"New Start"-Abrüstungsvertrag ausgelaufen: Donald Trump ignoriert Putins Flehen - wer mischt beim nächsten Abkommen mit?

Das Abrüstungsabkommen "New Start" ist offiziell Geschichte. Mit dem Auslaufen des letzten großen Atomwaffenvertrags zwischen den USA und Russland beginnt eine Ära ohne jede nukleare Kontrolle zwischen den beiden Supermächten.

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Bislang wahrten die USA und Russland das Gleichgewicht des Schreckens mit Atomwaffen. Nun entfällt das letzte Abkommen, und bei einer Neuordnung gilt eine dritte Großmacht als unbekannter Faktor. (Foto) Suche
Bislang wahrten die USA und Russland das Gleichgewicht des Schreckens mit Atomwaffen. Nun entfällt das letzte Abkommen, und bei einer Neuordnung gilt eine dritte Großmacht als unbekannter Faktor. Bild: picture alliance/dpa/Russian Defense Ministry Press Service via AP | Uncredited
  • Abrüstungsvertrag "New Start" zwischen Russland und USA ausgelaufen
  • Wladimir Putin stößt bei Donald Trump mit Bitte nach Verlängerung auf taube Ohren
  • USA und Russland ohne nukleare Kontrolle - wie geht es ohne den Atomwaffenvertrag weiter?

Der letzte große Atomwaffenvertrag zwischen den USA und Russland ist am 5. Februar 2026 offiziell ausgelaufen. Das "New Start"-Abkommen, das beide Supermächte seit 2010 zur nuklearen Abrüstung verpflichtete, endet ohne Nachfolgeregelung, obwohl Russland mit dem Vorschlag an Donald Trump herangetreten war, das Abkommen zu verlängern. Gemeinsam verfügen Washington und Moskau über etwa 90 Prozent aller Atomwaffen weltweit.

"New Start"-Abkommen ist Geschichte:USA und Russland ohne nukleare Kontrolle

Das Abkommen begrenzte die Zahl der strategischen Nuklearsprengköpfe auf maximal 1.550 pro Seite. Zusätzlich durften beide Länder höchstens 700 einsatzbereite Abschussvorrichtungen unterhalten. Zum Vergleich: Während des Kalten Krieges existierten weltweit rund 70.000 Sprengköpfe.

Der damalige US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew hatten den Vertrag im April 2011 unterzeichnet. 2021 erfolgte eine Verlängerung um fünf Jahre. Bereits 2023 setzte Russland seine Teilnahme jedoch aus – als Begründung nannte Kreml-Chef Wladimir Putin, dass Nato-Inspekteure die russischen Arsenale nicht mehr besichtigen dürften.

Experten warnen vor "gefährlichem Vakuum" nach Ende von Abrüstungsabkommen

Sicherheitsexperten reagieren alarmiert auf das Vertragsende. Steven Pifer von der Stanford-Universität warnt vor einem entstehenden Vakuum in der Rüstungskontrolle. Wenn beide Seiten ihre nuklearen Arsenale ausbauten, erhöhe sich die Sicherheit für niemanden – stattdessen stiegen die Kosten und das atomare Risiko, erklärte er dem ARD-Studio Washington.

US-Wissenschaftler stellten Ende Januar ihre sogenannte Doomsday Clock auf 86 Sekunden vor Mitternacht – so nah am symbolischen Weltuntergang wie nie zuvor. Der aktuelle Sipri-Direktor Karim Haggag prognostiziert "eine neue Phase erhöhter nuklearer Gefahren".

Florian Eblenkamp von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) sieht die Welt bereits mitten in einem Wettrüsten. Gegenüber "Metro" warnte er, dass Nuklearwaffen wieder als einsetzbar betrachtet würden. Das Risiko sei heute sogar höher als während des Kalten Krieges, da fast alle damaligen Rüstungskontrollabkommen nicht mehr funktionierten.

