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Astrazeneca-Impfungen ausgesetzt: Mehr Schaden als Nutzen! Spahn kritisiert Impf-Stopp

Nach Dänemark, Norwegen und Island setzen auch Thailand und Bulgarien Impfungen mit Astrazeneca vorerst aus. Der Grund: Es gab mehrere schwere Fälle von Blutgerinnseln. Experten warnen nun vor den Folgen des Impf-Stopps. Auch Jens Spahn sieht ihn kritisch.

In Dänemark wurden Impfungen mit Astrazeneca nach einem Todesfall vorerst gestoppt. Bild: AdobeStock / Looker_Studio

Dänemark, Norwegen und Island sowie Thailand und Bulgarien haben die Impfungen mit Astrazeneca vorerst pausiert. Grund seien Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Menschen, die mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden seien, teilte die dänische Gesundheitsverwaltung mit. Diese sollten nun näher untersucht werden.

Nach Todesfall durch Blutgerinnsel! Astrazeneca-Impfungen in Dänemark ausgesetzt

Unter den gemeldeten Fällen beziehe sich einer auf einen Todesfall in Dänemark, hieß es. Man könne zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und Blutgerinnseln bestehe. Man lehne das Astrazeneca-Vakzin nicht ab, sondern setze die Verabreichung aus. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bislang sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei. Man müsse aber auf Berichte zu möglichen ernsten Nebenwirkungen reagieren. Die allermeisten Nebenwirkungen seien milde, etwa Fieber oder Kopfschmerz, schrieb die dänische Arzneimittelbehörde.

Behörden untersuchen Zusammenhang zwischen Todesfall und Impfung

Nach der Bekanntgabe in Kopenhagen entschlossen sich auch die Nicht-EU-Länder Norwegen und Island, den Gebrauch des Präparats von Astrazeneca vorübergehend zu stoppen. Andere Länder wie Schweden erklärten dagegen, keine Pläne zu einem solchen Schritt zu haben. Die Europäische Zulassungsbehörde EMA erklärte am Donnerstag unter Berufung auf ihren Sicherheitsausschuss, "dass der Nutzen des Impfstoffs weiterhin die Risiken überwiegt und der Impfstoff weiterhin verabreicht werden kann, während die Untersuchung von Fällen thromboembolischer Ereignisse fortgesetzt wird".

Astrazeneca gab sich auf Anfrage zunächst zurückhaltend. Man sei sich der dänischen Entscheidung bewusst, sagte ein Konzernsprecher. "Die Sicherheit des Impfstoffs ist in klinischen Phase-III-Studien ausführlich untersucht worden und die von Experten begutachteten Daten bestätigen, dass der Impfstoff generell gut verträglich ist."

Deutschland impft weiter mit Astrazeneca

Deutschland setzt die Impfungen mit diesem Präparat nicht aus. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) teilte am Donnerstagabend mit, aus seiner Sicht und nach Überzeugung der EMA überwiege der Nutzen der Impfung die bekannten Risiken. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Mittwochabend in Berlin: "Nach jetzigem Stand gibt es keinen Hinweis, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung in kausalem Zusammenhang steht." Man nehme die Sache sehr ernst, es bleibe aber dabei, dass "wir mit Astrazeneca weiter impfen wie die allermeisten anderen europäischen Länder auch".

Spahn kritisiert Aussetzung von Impfungen mit Astrazeneca

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Aussetzung von Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca in einigen Ländern kritisiert. Der CDU-Politiker verwies am Freitag in Berlin auf die Europäische Arzneimittelbehörde EMA. Diese habe nach Beratung der Experten erklärt, dass es keine auffällige Häufung von Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gebe. Das für Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut komme zu derselben Einschätzung. "Ich bedaure es, dass auf dieser Grundlage - Wissensstand jetzt Freitagvormittag - einige Länder in der Europäischen Union das Impfen mit Astrazeneca ausgesetzt haben."

RKI-Chef Wieler zu Impf-Stopp mit Astrazeneca

"Mit dem was wir bisher wissen, ist der Nutzen (.) bei weitem höher als das Risiko", fügte er hinzu. Es gebe nach derzeitigem Stand und nach Angaben der zuständigen Behörden auch in den Ländern, die die Impfung ausgesetzt hätten, keinen Hinweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankungen. Der Präsident des Robert Koch-Insituts, Lothar Wieler, sagte, es gebe zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis, dass diese Geschehnisse statistisch auffällig wären.

Experte schließt Zusammenhang zwischen Coronavirus-Impfung und Todesfall aus

Ein deutscher Experte hält einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und dem Todesfall in Dänemark für unwahrscheinlich. "Ein direkter Zusammenhang ist nicht richtig vorstellbar, das kann auch Zufall sein", sagte der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist etwas Außergewöhnliches. Gefäßverschlüsse sind weder in den Zulassungsstudien aufgetaucht noch bei den Impfungen in England, und dort ist man sehr wachsam." Allerdings müsse man dem Vorfall nachgehen, sagte Salzberger. "Wenn man ein solches Phänomen sieht, dann muss man das untersuchen, und das tun die Dänen derzeit."

Karl Lauterbach: Impf-Stopp schadet dem Vertrauen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte den dänischen Schritt. "Der Impfstoff hätte aus meiner Sicht auf Grundlage eines Falles in Dänemark nicht gestoppt werden sollen", schrieb er auf Twitter. Die Schädigung des Vertrauens sei immens. Thrombosen seien eine häufige Folge von Covid-19. Davor schütze der Impfstoff von Astrazeneca. Er bleibe dabei, dass der Impfstoff sicher sei. "Ich würde ihn jederzeit nehmen." Auch der Virologen Prof. Bernhard Fleckenstein schätzt den Impf-Stoff als fatales Signal ein. "Das wird weltweit wahrgenommen und verunsichert die Menschen", sagte Fleckenstein gegenüber der "Bild".

Mehr Schaden! Mediziner warnen vor Aussetzen der Astrazeneca-Impfungen

Nach Ansicht eines deutschen Mediziners kann die Entscheidung der dänischen Behörden, die Verabreichung des Astrazeneca-Impfstoffs auszusetzen, mehr schaden als nutzen. Blutgerinnsel, die vereinzelt nach der Corona-Impfung registriert wurden, kämen bei schwerkranken Covid-19-Patienten sehr häufig vor, sagte Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Jena. Durch das Aussetzen der Impfungen in Dänemark für zunächst zwei Wochen sei es sehr wahrscheinlich, dass nun mehr Menschen an Covid-19 erkranken als ohne diese Entscheidung - und etwa fünf Prozent davon sicher auch schwer. So könnten folglich auch mehr Thrombosen entstehen.

"Die Entscheidung verursacht wahrscheinlich mehr Schaden, als dass sie potenzielle Impfkomplikationen verhindert, von denen wir derzeit nicht einmal wissen, ob es überhaupt Impfkomplikationen sind", sagte Pletz. Das sei eine unangemessene Nutzen-Risiko-Abwägung gewesen.

Blutgerinnsel nach Impfung entspricht spontanem Auftreten in Normalbevölkerung

Pletz kommt wie auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA zu dem Schluss, dass die Rate der Thrombosekranken nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat dem spontanen Auftreten dieser Erkrankung in der Normalbevölkerung entspricht. Bis 10. März hat die EMA 30 Fälle von "thromboembolischen Ereignissen" bei fast fünf Millionen mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpften Menschen registriert.

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bua/sig/news.de/dpa