23.02.2021, 14.42 Uhr

Coronavirus-News von Dienstag: Corona-Mutante breitet sich aus! Mögliche Lockerungen in Gefahr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt wieder. Auch am Dienstag meldeten die Gesundheitsämter mehr Neuinfektionen an das RKI als in der Vorwoche. Sorge bereitet auch die Ausbreitung der Corona-Mutante.

Die aktuellen Coronavirus-News Deutschland am Dienstag bei news.de Bild: (Symbolbild) Microgen/AdobeStock

Am Dienstag liegt die Zahl der vom RKI registrierten Corona-Neuinfektionen wieder über dem Niveau der Vorwoche. Neben Öffnungswünschen werden in der Politik zunehmend Warnungen vor der dritten Welle laut. Alle aktuellen Corona-Zahlen und Neuigkeiten zu Corona-Pandemie von Dienstag in Deutschland erfahren Sie hier.

Coronavirus-Zahlen laut RKI: Inzidenz, Neuinfektionen, Tote, R-Wert

  • Neuinfektionen: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 3883 Corona-Neuinfektionen gemeldet.
  • Todesfälle: Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 415 weitereTodesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI vomDienstag hervor.
  • Vorwoche: Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 3856 Neuinfektionen und 528 neue Todesfälle verzeichnet.
  • Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von 03.11 Uhr wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich.
  • Inzidenz: Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Dienstagmorgen bundesweit bei 60,5 - und damit etwas niedriger als am Vortag (61,0). Vor vier Wochen, am 26. Januar, hatte die Inzidenz noch bei 107,6 gelegen.
  • Höchststand Inzidenz: Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.
  • Höchststand Todesfälle:Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden - er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen.
  • Gesamtzahl: Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.394.811 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 23.02., 03.11 Uhr). Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2.207.700 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 68.318.
  • R-Wert: Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 1,05 (Vortag 1,10). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 105 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Coronavirus-News aktuell von Dienstag im Ticker

Die aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie in Deutschland vom 23. Februar 2021 erfahren Sie hier in unserem Ticker.

+++ Labore: Corona-Mutante breitet sich aus - nun rund 30 Prozent Anteil +++

Die zunächst in Großbritannien entdeckte Corona-Variante B.1.1.7 breitet sich nach Beobachtung eines großen Laborverbands in Deutschland weiter aus. Während sich die Rate der positiven Corona-Tests insgesamt in den vergangenen Wochen verringert habe, sei der Anteil der Mutante gewachsen, sagte Michael Müller, der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), am Dienstag in einer Videoschalte. In untersuchten Stichproben aus der vergangenen Woche habe der Anteil bei annähernd 30 Prozent gelegen. Die Angaben bilden die Ansteckungen von ungefähr ein bis zwei Wochen zuvor ab.

Müller sprach von einer erwartbaren Zunahme. In dieser Woche laufe in den Laboren wieder eine Erhebung für das Robert Koch-Institut (RKI). In dessen Berichten zur Entwicklung der Mutanten sind die ALM-Daten ein Baustein. Zuletzt hatte das RKI von einem Anstieg der britischen Variante von knapp 6 auf rund 22 Prozent in Stichproben binnen zwei Wochen berichtet.

Von den rund 934 000 Labortests in der Woche vom 15. bis 21. Februar waren nach ALM-Daten 6,47 Prozent positiv, die Auslastung habe bei 50 Prozent gegen. Auf ansteckendere Virusvarianten wird davon allerdings nur ein Bruchteil untersucht. Die ALM-Auswertungen basieren auf Daten von rund 170 Laboren und stellen den Angaben nach rund 90 Prozent des Testgeschehens in Deutschland dar.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich eine Absenkung der Hürden für einen PCR-Test angekündigt. Hintergrund sind die im Gegensatz zu Dezember wieder verfügbaren Testkapazitäten in den Laboren. Nun soll es demnach wieder möglich sein, dass jeder mit Symptomen eine PCR-Testung erhält, zuvor galt dies nur bei schwereren Anzeichen der Erkrankung. Auch die Durchführung von Corona-Schnelltests in vielen Bereichen führen dem Verband zufolge zur gesunkenen Auslastung der Labore.

