Schuld sind die Mieten: Über 5 Millionen Deutsche drohen im Ruhestand zu verarmen
Die monatlichen Mietkosten mutieren immer mehr zur Armutsfalle: Millionen neue Rentner würden ab dem Eintritt in den Ruhestand weniger als 800 Euro im Monat erhalten – nach Abzug der Miete würde praktisch nichts bleiben.
Erstellt von Felix Schneider - Uhr
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- Millionen neue Rentner könnten bald in die Wohnarmut abrutschen
- Grund für die Verarmung sind niedrige Renten und zu hohe Mieten
- Wohnraum wird deutschlandweit immer knapper
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Eine alarmierende Studie zeigt: Über 5,1 Millionen Neurentnern könnte bald die Armut drohen - denn ihre Rente würde weniger als 800 Euro im Monat betragen. Zieht man davon die Miete ab, könnte es für viele Babyboomer äußerst düster aussehen – viel zum Leben bleibt dann nicht mehr. Besonders betroffen sind Menschen aus NRW und Bayern.
Mieten steigen, Renten reichen kaum zum Leben
Vor allem in Großstädten schießen die Mieten bereits seit Jahren in die Höhe – das zeigt ein Blick auf den Mietenreport 2025 des Deutschen Mieterbundes. Auch eine neue Studie der IG BAU weist nun darauf hin, dass die steigenden Mieten sich zunehmend zu einem Problem für bestimmte Bevölkerungsgruppen entwickeln könnten – so etwa auch Rentner. BAU-Chef Robert Feiger warnt: "Rund 5,1 Millionen Babyboomer werden weniger als 800 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rente bekommen. Das sind quer durch die Republik rund 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge, die ab diesem Jahr bis 2036 in Rente gehen."
Sozialer Frieden könnte kippen
Eine solche Niedrigrente werde die Betroffenen dauerhaft von staatlicher Hilfe abhängig machen, erklärt Feiger. Die Gefahr, in die Grundsicherung abzurutschen, sei in den vergangenen 15 Jahren ohnehin um rund 70 Prozent gestiegen. Im Jahr2010 seien noch 2,5 Prozent aller Rentner auf die Grundsicherung angewiesen gewesen – heute liege dieser Anteil bereits bei 4,3 Prozent.
Entsprechend müsse die gesetzliche Altersvorsorge dringend gestärkt werden, erklärt Feiger. "Die gesetzliche Rente muss zum Leben reichen. Und das Wohnen darf die Menschen nicht in Armut stürzen - weder den Facharbeiter auf dem Bau noch die Gebäudereinigerin. Das sind zwei Prinzipien, an die sich die Bundesregierung bei ihren Reformen jetzt unbedingt halten muss. Ansonsten kippt der Sozialstaat und damit der soziale Frieden in Deutschland."
Wohnungen werden immer knapper
In der Studie der IG BAU wird allerdings lediglich die gesetzliche Rente berücksichtigt - die private oder betriebliche Vorsorge wird dabei nicht einbezogen. Zudem wird nicht beachtet, wie viele Rentner eigenes Wohneigentum nutzen und keine Mieten zahlen müssen. Daher ist unklar, inwiefern die Studie die tatsächliche Armutsbedrohung unter den künftigen Rentnern widerspiegelt. Dazu kommt, dass durch Wohngeld oder Grundsicherung die hohen Mietkosten etwas abgefedert werden können.
Dennoch bleibt die Lage auf dem Wohnungsmarkt problematisch: Nicht nur die niedrigen Renten, sondern auch die immer knapper werdenden Wohnungen. "Haus & Grund"-Präsident Kai Warnecke warnt gegenüber "Bild": "60 Prozent der Kleinvermieter erwägen, wegen der Überregulierung und deren Folgekosten die Vermietung aufzugeben, ihre Wohnungen sogar zu verkaufen." Die Folgen seien eine weitere Verknappung des Angebots und ausbleibende Investitionen.
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sfx/bua/news.de
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