Mord auf dem Atlantik: Frau auf offener See vergewaltigt, Kind über Bord geworfen
Weil ein Kind nicht aufhörte zu weinen, sollen Menschenhändler es vor den Augen seiner Mutter ins Meer geworfen haben – nur einer von mehreren grauenvollen Vorfällen, die sich auf einem Migrantenboot vor Lanzarote abgespielt haben sollen.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Frau auf Migrantenboot mutmaßlich vergewaltigt
- Kleinkind soll ins Meer geworfen worden sein
- Drei Männer nach Übergriff in Untersuchungshaft
- Bis zu 17 Menschen auf Atlantikroute gestorben
Vor der Küste Lanzarotes haben sich laut Medienbericht auf einem Migrantenboot erschütternde Szenen abgespielt. Drei Männer wurden festgenommen, weil sie eine Frau während der Atlantiküberfahrt auf einem Schlauchboot gemeinschaftlich vergewaltigt haben sollen. Die mutmaßliche Tat ereignete sich am 16. September auf offener See.
Doch damit nicht genug: Der Leiter des Rettungsdienstkonsortiums von Lanzarote, Enrique Espinosa, machte in einer Radiosendung einen weiteren grauenvollen Vorfall öffentlich. Menschenhändler sollen ein weinendes zweijähriges Kind vor den Augen seiner Mutter von einem Migrantenboot ins Wasser geworfen haben – weil sie das Schreien des Kleinkinds nicht mehr ertragen wollten.
Bei der Überfahrt, die in Tan-Tan im Südwesten Marokkos begann, kamen nach bisherigen Erkenntnissen mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben. Hilfsorganisationen gehen von bis zu 17 Todesopfern aus, berichtet der "Daily Star".
Drei Männer nach mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung auf See verhaftet
Die spanische Nationalpolizei nahm am Mittwoch drei Männer im Alter von 21, 25 und 30 Jahren in Arrecife fest. Ihnen wird vorgeworfen, eine Frau während der Überfahrt auf einem Schlauchboot Richtung Lanzarote gemeinschaftlich sexuell missbraucht zu haben. Die Tat soll sich am 16. September in vermutlich internationalen Gewässern ereignet haben.
Nach der Ankunft des Bootes im Hafen von Arrecife wandte sich das Opfer an die Rettungskräfte und berichtete von dem Übergriff durch mehrere Männer. Aufgrund ihres ernsten Gesundheitszustands wurden sofort entsprechende Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Anschließend erhielt die Frau in den Räumlichkeiten der Polizei eine spezialisierte Betreuung als Opfer sexueller Gewalt. Die Nationalitäten der drei Festgenommenen wurden bislang nicht bekanntgegeben.
Rettungsdienstchef enthüllt: Kleinkind wegen Weinens über Bord geworfen
Enrique Espinosa, seit fast 15 Jahren Leiter des Rettungsdienstkonsortiums von Lanzarote, offenbarte den schockierenden Vorfall in der Radiosendung "A Buena Hora" bei Cronicas Radio. Als er nach den Vergewaltigungsvorwürfen gefragt wurde und ob er jemals "etwas so Schreckliches" erlebt habe, antwortete er: "Es gibt noch schrecklichere Dinge. Auf einem Boot haben sie ein zweijähriges Kind, das mit seiner Mutter weinte, ins Wasser geworfen. Das sind furchtbare Dinge."
Espinosa prangerte zudem ein Klassensystem auf den Booten an: "Es gibt Passagiere erster und zweiter Klasse. Die zweite Klasse liegt unten, und die erste Klasse sitzt auf ihnen." Wenn die Geretteten zu erzählen begännen, erkenne man eine "Grenze der Menschlichkeit". Er forderte ein Ende des Mafiahandels. Wann genau sich der Vorfall mit dem Kleinkind ereignete und ob es Festnahmen gab, teilte er nicht mit.
Dramatische Rettung am 16. September – fünf Tage auf dem Atlantik
Die Vergewaltigung ereignete sich demnach auf einem Schlauchboot, das am selben Tag im Zentrum einer großangelegten Rettungsaktion stand. Die spanischen Küstenwachschiffe Salvamar Al Nair und Salvamar Acrux konnten 65 Überlebende in Sicherheit bringen. Drei Leichen wurden aus dem Wasser geborgen.
Die Migranten aus Subsahara-Afrika waren von Tan-Tan im Südwesten Marokkos aufgebrochen und fünf Tage auf See gewesen. Nach Angaben der Überlebenden gingen während der Überfahrt zehn weitere Menschen über Bord. Die Wasservorräte waren auf dem letzten Abschnitt der Reise vollständig aufgebraucht.
Hilfsorganisationen, die sich nach der Ankunft um die Geretteten kümmerten, schätzen die Zahl der Vermissten auf etwa 14 – womit die Gesamtzahl der Todesopfer bei 17 liegen könnte. Einige Insassen sollen während der Rettungsaktion in Panik ins Meer gestürzt sein.
Zeuge bestätigt Übergriff – Verdächtige in Untersuchungshaft
Die Ermittlungen der Abteilung für Familien- und Frauenhilfe der Nationalpolizei führten zu einem entscheidenden Durchbruch. Ein weiterer Insasse desselben Bootes konnte ausfindig gemacht werden, der angab, die Tat beobachtet zu haben. Auf Grundlage dieser Zeugenaussage und der Schilderungen des Opfers wurden die drei Männer einem Haftrichter vorgeführt und anschließend in Untersuchungshaft genommen.
Ein Ermittlungsrichter leitet derzeit ein laufendes Strafverfahren, in dem geprüft wird, ob zu einem späteren Zeitpunkt formelle Anklage erhoben wird. Die Nationalitäten der Beschuldigten sind weiterhin unbekannt.
Unterdessen reißt der Strom der Migranten nicht ab: In den vergangenen Tagen wurden vor Lanzarote mehr als 450 Menschen aus Seenot gerettet. Allein zwischen Mittwochnachmittag und den frühen Morgenstunden des Folgetags fingen die Küstenwachen vier Boote mit insgesamt 262 Insassen ab.
Kein Einzelfall: Vergewaltigungen und Massenmorde auf Migrationsrouten
Die Vorfälle vor Lanzarote reihen sich in eine Serie schwerer Verbrechen auf der Atlantikroute ein. Bereits im September des Vorjahres ermittelten Behörden wegen einer mutmaßlichen doppelten Vergewaltigung auf einem Migrantenboot, das Ibiza erreicht hatte. Zwei minderjährige Opfer erstatteten nach ihrer Ankunft auf der Ferieninsel Anzeige.
Noch gravierender war ein Fall vor Gran Canaria: Auf einem überfüllten Cayuco sollen mindestens 50 Migranten gefoltert und ins Meer geworfen worden sein. Die Schleuser hatten sie der Hexerei beschuldigt, nachdem es Motorprobleme gab und die Nahrung knapp wurde. Zeugen berichteten von Schlägen und Schüssen auf die Opfer.
Insgesamt 19 Verdächtige – 16 Senegalesen und ein Gambier unter ihnen – wurden festgenommen und wegen Menschenhandels, Totschlags, Körperverletzung und Folter in Untersuchungshaft genommen.
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