Donald Trump: "Wir wurden angegriffen" - klare Ansage an den US-Präsidenten
Kanadas Premier Mark Carney reagiert im eskalierenden Zoll-Streit mit Donald Trump und macht dem US-Präsidenten eine klare Ansage. Kanadas Premier gibt sich dabei absolut kompromisslos - und spricht von einem Handelskrieg.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Handelsstreit zwischen Trump und Carney eskaliert
- 50-Prozent-Zölle auf kanadische Produkte in Kraft
- Kanada kündigt Vergeltungszölle gegen die USA an
- Droht ein Handelskrieg mit Folgen für Verbraucher?
Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada hat am Wochenende eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nachdem Unterhändler beider Seiten bis in die Nacht zum Samstag vergeblich um eine Einigung gerungen hatten, traten unmittelbar US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Produkte in Kraft. Betroffen sind unter anderem Möbel, Wein, Honig und Hockeyschläger – Waren im Milliardenwert.
Kanadas Premierminister Mark Carney (61) ließ keinen Zweifel daran, dass Ottawa die Offensive aus Washington nicht unbeantwortet lassen wird. Ab dem 8. September sollen Vergeltungszölle greifen, die vor allem Stahl, Milchprodukte, Landmaschinen und Elektrogeräte aus den USA ins Visier nehmen. Beide Regierungen schieben sich gegenseitig die Schuld am Platzen der Gespräche zu, berichtet die "Deutsche Presseagentur".
Damit steuern die beiden Nachbarländer auf einen offenen Handelskrieg zu – mit unabsehbaren Folgen für Verbraucher, Unternehmen und die politische Landschaft auf beiden Seiten der Grenze.
"Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg"
Carney gab sich auf seiner Pressekonferenz am Samstag betont kampfbereit. "Kanada wird die neuen Zölle aus Washington Dollar für Dollar erwidern, um kanadische Arbeitnehmer, Landwirte, Familien und Unternehmen zu schützen", erklärte er. Die Zugeständnisse, die Washington in den Verhandlungen gefordert hatte, seien für Ottawa schlicht inakzeptabel gewesen: "Wir können das, was sie angeboten haben, nicht akzeptieren, und wir werden nicht das geben, was sie verlangt haben."
Mark Carney: "In recent days. the US proposed new terms that were uneconomic, unfair, and undermine the net benefits for Canada, and called into question the reliability of any deal. In short, they asked too much and they offered too little ... You're at war when you get… pic.twitter.com/S4ZrkKqRSd
— Aaron Rupar (@atrupar) August 23, 2026
Kanada-Premier Carney knallhart gegen Donald Trump
Auf die Frage, ob man sich bereits in einem Handelskrieg befinde, antwortete der Premier unmissverständlich: "Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg – wir wurden angegriffen." Dazu stellte er klar: "Wir sind Herr im eigenen Haus."
Rückendeckung erhielt Carney aus den Provinzen – wenn auch in unterschiedlicher Tonlage. Ontarios Regierungschef Doug Ford lobte, dass sich der Premier nicht auf eine "schlechte Vereinbarung" eingelassen habe. Albertas Premierministerin Danielle Smith trug den Verhandlungsabbruch zwar mit, äußerte sich zu den geplanten Gegenzöllen allerdings deutlich zurückhaltender und plädierte für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.
Trump schießt zurück – Wirtschaft warnt vor Eskalationsspirale
Der US-Präsident meldete sich am Sonntag erstmals seit dem Scheitern der Gespräche zu Wort. "Kanada will die Vorteile eines Bundesstaates, ohne einer zu sein!!!", polterte Trump auf Truth Social und warf Ottawa vor, amerikanische Landwirte jahrelang mit hohen Abgaben belastet zu haben. Sein Handelsbeauftragter Jamieson Greer (46) legte nach und stellte weitere Vergeltungsmaßnahmen als Antwort auf die angekündigten kanadischen Gegenzölle in Aussicht.
New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul nannte den Zollstreit hingegen unnötig und warnte vor steigenden Preisen für US-Verbraucher. Auch die Wirtschaftsverbände beider Länder schlagen Alarm: Joshua Bolten, Chef der US-Managervereinigung Business Roundtable, mahnte, neue Zölle würden Lieferketten stören und Kosten in die Höhe treiben. Richard Fontaine vom Center for a New American Security warnte auf X vor einer "kostspieligen und schädlichen Spirale aus Vergeltungsmaßnahmen".
Midterms im Visier: Wird der Handelskrieg zum Bumerang für Trump?
Die Eskalation mit Kanada könnte für die Republikaner zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kommen. Am 3. November stehen in den USA die Zwischenwahlen an, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu bestimmt werden.
Die amerikanische Bevölkerung leidet ohnehin bereits unter spürbar gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Energiekrise, ausgelöst durch den Konflikt mit dem Iran und die angespannte Lage in der Straße von Hormus, hat die Preise seit Monaten nach oben getrieben. Zusätzliche Verteuerungen durch einen Handelskrieg mit dem nördlichen Nachbarn dürften die Stimmung in der Wählerschaft weiter belasten.
Dennis Darby, Chef des kanadischen Industrieverbandes, rechnet derweil nicht mit einer schnellen Lösung. "Unser Wunsch wäre, dass sie schnell wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Ich glaube aber nicht, dass das in absehbarer Zeit passieren wird", sagte er der "Globe and Mail".
Taugt Carneys Konfrontationskurs als Vorbild für die EU?
Während Ottawa auf maximale Härte setzt, hat Brüssel im Umgang mit Washington bislang auf Diplomatie und Deeskalation gebaut. Doch lässt sich Carneys Strategie einfach auf Europa übertragen? Christian W. Röhl, Chefökonom bei Scalable Capital, winkt gegenüber der "Bild" ab: "Carneys Kurs gegenüber der US-Regierung taugt kaum als Blaupause für die EU", sagte er entschieden. Wichtig sei, dass Kanada dank seines Rohstoffreichtums über ein wirksames Druckmittel verfüge – ähnlich wie China mit Seltenen Erden oder Brasilien mit Agrarprodukten. "Der EU fehlt ein solches Druckmittel", so Röhl.
Auch von einer Neuverhandlung des bestehenden Handelsabkommens mit den USA rät der Ökonom ab. Zwar sei der im vergangenen Jahr geschlossene Deal klar zugunsten Washingtons ausgefallen, doch in der aktuellen Lage werde Europa bei neuen Gesprächen kaum bessere Konditionen herausholen können.
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ife/bos/news.de/dpa/stg
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