+++ Laschet hofft auf Sieg über Corona bis Februar 2022 +++

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hofft auf ein Ende der Corona-Pandemie in spätestens einem Jahr. "Ich würde mir wünschen, dass wir nächstes Jahr im Februar 2022 die Pandemie mit ihren Auswirkungen überwunden haben", sagte Laschet am Dienstag vor Journalisten in Düsseldorf. Er hoffe, "dass wir so viele Impfungen haben, dass wir wieder im normalen Leben sind und vielleicht auch wieder Karneval feiern".

+++ Astrazeneca soll in Mecklenburg-Vorpommern wieder verabreicht werden +++

Nach einer Kühlpanne um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll dieser nun wieder in Mecklenburg-Vorpommern verabreicht werden. "Der vorgeschriebene Temperaturbereich wurde während des gesamten Transportes eingehalten", sagte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) laut einer am Dienstag in Schwerin veröffentlichten Mitteilung. Zuvor habe es entsprechende Tests gegeben. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers soll der Impfstoff noch in dieser Woche wieder verabreicht werden.

Durch die Kühlpanne konnten laut Mitteilung rund 12 200 Dosen im Bundesland nicht verwendet werden. Das Land habe den Hersteller und das Paul-Ehrlich-Institut um Einschätzung gebeten, wie mit diesen Dosen umgegangen werden soll. Rund 2200 Menschen hätten die zu kalt transportierten Impfstoffe gespritzt bekommen. Die Betroffenen sollen die zweite Impfung im regulär vorgesehenen Zeitraum von neun bis zwölf Wochen erhalten. Die Probleme waren in der vergangenen Woche bekannt geworden, worauf das Bundesland die Verwendung des Impfstoffes vorsorglich stoppte.

Beim Transport zu den Impfzentren war die Temperatur unter null Grad Celsius gefallen. Dies hätten Auswertungen bestätigt. «Für uns ist wichtig, dass der Transport zu den Impfzentren ab sofort ohne Beanstandungen weiterlaufen kann und die Impfungen somit stattfinden können», sagte Glawe weiter. Der vorgeschriebene Temperaturbereich des Impfstoff-Herstellers liegt demnach zwischen plus zwei und acht Grad Celsius. Voraussichtlich am Samstag sollen laut Ministerium weitere 12 000 Astrazeneca-Impfdosen im Nordosten eintreffen, in der vergangenen Woche waren es demnach bereits 14 400. Glawe betonte, dass das Land neben den Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna weiter an diesen Hersteller festhalten werde.

+++ CSU: Mit Kombination aus Impfen und Testen zurück zur Normalität +++

Menschen, die gegen das Corona-Virus geimpft sind oder sich regelmäßig darauf testen lassen, sollten nach Ansicht der CSU im Bundestag künftig wieder ein freieres Leben führen können. "Impfen, Testen und Therapieren führt zur Normalität", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt am Dienstag in Berlin. "Wir können in unserer Gesellschaft nicht darauf warten, bis alle geimpft sind, um dann wieder Normalität herzustellen."

Deshalb müsse man sich auch über die Einführung eines Impfpasses unterhalten, sagte der CSU-Politiker. Der Nachweis, geimpft oder zeitnah negativ auf das Virus getestet worden zu sein, sollte am besten digital zu führen sein. Dobrindt ging davon aus, dass im Sommer viele Regionen in der Welt Impf- oder Testnachweise für Urlauber verlangen werden. Es gehe aber auch darum, wieder in Geschäfte oder zu Kultur- und Sportveranstaltungen gehen zu können.

"Ich werbe dafür, dass wir Normalität für diejenigen ermöglichen, die bereits geimpft sind", sagte Dobrindt. Parallel dazu müsse es eine Teststrategie geben, die allen Nicht-Geimpften durch Tests die Normalität wieder eröffne. "Dies ist eine Kombination, die am Schluss jedem den Übergang zur Normalität ermöglicht."

