Neue Gesundheitsreform: Medikamente werden teurer - so viel soll man künftig zuzahlen

Seit 2004 sind die Zuzahlungen für Medikamente eingefroren – jetzt plant Gesundheitsministerin Nina Warken eine Erhöhung um 50 Prozent. Die Reform soll den Krankenkassen fast zwei Milliarden Euro jährlich einbringen.

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Gesundheitsministerin Nina Warken plant im Rahmen einer neuen Gesundheitsreform die Zuzahlung für Arzneimittel zu erhöhen.  (Foto) Suche
Gesundheitsministerin Nina Warken plant im Rahmen einer neuen Gesundheitsreform die Zuzahlung für Arzneimittel zu erhöhen.  Bild: dpa/Sebastian Gollnow
  • Neue Gesundheitsreform bittet Patienten stärker zur Kasse
  • Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente werden erhöht - wie viel muss ich mehr zahlen?
  • Ibuprofen und Co. - 50 Prozent mehr Zuzahlung fällig
  • Milliarden-Einnahmen durch geplante Gesundheitsreform erwartet

Die Bundesregierung steht laut "Bild"-Zeitung vor einem massiven Umbau des Gesundheitssystems. Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) arbeitet an einem umfassenden Sparpaket, das Milliardenlöcher in den Kassen der Krankenversicherungen stopfen soll, heißt es hier. Ohne tiefgreifende Maßnahmen drohen die Beiträge für alle Versicherten drastisch zu steigen.

Die Ministerin nimmt dabei mehrere Bereiche ins Visier: Krankenhäuser, die Pharmaindustrie und auch die Patienten selbst sollen künftig stärker zur Finanzierung beitragen. Besonders brisant sind die geplanten Änderungen bei den Medikamenten-Zuzahlungen, die seit über zwei Jahrzehnten unverändert geblieben sind. Die letzte Anpassung erfolgte im Jahr 2004.

Medikamente werden noch teurer - Zuzahlungen steigen um die Hälfte

Nach den Reformplänen der Ministerin müssen Versicherte künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Eigenbeteiligung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten soll um 50 Prozent angehoben werden. Statt bisher mindestens 5 Euro werden dann 7,50 Euro fällig, die Obergrenze klettert von 10 auf 15 Euro pro Packung.

Das bisherige System bleibt dabei grundsätzlich erhalten: Patienten zahlen weiterhin 10 Prozent des Medikamentenpreises. Ein Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen: Wer ein Arzneimittel für 20 Euro benötigt, zahlt künftig 7,50 Euro statt bisher 5 Euro. Bei einem teuren Präparat für 500 Euro steigt die Zuzahlung von 10 auf 15 Euro.

Belastungsgrenze schützt vor Kostenexplosion

Damit die finanziellen Belastungen für einzelne Patienten nicht ins Unermessliche steigen, greifen weiterhin Schutzmechanismen. Die jährliche Zuzahlungsgrenze liegt laut Medieninformationen bei 2 Prozent des Bruttoeinkommens. Bei einem Verdienst von 40.000 Euro bedeutet das eine maximale Eigenbeteiligung von 800 Euro pro Jahr – umgerechnet etwa 67 Euro monatlich. Alle darüber hinausgehenden Kosten trägt die Krankenkasse.

Wie sieht es bei Menschen mit chronischen Erkrankungen aus?

Menschen mit chronischen Erkrankungen profitieren von einer reduzierten Obergrenze: Für sie gilt lediglich 1 Prozent des Einkommens als Höchstbetrag. Das entspricht bei gleichem Verdienst 400 Euro jährlich oder rund 33 Euro im Monat. Minderjährige müssen grundsätzlich keine Zuzahlungen leisten.

Milliarden für die Krankenkassen

Die geplante Anhebung der Eigenbeteiligung soll den gesetzlichen Krankenversicherungen erhebliche Mehreinnahmen bescheren. Nach Berechnungen des Ministeriums könnten die Kassen durch die Reform jährlich rund 1,9 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Diese Summe würde einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der angespannten Finanzlage leisten.

Neue Gesundheitsreform soll zeitig durchgewunken werden

Der Zeitplan ist ambitioniert: Noch vor Ende April will Warken laut "Bild"-Zeitung das gesamte Reformpaket dem Bundeskabinett zur Abstimmung vorlegen. Die Medikamenten-Zuzahlungen bilden dabei nur einen Baustein des umfassenden Sparkonzepts, das auch Kliniken und die Pharmaindustrie in die Pflicht nehmen soll.

Arzneimittel-Check - wieviel muss ich bei Ibuprofen und Co. künftig zuzahlen?

Beispiele: Unter anderem diese Arzneimittel werden teurer.

Schmerzmittel-Medikamente Zuzahlung bisher Künftige Zuzahlung
Ibuprofen AL 600 Filmtabletten 50 St. 5 Euro 7,50 Euro
DICLOFENAC-ratiopharm 75 mg SL Retardkapseln 100 St. 5 Euro 7,50 Euro
Novaminsulfon 500 mg, 10 St. 5 Euro 7,50 Euro
Antibiotika  
Amoxicillin AL 1000 Filmtabletten 20 St. 5 Euro 7,50 Euro
Ciprofloxacin AL 500 mg Filmtabletten 20 St. 5 Euro 7,50 Euro
Diabetes-Medikamente    
Metformin Lich 500 mg Filmtabletten 180 St 5 Euro 7,50
Jardiance 10 mg Filmtabletten 100 St. 10 Euro 15 Euro

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