Wladimir Putin: Militär-Experte sicher: Chancen für Ukraine-Rückeroberungen steigen

Die Ukraine hat eine der wichtigsten russischen Versorgungsrouten zur Krim unter Dauerbeschuss genommen – mit so verheerenden Folgen, dass Moskau die Straße bereits für Zivilisten sperren musste.

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Kein Ende im Ukraine-Krieg - trotz Verluste ist Wladimir Putins Kriegswille ungebrochen. (Foto) Suche
Kein Ende im Ukraine-Krieg - trotz Verluste ist Wladimir Putins Kriegswille ungebrochen. Bild: dpa/Pool Reuters/Maxim Shemetov
  • Ukraine greift Putins Krim-Nachschub an – wichtige Route unter Beschuss
  • Militärexperte Carlo Masala sieht neue Chancen für Kiew
  • Russland sperrt strategische Straße – Drohnenattacken setzen Moskau unter Druck
  • Oreschnik-Rakete nahe Kiew: Putin reagiert mit neuer Eskalation

Die ukrainischen Streitkräfte haben eine zentrale russische Nachschubroute zur Krim unter ihre Kontrolle gebracht. Seit mehreren Tagen steht die Autobahn R280, die von Rostow am Don über das besetzte Mariupol bis zur Halbinsel verläuft, unter permanentem Beschuss durch ukrainische Drohnen. Die aktuelle Lage ist äußerst ernst. Auch wenn Wladimir Putin mit seinem neuesten Angriff auf Kiew brutal zurückschlug, könnte es für Russland nach Einschätzung von Experten äußerst brenzlig werden.

Moskau sperrt Straße für Zivilisten - Wladimir Putin muss handeln

Der Druck auf die russischen Versorgungslinien zeigt bereits Wirkung. Russische Militärfahrzeuge werden so intensiv attackiert, dass Moskau die Nutzung der Strecke für private Fahrzeuge inzwischen untersagt hat. Die strategisch bedeutsame Verbindung gilt als Lebensader für die russische Besatzung auf der Krim.

Militärexperte sieht wachsende Chancen für Kiew

Der Sicherheitsexperte Carlo Masala bewertet die aktuelle Entwicklung an der Südfront positiv für die Ukraine. Im Gespräch mit "Focus Online" erklärte er, dass die Möglichkeiten für ukrainische Rückeroberungen aktuell zunehmen würden. "Die Chancen für Rückeroberungen durch die Ukraine steigen, wenn das ukrainische Militär die Blockade aufrechterhalten kann."

Gleichzeitig mahnt der Experte jedoch zur Zurückhaltung. Trotz der erfolgreichen Drohnenangriffe auf die russische Versorgungsroute warnt Masala vor überzogenen Erwartungen. Eine zu große Euphorie hinsichtlich der militärischen Lage sei nicht angebracht. "Das ist jetzt kein Wendepunkt im Krieg, eher ein moralischer Punktgewinn für die Ukraine. Eine Rückeroberung der Stadt Mariupol oder der Krim halte ich für sehr schwierig."

Einen besonderen Vorteil sieht der Experte dennoch: Die Ukraine könne durch ihre ausgefeilte Drohnen-Taktik in der modernen Kriegsführung punkten. "Sie können ihr eigenes Material immer wieder direkt an der Front testen und wissen dann gleich, ob und wie gut es funktioniert", so der Experte.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Ukraine den Krieg gewinnt?

Trotz des neuen ukrainischen Selbstbewusstseins stünden die Chancen dennoch eher schlecht, dass ein baldiges Kriegsende tatsächlich real werde. Die realistische Einschätzung des Experten: "Russland hält an seinen Maximalforderungen fest und will, dass die Ukraine den Donbass verlässt, aber das macht die Ukraine nicht. Putin plant wohl eine Offensive gegen die Ukraine im Herbst - trotz enormer Verluste seiner Truppen. Putin hängt an diesem Krieg. Wenn er diesen Krieg seiner Bevölkerung nicht als Sieg verkaufen kann, sind seine Tage gezählt."

Russland startet Oreschnik-Rakete Richtung Kiew

Russland indes setzt auf geballte Schlagkraft: Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut die wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtete Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt – erstmals nahe der Hauptstadt Kiew.

Zu Schäden in Bila Zerkwa, nahe Kiew, machte Selenskyj jedoch keine Angaben. Es war bereits der dritte Einsatz der Waffe in dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine - einmal ohne Sprengköpfe in Dnipro im Südosten der Ukraine und im Januar in der Westukraine. Selenskyj hatte bereits am Vorabend unter Berufung auf Informationen westlicher Geheimdienste vor einem neuen Angriff mit einer Oreschnik-Rakete gewarnt.

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/news.de/dpa/stg

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