Ukraine-Krieg aktuell: Todeszone bis nach Russland? Musk blockt riskanten Selenskyj-Plan 

Die Ukraine will ihre sogenannte Todeszone massiv ausweiten und zwar bis tief nach Russland. Mit Starlink-gesteuerten Drohnen sollen künftig mobile russische Raketenwerfer ins Visier genommen werden. Doch Elon Musk blockt bislang den Einsatz seiner Technologie.

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Die Ukraine will ihre Todeszone bis tief nach Russland ausweiten und damit russische Raketenwerfer ausschalten. (Foto) Suche
Die Ukraine will ihre Todeszone bis tief nach Russland ausweiten und damit russische Raketenwerfer ausschalten. Bild: picture alliance/dpa/POOL EPA/AP | Teresa Suarez
  • Selenskyj will Starlink über Russland nutzen
  • Musk verweigert bislang die Freigabe
  • Trump könnte die Entscheidung erzwingen

Die Ukraine drängt darauf, das Satelliten-Internet Starlink von Elon Musk auch über russischem Territorium nutzen zu dürfen. Ziel ist es, mit Drohnen mobile Raketenwerfer tief im feindlichen Hinterland anzugreifen. Bisher erlaubt der SpaceX-Chef den Einsatz seiner Technologie ausschließlich auf ukrainischem Boden – einschließlich der von Russland besetzten Gebiete wie der Krim.

Wie das US-Magazin "The Atlantic" berichtet, soll Präsident Wolodymyr Selenskyj Ende Juni bei einem Besuch im Weißen Haus seinen Plan für den kommenden Kriegswinter vorgestellt haben. Kernpunkt: Statt russische Raketen mit knapper werdenden Patriot-Abfangraketen vom Himmel zu holen, will Kiew die Abschussrampen selbst zerstören. Dafür braucht die ukrainische Armee jedoch eine stabile Internetverbindung über Hunderte Kilometer hinweg – und damit Musks Zustimmung. Der Milliardär verweigert diese bislang.

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50 Kilometer, in denen nichts mehr überlebt: Ukraine plant Todeszone an der Frontlinie

Bereits auf eigenem Territorium hat die Ukraine mit Hilfe von Starlink-gesteuerten Drohnen eine rund 50 Kilometer breite Todeszone entlang der Frontlinie geschaffen. In diesem Streifen wird praktisch jede Bewegung am Boden von unbemannten Fluggeräten erfasst und attackiert. Die Drohnen werden über Starlink-Terminals gesteuert, die kaum größer als ein Pizzakarton sind.

Der österreichische Militärexperte Oberst Markus Reisner beschreibt die Wirkung dieser Zone: "Das begünstigt natürlich den Verteidiger, denn der Angreifer müsste ja faktisch Gelände in Besitz nehmen, kann es aber kaum, weil er sich eben nicht aus der Deckung heraus wagen kann." Wer sich in diesem Bereich bewege, werde von Drohnen angegriffen – ein Vorrücken sei nahezu unmöglich. Für die russischen Truppen bedeutet das eine massive Verlangsamung ihrer Offensivoperationen.

Patriot-Vorräte schrumpfen dramatisch

Der kommende Winter bereitet Kiew große Sorgen. Russland wird voraussichtlich erneut das ukrainische Stromnetz und die Energieinfrastruktur ins Visier nehmen. Doch die Mittel zur Abwehr schwinden: Laut dem Center for Strategic and International Studies verfügen die USA nur noch über rund 800 ihrer modernsten Patriot-Raketen – vor dem Iran-Krieg waren es noch über 2.300. Nachschub für die Ukraine ist damit kaum noch möglich.

Kiews Lösung: Die sogenannte Todeszone von 50 auf 500 Kilometer ausdehnen – und zwar auf russisches Gebiet. Statt anfliegende Geschosse abzufangen, sollen Drohnen die mobilen Abschussrampen selbst ausschalten. Drohnenunternehmer Denys Shtilerman bringt es auf den Punkt: "Statt die Pfeile abzuschießen, würden wir die Bogenschützen treffen – und könnten die Killzone auf 500 Kilometer ausweiten." Denn mit herkömmlicher Bordnavigation lassen sich die auf Lkw montierten Raketenwerfer kaum treffen – sie sind zu klein und zu beweglich.

Musk will nicht einmal mit Selenskyj reden

Doch der SpaceX-Gründer blockt sämtliche Annäherungsversuche ab. Als Selenskyj bei seinem Washington-Besuch Ende Juni ein persönliches Gespräch mit Musk suchte, lehnte der Milliardär die Einladung ab. Auch der inzwischen entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der als bester Kontakt der Ukrainer zu Musk galt, konnte den Unternehmer nicht umstimmen.

Musks Zurückhaltung hat tiefere Gründe. Er betrachtet sein Satellitennetzwerk als zivile Infrastruktur und hadert mit dessen militärischer Nutzung. Bereits vor drei Jahren wurde er in seiner Biografie von Autor Walter Isaacson zitiert: "Starlink war nicht dafür gedacht, in Kriege verwickelt zu werden. Es war dafür gedacht, dass die Menschen Netflix gucken und sich entspannen können." Der Tech-Unternehmer drängt stattdessen auf ein Friedensabkommen zwischen Moskau und Kiew.

Trump könnte den Schlüssel in der Hand halten

Dennoch gibt es einen schmalen Hoffnungsschimmer für Kiew. Aus dem Umfeld des entlassenen Ministers Fedorow verlautet, dass Musk zumindest eine Bedingung für eine mögliche Freigabe genannt habe: Sollte US-Präsident Trump eine entsprechende Anordnung erteilen, wäre der Einsatz von Starlink über russischem Gebiet denkbar. Selenskyj bat Trump deshalb, sich bei Musk für die Ukraine einzusetzen.

Bislang zögert der US-Präsident jedoch offenbar, diesen Schritt zu gehen. Ein Grund dürften die Reaktionen aus Moskau sein. Russland hat laut dem Investigativportal "The Insider" bereits damit gedroht, gegen Starlink-Satelliten vorzugehen – sei es durch elektronische Störmaßnahmen, Cyberangriffe oder den Abschuss der Satelliten im Orbit. Der Einsatz amerikanischer Technologie auf russischem Boden birgt damit erhebliches Eskalationspotenzial.

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