28.04.2021, 08.28 Uhr

Coronavirus-Impfung: Wirkt der Impfstoff nicht? Darum erkranken Geimpfte an Covid-19

In den letzten Wochen infizierten sich einige Geimpfte mit dem Coronavirus. Dabei sollen die Impfstoffe doch schützen. Wie es zu den Infektionen kam und was sie zum Impfschutz wissen sollten, erfahren Sie hier.

Wieso kann bei Geimpften der Corona-Test trotzdem positiv ausfallen? Bild: picture alliance / Sebastian Willnow /dpa-Zentralbild/dpa (Symbolfoto)

In den letzten Wochen berichteten Medien immer wieder von Menschen, die nach der Corona-Impfung trotzdem positiv getestet wurden. Vor allem in einigen Pflegeheimen fielen die Testergebnisse in einigen Fällen positiv aus. In einem Altenpflegeheim in NRW sind sogar zuvor mit dem Vakzin geimpfte Senior:innen gestorben. Wie kann das sein?

Corona-Impfung aktuell: Wirkt der Impfstoff gegen Covid-19 gar nicht?

Dass es zu diesen Fällen kam, kann viele Ursachen haben. Generell steht aber fest, dass alle bislang in der US zugelassenen Impfstoffe (Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna, Johnson & Johnson) wirken und so die Wahrscheinlichkeit senken, an Covid-19 zu erkranken.

Können sich Geimpfte trotzdem mit dem Coronavirus infizieren?

Demnach ist es möglich, dass sich Menschen nach der ersten Impfung infizieren können. "Die Impfung braucht Zeit, um richtig zu wirken. Der Schutz ist nach 10 bis 15 Tagen aufgebaut, weil der Körper erst einmal die Antigene erkennen muss und dann die Antikörper produzieren kann", sagt Dr. Thomas Aßmann gegenüber "Bild".

Je nach Impfstoff sinkt bei Geimpften die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, deutlich im Vergleich zu Ungeimpften - um bis zu 70 Prozent beim vektorbasierten Impfstoff von Johnson & Johnson, bis zu 80 Prozent bei Astrazeneca bis hin zu maximal 95 Prozent bei den mRNA-Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna. Das geht aus einer Übersicht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hervor. Der direkte Vergleich dieser Prozentangaben sagt allerdings wenig aus: In klinischen Studien wurden die Präparate nicht miteinander verglichen. Das bedeutet: Man hat deutlich seltener einen schweren Verlauf, aber leichte Verläufe oder asymptomatische Symptome sind trotzdem möglich.

Außerdem ist es wahrscheinlich, dass sich die Infizierten fünf oder sechs Tage vor der ersten Impfung mit den Sars-CoV-2-Viren infiziert haben könnten. Solange dauert es, bis die ersten Krankheitszeichen nach der Infektion auftreten.

Ab wann besteht ein vollständiger Impfschutz?

Bei drei der vier bislang verfügbaren Impfstoffe sind zwei Dosen für den vollen Schutz nötig. Dazwischen sollten nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) bei mRNA-Impfstoffen sechs Wochen liegen, bei Astrazeneca zwölf Wochen. Der Schutz stellt sich nicht unmittelbar nach der Spritze ein: Beim Mittel von Biontech/Pfizer besteht er laut PEI ab Tag 7 nach der zweiten Impfung, bei Moderna ab Tag 14 und bei Astrazeneca ab Tag 15. Nach der Einzeldosis von Johnson & Johnson bestehe der Schutz ab Tag 28. Wie lange Geimpfte geschützt bleiben, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Menschen profitieren laut einer Untersuchung auch schon von der ersten Impfdosis - und zwar unabhängig davon, ob sie Biontech/Pfizer oder Astrazeneca bekommen haben. Eine großangelegte Studie der Universität Oxford in Kooperation mit der britischen Statistikbehörde ONS und dem Gesundheitsministerium des Landes zeigte kürzlich, dass das Risiko für eine Corona-Infektion drei Wochen nach der Impfung um 65 Prozent sank, wie die Universität kürzlich mitteilte.

Schon gelesen?Gefährliche Nebenwirkung? Geimpfte an Tinnitus erkrankt

Können Geimpfte noch andere Menschen anstecken?

Angenommen wird, dass vollständig geimpfte Menschen als Überträger des Virus eine geringere Rolle spielen als Ungeimpfte. Die Stiko schreibt: Anzunehmen sei eine stark reduzierte Virusausscheidung bei Menschen, die sich trotz zweifacher Impfung infiziert haben. In beschränktem Maße scheinen sie eine Infektion aber noch weitergeben zu können. Deshalb wird auch Geimpften empfohlen, sich weiter an Schutzmaßnahmen (AHA + L) zu halten.

Schützen die Impfstoffe von Biontech und Co. vor den Corona-Mutationen?

Zur Rolle der Virusvariante B.1.1.7, die inzwischen in Deutschland dominiert, erklärte die Stiko, dass alle der in Europa zugelassenen Impfstoffe einen "sehr guten Schutz vor einer symptomatischen Erkrankung" bieten. Die Schutzwirkung gegen symptomatische Erkrankungen durch die in Südafrika entdeckte Mutante B.1.351 sei "hingegen deutlich reduziert"; diese Variante macht in Deutschland bislang nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) konstant einen sehr geringen Anteil aus. Laut Stiko deuten Studiendaten auf eine Schutzwirkung aller zugelassenen Impfstoffe gegen schwere Verläufe hin - und dies auch, wenn B.1.351 vorliegt.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bos/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser