-Gas eingetauscht. Als Schneider wissen wollte, warum das geschehen sei, gab sie den Sanktionen die Schuld. Der Minister widersprach vehement: "Es gibt keine einzige Sanktion auf russisches Gas. Wladimir Putin hat den Hahn zugedreht."

Wagenknecht immer noch eine Putin-Verfechterin

Tatsächlich stützen die Fakten Schneiders Darstellung: Bereits Anfang September 2022 waren die Lieferungen über Nord Stream 1 auf null gefallen – noch vor den Pipeline-Explosionen. Ein EU-weites Importverbot für russisches Gas wurde laut "Berliner Morgenpost" erst 2026 beschlossen. Wagenknecht ließ sich davon nicht beeindrucken: "Die Russen haben immer wieder angeboten, in Verhandlungen einzutreten und uns Gas zu liefern."

Und dann wurde es bei Maischberger zu persönlich

Schneider versuchte die Debatte mit persönlichen Eindrücken zu erden. Erst vor drei Wochen sei er in der Ukraine gewesen und habe Menschen getroffen, die buchstäblich um ihr Überleben kämpften. Dann wurde er gegenüber Wagenknecht spitz: "Ich weiß nicht, ob Sie schon mal für Ihre Freiheit kämpfen mussten oder nur hier im Studio, wo es schön warm ist, darüber reden." Die BSW-Gründerin hielt dagegen, dass in der Ukraine junge Männer gegen ihren Willen an die Front gezwungen würden, und pochte auf diplomatische Bemühungen: "Der Krieg wird nicht beendet, indem alle Brücken abreißen."

Auch beim Kohleausstieg gingen die Meinungen diametral auseinander. Schneider verteidigte das Enddatum 2038 und verwies auf Deutschlands hohe CO2-Emissionen, die durch günstigere erneuerbare Energien ersetzt werden könnten. Wagenknecht warnte vor Industrieabwanderung nach China und forderte einen Energiemix, der Unternehmen eine Zukunftsperspektive biete: "Keine andere Regierung dieser Welt ist so dumm, der eigenen Wirtschaft den Boden unter den Füßen wegzunehmen."

SPD-Minister rastet bei Maischberger aus: "Jetzt reicht's mir aber"

Den emotionalen Höhepunkt erreichte die Sendung, als Wagenknecht der SPD die direkte Mitschuld am Erstarken der AfD gab: "Ihnen laufen die Wähler weg. Es sind ja mal Ihre Wähler gewesen." Schneider explodierte förmlich. Er erinnerte daran, dass Wagenknecht ihr BSW mit dem Versprechen gegründet habe, die AfD von der Macht fernzuhalten – und nun genau das Gegenteil betreibe.

Dann zielte er auf die internen Verwerfungen im BSW: "Fragen Sie mal Ihre Kollegen in Thüringen. Warum sind die bei Ihnen ausgetreten?" Die Antwort lieferte er gleich selbst – die Mitglieder hätten sich geweigert, "von Berlin aus den Befehl zu kriegen", wie sie abzustimmen hätten. "Die widert das an, dass Sie mit der AfD kuscheln gehen." Wagenknecht wies das empört zurück: "Diese Arroganz, ich kann sie nicht mehr ertragen."

Wie stehtSahra Wagenknecht denn eigentlich zur AfD?

Schneider forderte daraufhin ein unmissverständliches Bekenntnis: Wagenknecht solle ausschließen, den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen. Das tat sie – ebenso wie eine Koalition mit der AfD. Stattdessen schwebt ihr ein überparteilicher Kandidat vor, dessen Namen sie jedoch nicht preisgeben wollte: "Wenn ich jetzt einen Namen nenne, dann ist der verbrannt." Eine Enthaltung bei einer möglichen Siegmund-Wahl schloss sie allerdings nicht aus.

Sachmehrheiten mit AfD-Stimmen hält Wagenknecht grundsätzlich für denkbar: "Die Brandmauer-Politik ist komplett gescheitert." Bei 43,8 Prozent könne man nicht so tun, als hätten die Wähler keine berechtigten Anliegen.

Nach dem hitzigen Duell wirkte der frühere Ministerpräsident Reiner Haseloff beinahe wie ein ruhender Pol. Er sprach nüchtern von der "Artikulation der Wählerinnen und Wähler" und verwies auf die offene Regierungsbildung, ohne einfache Lösungen anzubieten.

Maischberger-Reaktionen bei X: Demokratie durchgespielt?

In den sozialen Medien löste die Sendung erwartungsgemäß heftige Reaktionen aus. Auf der Plattform X spiegelte sich die Zerrissenheit der Debatte wider. "44% wählen die AfD, MP soll aber jemand werden, den niemand gewählt hat? Demokratie durchgespielt", kommentierte ein Nutzer. Andere warfen den etablierten Parteien pauschal Machterhalt vor. Auch Wagenknechts veränderte Haltung gegenüber der AfD sorgte für Verwunderung: "Krass, welchen Sinneswandel Sahra Wagenknecht in Bezug auf ihren eigenen Ekel vor bestimmten AfD-Politikern plötzlich hat", hieß es.

Der Abend bei "Maischberger" machte eines deutlich: Gut eine Woche nach der Sachsen-Anhalt-Wahl sind die politischen Gräben tiefer denn je. Zwischen Schneiders Brandmauer-Linie und Wagenknechts pragmatischer Öffnung klafft eine Lücke, die auch Haseloffs besonnene Nüchternheit nicht überbrücken konnte.

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