Wladimir Putin angegriffen?: Kreml-Lüge aufgeflogen - US-Geheimdienst entlarvt vermeintliche Terror-Beweise

Wladimir Putin ist felsenfest davon überzeugt, dass die Ukraine einen Drohnenangriff auf seine Privatresidenz in Waldai verübt hat - die vom Kreml vorgelegten vermeintlichen Beweise sprechen jedoch eine andere Sprache, auch die CIA bezieht nun Position.

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Wladimir Putin behauptet steif und fest, die Ukraine habe seine Privatresidenz in Waldai mit Drohnen attackiert. (Foto) Suche
Wladimir Putin behauptet steif und fest, die Ukraine habe seine Privatresidenz in Waldai mit Drohnen attackiert. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Mikhail Metzel
  • Wladimir Putins Residenz in Waldai angeblich von Ukraine-Drohnen attackiert
  • US-Geheimdienst CIA widerlegt Behauptungen zu vermeintlichem Terrorangriff
  • Kehrtwende im Kreml - sind diese Beweise Russlands nichts als Lügen und Fälschungen?
  • Donald Trump rechnet überraschend mit Russland ab

Der angebliche Drohnenangriff auf eine Privatresidenz von Wladimir Putin in Waldai in der russischen Region Nowgorod schlug kurz vor dem Jahreswechsel hohe Wellen. Inzwischen hat der Kreml entgegen anderslautender Ankündigungen vermeintliche Beweise vorgelegt, die den Angriff von ukrainischer Seite auf den russischen Präsidenten belegen sollen - der US-amerikanische Geheimdienst CIA hat nun seine Erkenntnisse dazu veröffentlicht und Russland der Lüge bezichtigt.

Drohnenangriff auf Putin-Resident als Propaganda-Lüge? US-Geheimdienst CIA bezieht Stellung

Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA ist nach eigenen Erkenntnissen zu dem Schluss gekommen, dass die Ukraine weder Wladimir Putin persönlich ins Visier genommen noch dessen Waldai-Residenz attackiert hat. Das berichten übereinstimmend das "Wall Street Journal", PBS und CNN unter Berufung auf Regierungsvertreter in Washington. Damit stellt sich die CIA direkt gegen die schweren Anschuldigungen, die der Kreml am 29. Dezember 2025 erhoben hatte. Laut "Wall Street Journal" habe ein ukrainischer Drohnenangriff zwar einem militärischen Ziel in derselben Region gegolten – allerdings nicht in der Nähe von Putins Anwesen.

Donald Trump giftet nach angeblichem Terror-Anschlag plötzlich gegen Putin

US-Präsident Donald Trump, der nach seinem Telefonat mit Putin zunächst die Ukraine scharf kritisiert hatte, wurde zuvor von CIA-Direktor John Ratcliffe über die Geheimdiensterkenntnisse in Kenntnis gesetzt. Noch am selben Tag teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social einen überraschend russlandkritischen Kommentar der "New York Post". Das Boulevardblatt befasst sich in dem Kommentar mit "Putins 'Angriffs-'Getöse" und bezeichnet den Kremlchef als die eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden. Unter anderem heißt es dort, jeder Angriff auf Putin sei "mehr als gerechtfertigt". "Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden". Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei.

Kreml präsentiert Beweise – doch die werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten

Obwohl der Kreml noch verkündet hatte, keinerlei Belege vorlegen zu wollen, trat Generalmajor Alexander Romanenkow, Chef der russischen Luftabwehrraketentruppen, am Silvestertag vor die Presse. Er präsentierte Kartenmaterial, Flugrouten und Videoaufnahmen, die einen "zielgerichteten, sorgfältig geplanten und mehrstufigen Terroranschlag des Kiewer Regimes" dokumentieren sollen. Die Beweislage wirft jedoch erhebliche Zweifel auf: Von den angeblich 91 eingesetzten Drohnen wurden laut Romanenkow 50 Stück über den Regionen Brjansk und Smolensk abgefangen – rund 520 Kilometer von Putins Waldai-Residenz entfernt. Beide Gebiete sind regelmäßig Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Wie Moskau zur Gewissheit gelangte, dass diese Drohnen tatsächlich auf dem Weg nach Waldai waren, erklärte der Generalmajor nicht. Er behauptete lediglich, die Fluggeräte seien gegen 19.20 Uhr aus den nordukrainischen Regionen Sumy und Tschernihiw gestartet.