Wladimir Putin stößt bei Donald Trump mit Verlängerung von Abkommen auf taube Ohren

Die Reaktionen auf das Vertragsende könnten unterschiedlicher kaum sein. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Auslaufen von "New Start" als negativ und drückte sein Bedauern aus. Es entstehe ein schwerwiegendes Defizit, das weder den Interessen beider Völker noch der gesamten Welt entspreche. Russlands Präsident Putin hatte bereits im September angeboten, die Vertragsgrenzen für ein weiteres Jahr einzuhalten – unter der Bedingung, dass die USA ähnlich handelten. Moskau erneuerte diesen Vorschlag in dieser Woche. Eine Antwort aus Washington blieb aus. "Keine Antwort ist auch eine Antwort", kommentierte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow.

Donald Trump will neues Atomwaffenabkommen verhandeln - welche Rolle spielt China?

US-Präsident Donald Trump zeigte sich Anfang Januar gegenüber der "New York Times" unbeeindruckt: "Wir werden einfach ein besseres Abkommen machen." Das russische Außenministerium erklärte Anfang Februar, man sei nun nicht mehr an die Vertragsverpflichtungen gebunden und frei in der Wahl der nächsten Schritte.

US-Präsident Barack Obama und der damalige Kreml-Chef Dmitri Medwedew unterzeichneten das "New Start"-Abkommen im April 2010. (Foto) Suche
US-Präsident Barack Obama und der damalige Kreml-Chef Dmitri Medwedew unterzeichneten das "New Start"-Abkommen im April 2010. Bild: picture alliance / dpa | Michael Reynolds

Die Frage, wer an künftigen Abrüstungsgesprächen teilnehmen soll, spaltet die Großmächte. Die US-Regierung besteht darauf, dass China angesichts seines wachsenden Arsenals in neue Abkommen einbezogen werden müsse. China verfügt laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri mittlerweile über 600 Atomsprengköpfe. Doch die chinesische Führung verweigert sich bislang solchen Verhandlungen. Kreml-Sprecher Peskow erklärte, Wladimir Putin habe bei einem Gespräch mit Staatschef Xi Jinping Verständnis für diese Haltung gezeigt. Das chinesische Potenzial sei mit dem russischen oder amerikanischen nicht vergleichbar und daher zu vernachlässigen.

Wladimir Putin verfolgt seinerseits eine andere Agenda: Russland fordert, die Atomwaffenarsenale Frankreichs und Großbritanniens in künftige Verträge einzubeziehen. Die US-Denkfabrik CSIS regte an, Trump solle Putin und Xi mit der Aussicht auf einen Dreiergipfel zur Rüstungskontrolle locken.

Europa zwischen den Fronten: Experten warnen vor nuklearer Entfesselung in Russland und den USA

Der Ukraine-Krieg und Russlands Großmachtambitionen haben die Sicherheitslage auf dem Kontinent deutlich verschärft. Gleichzeitig wachsen während Donald Trumps zweiter Amtszeit die Zweifel, wie verlässlich der amerikanische Atomschirm für die europäischen Nato-Partner noch ist.

Im Rahmen der nuklearen Teilhabe lagern US-Atombomben auf deutschem Boden, die im Ernstfall auch von deutschen Kampfjets eingesetzt werden könnten. ICAN-Experte Eblenkamp warnte gegenüber "Metro", ein möglicher Atomkrieg zwischen den USA und Russland würde ohne jegliche Kontrolle europäischer Regierungen über dieses Risiko ausgetragen.

In Deutschland wird inzwischen diskutiert, ob das Land eigene Nuklearwaffen entwickeln sollte. Der Zwei-plus-vier-Vertrag zur Wiedervereinigung und der Atomwaffensperrvertrag schließen dies jedoch aus. Überlegungen zu einem gemeinsamen europäischen Schutzschirm mit Frankreich und Großbritannien stehen erst am Anfang. Die Bundesregierung setzt daher vorerst auf verstärkte konventionelle Rüstung zur Abschreckung.

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