+++ Studie: Corona bei Schwangeren erhöht Sterberisiko für Baby nicht +++

Eine Corona-Infektion bei Schwangeren erhöht nicht die Gefahr für einen Tod des Babys im Mutterleib oder nach der Geburt. Das bestätigt eine am Dienstag vorgestellte Studie des Imperial College London. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin "Ultrasound in Obstetrics and Gynecology" veröffentlicht. Schon zuvor hatten Untersuchungen ergeben, dass es keinen Zusammenhang zwischen einer Corona-Infektion und dem Tod von Kindern im Mutterleib oder nach der Geburt gibt.

Bei der Analyse von Daten 4000 schwangerer Frauen aus Großbritannien und den USA, die entweder nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren oder bei denen eine Infektion vermutet wurde, wurden allerdings überdurchschnittlich viele Frühgeburten registriert. Demnach brachten 12 Prozent der Frauen in Großbritannien ihr Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 7,5 Prozent.

Ähnlich sah es in den USA aus. Zumindest zum Teil könne sich der Anstieg damit erklären lassen, dass sich Ärzte aus Sorge um die Gesundheit von Mutter und Baby verstärkt für einen vorzeitigen Kaiserschnitt entschieden, erläutern die Forscher. Die Zahl der spontanen Frühgeburten sei niedriger gewesen als erwartet.

+++ Kretschmann bringt Lockerung bei Kontaktbeschränkungen ins Gespräch +++

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine baldige Lockerung der strengen Corona-Kontaktbeschränkungen für möglich. Auch wenn die Zahl der Infektionen nicht unter die Schwelle von 35 pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen sinke, könne es hier eine leichte Öffnung geben, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir wieder auf zwei Haushalte kommen." Bisher dürfen sich im bundesweiten Corona-Lockdown, der noch bis 7. März gilt, nur ein Haushalt und eine weitere Person treffen. Allerdings müsse für eine Lockerung die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft unter 50 liegen, sagte der Regierungschef.

Kretschmann dämpfte die Hoffnung des Handels auf eine baldige Wiedereröffnung der Geschäfte. Diese sei nur möglich, wenn die 7-Tage-Inzidenz stabil unter 35 liege, erklärte der Grünen-Politiker. Dennoch könne es nicht sein, dass Geschäfte über weitere Wochen kaum etwas verkaufen könnten. Das Konzept Click&Meet, also Einkaufen nach Terminvergabe, könnte eine Perspektive sein.

Der Grünen-Politiker mahnte, die momentane Lage sei wegen der Auswirkungen der ansteckenderen Corona-Mutanten «"hochproblematisch". Man müsse Vorsicht walten lassen, er wolle deshalb nur "stücklesweise" vorgehen. Über weitere Öffnungen soll am 3. März die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entscheiden.

+++ Laschet: Auch Zahnärzte sollten impfen +++

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, auch Zahnärzte zu Corona-Schutzimpfungen der Bürger heranzuziehen. "Das wird noch kritisch betrachtet", sagte er am Dienstag in Düsseldorf. Wenn irgendwann viel Impfstoff da sei, werde aber die gesamte Breite des ärztlichen Sachverstands im Land gebraucht, unterstrich Laschet. Wegen der begrenzten Verfügbarkeit der Vakzine sei es derzeit allerdings noch nötig, bei den Impfzentren zu bleiben.

+++ Hamburg verschärft Maskenpflicht - Inzidenz steigt +++

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und dem vermehrten Auftreten von Virus-Mutanten wird Hamburg die Maskenpflicht weiter verschärfen. Generell müsse davon ausgegangen werden, dass ab dem Wochenende an allen Orten der Stadt Masken getragen werden müssen, an denen Abstände nicht eingehalten werden können, sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag nach einem entsprechenden Senatsbeschluss. Dies gelte insbesondere für stark besuchte Orte wie Stadtpark, Jungfernstieg oder Landungsbrücken. Lockerungen - wie eine vielfach geforderte vorzeitige Öffnung der Blumenläden und Gartencenter - habe der rot-grüne Senat nicht beschlossen. "Das können wir nicht verantworten", sagte er.

