Ukraine-Krieg: "Putin verliert den Krieg" – Russland-Experte sieht Moskau auf der Verliererstraße

Russlands Kriegserfolg? Für Sicherheitsexperte Nico Lange ist das ein Irrglaube. Er widerspricht Wladimir Putin deutlich, nennt dessen Geschichtsbild "Unsinn" und sieht Moskau zunehmend unter Druck.

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Wladimir Putin: "Hobbyhistoriker" – Russland-Experte zerlegt den Kremlchef Bild: picture alliance/dpa/Sputnik Kremlin Pool via AP | Alexander Kazakov
  • Sicherheitsexperte hält Putins Geschichtsbild für "Unsinn"
  • Nico Lange: "Dass Russland am Ende gewinnt, ist Quatsch"
  • Einsatz nordkoreanischer Soldaten gilt als Zeichen wachsender Probleme

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Mit seinen jüngsten Aussagen zu angeblichen historischen Ansprüchen auf ukrainische Gebiete hat Kremlchef Wladimir Putin internationale Kritik ausgelöst. Der Sicherheitsexperte Nico Lange hält die Argumentation des russischen Präsidenten für ideologisch geprägt und widerspricht auch der häufig geäußerten Annahme, Russland werde den Krieg am Ende zwangsläufig gewinnen.

Nico Lange sieht Wladimir Putin nicht auf Erfolgskurs

Immer wieder wird spekuliert, Russland könne den Krieg langfristig für sich entscheiden. Für Nico Lange, Senior Fellow der Münchner Sicherheitskonferenz und langjähriger Russland-Experte, entspricht dieses Bild jedoch nicht der Realität. Im Interview mit "Focus online" erklärt er unmissverständlich:

"Dass Russland am Ende gewinnt, ist Quatsch. Russland verliert diesen Krieg gerade."

Nach Einschätzung des Experten sprechen auch die jüngsten Berichte über einen möglichen Einsatz weiterer nordkoreanischer Soldaten gegen eine starke Position Moskaus. Vielmehr wertet Lange dies als Zeichen wachsender personeller Probleme der russischen Streitkräfte.

Nordkoreanische Soldaten als Zeichen der Schwäche?

Nach Informationen ukrainischer Geheimdienste soll Russland erneut auf Unterstützung aus Nordkorea setzen. Wie bekannt wurde, gehen Kremlchef Wladimir Putin offenbar zunehmend die eigenen Soldaten aus. Für den Experten Lange ist das jedoch kein Ausdruck militärischer Stärke, sondern vielmehr ein Zeichen wachsender personeller Probleme.

"Es zeigt Putins verzweifelte Lage. Er möchte den Krieg unbedingt weiterführen, notfalls eben mit Soldaten aus Nordkorea."

An der militärischen Gesamtlage würden zusätzliche nordkoreanische Soldaten seiner Ansicht nach jedoch kaum etwas ändern.

Experte: Putin verfolgt weit größere Ziele

Auch Putins Aussagen zum sogenannten "Tag der Marine" ordnet Lange ein. Der Kremlchef habe nach Ansicht des Experten nie ausschließlich den Donbass im Blick gehabt.
Stattdessen gehe es Russland darum, die gesamte Ukraine dauerhaft unter Kontrolle zu bringen und darüber hinaus seinen Einfluss auf weitere Staaten in der Region auszubauen. Deshalb hält Lange auch die Hoffnung für unbegründet, der Krieg könne allein durch Gebietsabtretungen beendet werden.

Scharfe Kritik an Putins Geschichtsbild

Besonders deutlich wird Nico Lange bei Putins historischen Begründungen für den Krieg. Die immer wieder vorgebrachten Behauptungen über angebliche russische Ansprüche auf ukrainisches Staatsgebiet bezeichnet der Experte als haltlos. "Das ist natürlich Unsinn."
Noch schärfer fällt seine Bewertung von Putins Geschichtsverständnis aus. "Es gab mal den schönen Vergleich, dass Putin ein Erstsemester ist, der so tut, als wäre er Geschichtsprofessor."

Lange bezeichnet die Ausführungen des russischen Präsidenten als die Sichtweise eines "Hobbyhistorikers" und nicht als seriöse historische Einordnung.

Forderung nach einem Ende des Krieges

Für den Sicherheitsexperten gibt es deshalb nur einen konsequenten Weg: Russland müsse den Angriffskrieg beenden und seine Truppen aus der Ukraine abziehen. Nach seiner Einschätzung sprechen weder die militärische Entwicklung noch Putins historische Argumente dafür, dass Moskau seine Ziele auf dem Schlachtfeld erreichen kann.

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