Finanzieller Druck steigt: Zuschüsse für Plätze in Pflegeheimen sollen später starten
Pflegebedürftige und Angehörige sollen künftig die hohen Kosten für den Platz im Heim noch länger allein zahlen – das geht aus den Plänen von Gesundheitsministerin Nina Warken hervor. Aktuell kostet ein Platz über 3.000 Euro.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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- Neue Pflege-Reform soll Milliardenlücke in der Pflegeversicherung stopfen
- Pflegebedürftige und Angehörige sollen künftig länger alleine zahlen
- Die Zuschüsse sollen etappenweise erst später starten als bisher
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Bis 2029 könnte eine Milliardenlücke von über 17 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung drohen. Um das Loch zu stopfen, plant Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) massive Einschnitte. Dafür erntet sie nicht nur positive Reaktionen. Worum es genau bei den geplanten Änderungen geht und was das für Pflegebedürftige und Angehörige bedeutet.
Welche Änderungen kommen mit der Pflegereform?
Im Zentrum des Streits um die Pflegeversicherung stehen die Zuschüsse der Pflegeversicherung. Diese sollen in Zukunft deutlich später einsetzen als bisher. Das würde bedeuten, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die Kosten künftig länger allein tragen müssen. Derzeit betragen die Kosten im bundesweiten Schnitt etwa 3.245 Euro pro Monat im ersten Jahr – danach sinken die Kosten durch die Zuschüsse der Versicherung auf 2.947 Euro.
Anders als bisher sollen die Zuschüsse allerdings erst nach 18 Monaten einsetzen – und auch danach treten die weiteren Zuschüsse immer später ein. Geplant sind:
- 30 Prozent Zuschuss durch die Versicherung nach 18 Monaten statt nach einem Jahr
- 50 Prozent nach drei Jahren statt nach zwei Jahren
- 75 Prozent erst nach viereinhalb Jahren statt nach drei Jahren
Seitens der SPD hagelt es Kritik an der Reform
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kritisiert die Pläne der Bundesministerin für Gesundheit gegenüber "Bild": "Anstatt zu entlasten, erhöht Frau Warken den Druck auf Pflegebedürftige und ihre Familien." Das Strecken der Erhöhungsstufen der Zuschüsse helfe nur "den wenigsten", so Schwesig. "Das ist keine Reform. Das ist eine Verschiebung des Problems auf Kosten der Schwächsten." Sie erwarte ein Gesamtkonzept in Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen und Pflegeeinrichtungen.
Auch die Berliner Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) übt Kritik an dem Vorgehen Warkens. "Einfach Leistungen zu streichen, führt uns nicht weiter. Greifen Zuschüsse zur Pflege im Heim erst später, führt das in letzter Konsequenz zu mehr Altersarmut", erklärte sie gegenüber "Bild". In jedem Fall gilt: Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten für das Pflegeheim.
Nur ein Teil der Pflegebedürftigen nimmt Heime in Anspruch
In Deutschland leben derzeit laut Statistischem Bundesamt etwa 5,7 Millionen pflegebedürftige Menschen. Doch nur etwa ein Fünftel von ihnen nimmt aktuell einen Platz im Pflegeheim in Anspruch. Neben den hohen Kosten und begrenzten Plätzen gibt es dafür allerdings auch noch weitere Gründe: So möchten viele Pflegebedürftige lieber schlichtweg in der vertrauten Umgebung ihres Zuhauses bleiben, haben Angst vor Einsamkeit oder vor einem Verlust der Autonomie oder fühlen sich schlichtweg ausreichend von den Angehörigen versorgt.
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sfx/bua/news.de
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