Fragwürdige Beweise aus dem Kreml: Video von abgeschossener Drohne lässt China-Herkunft erkennen

Das vom Verteidigungsministerium veröffentlichte Video der angeblich abgeschossenen Drohne liefert kaum verwertbare Informationen. Die Aufnahmen entstanden bei Dunkelheit im Schnee, die Kamera zeigt zu keinem Zeitpunkt die Umgebung. Als Abschussort wird lediglich der Oblast Nowgorod genannt – eine Region von über 54.000 Quadratkilometern.

Ein Mann in Tarnkleidung steht neben einer angeblich abgeschossenen Drohne, die an einem vermeintlichen Angriff auf eine Residenz von Russlands Präsident Wladimir Putin beteiligt war. (Foto) Suche
Ein Mann in Tarnkleidung steht neben einer angeblich abgeschossenen Drohne, die an einem vermeintlichen Angriff auf eine Residenz von Russlands Präsident Wladimir Putin beteiligt war. Bild: picture alliance/dpa/Russian Defense Ministry Press Service | Uncredited

Besonders auffällig: An den Drohnenresten ist ein Funkmodul des chinesischen Herstellers Shanghai Simcom Ltd. erkennbar, das bereits 2015 eine US-Marktzulassung erhielt. Um den tatsächlichen Betreiber der Drohne zu identifizieren, wären jedoch SIM-Kartendaten oder Netzinformationen erforderlich – diese legte Romanenkow nicht vor. Im Video ordnet ein vermummter Soldat der "Bild" zufolge das Fluggerät dem ukrainischen Typ "Chaklun-B" zu und behauptet, ein sechs Kilogramm schwerer Sprengsatz sei nicht detoniert. Ein angeblicher Augenzeuge berichtet von Explosionsgeräuschen – woher er stammt, bleibt unklar.

Ukraine weist Anschlagsvorwürfe kategorisch zurück

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Moskauer Anschuldigungen kategorisch als Lüge zurück. Nach seiner Einschätzung handelt es sich um einen Versuch Russlands, die laufenden Friedensverhandlungen zu torpedieren und neue Angriffe auf Regierungsgebäude in Kiew zu rechtfertigen. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst ging noch weiter und bezeichnete die von Russland präsentierten Materialien als gefälschte Karten und Attrappen. Diese Einschätzung teilen zahlreiche Experten, die ebenfalls bezweifeln, dass der von Moskau geschilderte Angriff so stattgefunden hat.

Die Ukraine hatte bereits vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Aus Kiewer Sicht dient die russische Behauptung als Vorwand, den Krieg trotz der Verhandlungsbemühungen fortzusetzen. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wirft die Ukraine ihrerseits Moskau mehrere gescheiterte Attentatsversuche auf Selenskyj vor.

Putins Außenminister wirft Ukraine "Terroranschlag" auf Wladimir Putin vor

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte den angeblichen Angriff als versuchten "Terroranschlag" bezeichnet. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow erklärte anschließend, der Kreml hoffe auf Verständnis der USA dafür, dass Russland nun seine Position bei den Friedensverhandlungen überdenke. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kreml der Ukraine einen Mordanschlag auf Putin unterstellt. Bereits im Mai 2023 schlugen zwei Drohnen auf dem Dach des Kremls ein – auch damals bestritt die Ukraine jede Beteiligung. Die Waldai-Residenz zwischen Moskau und St. Petersburg gilt als Ort, an dem Putin regelmäßig Wochenenden mit seiner Familie verbringt.

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/news.de/dpa/stg

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