Frauenrechtsorganisation reagiert: Polizei empfiehlt Erbrechen als Schutz vor Vergewaltigung

Sich übergeben, um eine Vergewaltigung abzuwehren: Diesen Tipp gibt die Polizei Bremen in Selbstbehauptungskursen. Frauenrechtlerinnen und Betroffene sind entsetzt.

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Die Polizei Bremen empfiehlt Erbrechen als Prävention bei einer Vergewaltigung. Der Aufschrei ist groß. (Foto) Suche
Die Polizei Bremen empfiehlt Erbrechen als Prävention bei einer Vergewaltigung. Der Aufschrei ist groß. Bild: Adobe Stock/Tinnakorn
  • Polizei Bremen empfiehlt Erbrechen als mögliche Abwehr bei Vergewaltigungsversuch
  • Terre des Femmes kritisiert Ratschlag als Täter-Opfer-Umkehr
  • Betroffene schildert eigene Erfahrungen mit unkontrollierbarem Erbrechen
  • Polizei verteidigt Präventionsseminare und stellt klar, dass die Schuld allein beim Täter liegt

Ein Präventionstipp der Polizei Bremen sorgt derzeit für heftige Kontroversen. In sogenannten Selbstbehauptungsseminaren wird unter anderem Erbrechen als mögliche Abwehrmaßnahme bei einer drohenden Vergewaltigung thematisiert. Konkret geht es darum, durch einen selbst ausgelösten Würgreiz den Angreifer abzuschrecken.

Franka Haedke, Sprecherin des Präsidialstabs der Polizei, erklärte laut "Kreiszeitung": "Im Notfall, etwa einer versuchten Vergewaltigung, wehren Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Auch das Sich-Erbrechen kann eine wirksame Möglichkeit sein, ein Sexualdelikt abzuwehren."

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes sowie Betroffene sexualisierter Gewalt reagierten mit scharfer Kritik. Der Vorwurf: Solche Ratschläge würden den Opfern die Verantwortung für die Verhinderung einer Tat aufbürden.

"Komplett falscher Weg" – Terre des Femmes fordert Umdenken

Eine Sprecherin von Terre des Femmes wies den Ratschlag entschieden zurück. Er sei "mehr als ungeeignet und schiebt Betroffenen die Verantwortung zu, eine Tat zu verhindern", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Zudem könnten viele Opfer in einer solchen Extremsituation gar nicht gezielt reagieren: "Nicht selten stehen Betroffene unter Schock und frieren ein."

Auch eine Frau, die nach eigener Aussage über Jahre sexualisierte Gewalt erfahren hat, wandte sich in einem offenen Brief auf Instagram an die Polizei. Sie habe sich während Vergewaltigungen erbrochen – allerdings nicht als bewusste Abwehr, sondern als unkontrollierbare körperliche Reaktion auf die erlittene Gewalt.

Die Frauenrechtsorganisation stellte eine klare Forderung auf: "Um solche Taten zu verhindern, muss Prävention endlich bei Männern ansetzen."

Polizei räumt ein: Einzelner Tipp kann "irritieren"

Die Bremer Polizei reagierte auf die Empörung mit einer Klarstellung. Erbrechen stelle keine generelle Handlungsempfehlung dar, sondern sei lediglich eine unter zahlreichen vorstellbaren Reaktionen in einer extremen Gefahrenlage. Haedke betonte: "Die Entrüstung können wir natürlich nachvollziehen. Gerade bei einem so sensiblen Thema kann ein einzelner, aus dem Zusammenhang gelöster Tipp irritieren."

Gleichzeitig unterstrich die Behörde, dass kein Opfer zu einem bestimmten Verhalten verpflichtet sei. Die Schuld an einem sexuellen Übergriff trage ausnahmslos der Täter. "Niemand muss sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Und die Verantwortung für einen sexuellen Übergriff liegt ausschließlich beim Täter", stellte die Polizei klar.

Seit über einem Jahrzehnt: Seminare für Selbstbehauptung

Die umstrittenen Tipps stammen aus einem etablierten Programm der Zentralen Polizeilichen Prävention in Bremen. Seit mehr als zehn Jahren führt die Dienststelle Selbstbehauptungsseminare in Unternehmen, Behörden und Einrichtungen des Gesundheitswesens durch. Eines der Formate trägt den Titel "Starkes Auftreten statt starker Fäuste".

Im ersten Halbjahr 2026 besuchten laut Polizeiangaben über 1200 Menschen solche Präventionsveranstaltungen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt nach Darstellung der Behörde darauf, bedrohliche Situationen rechtzeitig zu erkennen, Hilfe zu organisieren und die eigene Selbstbehauptung zu stärken. Das Erbrechen als Abwehrmaßnahme bildet demnach nur einen kleinen Baustein innerhalb eines deutlich breiter angelegten Schulungskonzepts.

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