Die Verschärfung der Maskenpflicht sei auch eine Folge des vergangenen Wochenendes, an dem sich bei gutem Wetter vielerorts in Hamburg Menschen ohne Masken und den nötigen Abstand eingefunden hätten. Eine entsprechende Anpassung der Corona-Verordnung werde zeitnah vorgenommnen, so dass die Maskenpflicht allerspätestens am kommenden Wochenende greife. Schweitzer kündigte auch Schwerpunktkontrollen der Polizei an.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen stieg in Hamburg am Dienstag um 161. Das sind zwar 58 weniger als am Montag, aber 10 mehr als am Dienstag vor einer Woche, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - stieg von 70,9 auf 71,4. Am Dienstag vor einer Woche hatte dieser Wert noch bei 67,1 gelegen.

+++ Nun beschlossen: In Bayern dürfen ab Montag auch Baumärkte öffnen +++

In Bayern dürfen die zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossenen Baumärkte vom kommenden Montag an wieder regulär für Kunden öffnen. Das hat das Kabinett bei seiner Sitzung am Dienstag in München beschlossen.

In Bayern dürfen ab Montag die Baumärkte wieder öffnen. Bild: dpa

+++ Laschet rechnet mit Öffnungsstrategie in der nächsten Woche +++

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) erwartet von der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche Öffnungsperspektiven in der Corona-Pandemie. "16 Länder erwarten, dass wir eine Öffnungsstrategie vorlegen", sagte er am Dienstag in Düsseldorf. Das sei Beschlusslage. "Dass eine Perspektive erkennbar ist: wo wird es hingehen - damit rechne ich bei der Ministerpräsidentenkonferenz."

NRW trete seit über einem Jahr dafür ein, dass bei Öffnungsschritten nicht nur auf die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz zu blicken sei, sagte Laschet. "Man braucht mehr Instrumentarien, um Infektionsketten nachzuverfolgen." Hier gebe etwa eine neue App Anlass zu Hoffnungen. Darüber hinaus seien die zur Verfügung stehenden Impf-Instrumentarien und Test-Instrumentarien wichtige Kriterien für Öffnungsentscheidungen. Derzeit erörterten die Chefs der Staatskanzleien, ob man mehr öffnen kann, wenn mehr getestet werden kann, sagte Laschet.

+++ Laschet: "Öffnungen nur möglich, um schwere Schäden aufzufangen" +++

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat erneut Vorsicht im Umgang mit der Corona-Pandemie angemahnt. "Im Moment sind Öffnungen nur möglich, um schwere Schäden aufzufangen", sagte der CDU-Bundesvorsitzende am Dienstag in Düsseldorf. Deshalb hätten sich zehn Länder entschieden, ihre Grundschulen zu öffnen. Es sei aber weiter nicht absehbar, welche Wirkung die Virusvarianten haben werden. Der erwartete Rückgang der Corona-Neuinfektionsrate auf 50 beziehungsweise 35 pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen sei jedenfalls nicht eingetreten.

+++ Ifo-Chef beklagt Mangel an Corona-Tests - "Gewaltiges Versäumnis" +++

Ifo-Präsident Clemens Fuest hat der Politik schwere Fehler bei der Ausweitung von Corona-Tests vorgeworfen. Es sei ein "gewaltiges Versäumnis" der Politik, dass man noch immer keine Teststrategie auf die Reihe gebracht habe, sagte Fuest am Dienstag bei einer virtuellen Veranstaltung der Stiftung Familienunternehmen.

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts bezeichnete es als fundamentalen Fehler, dass in Deutschland das Testen vernachlässigt werde. Notwendig sei eine grundlegend veränderte Strategie des Testens, Nachverfolgens und Isolierens statt "simpler Stufenpläne". Dann könne auch mehr geöffnet werden, neben Schulen etwa auch Einkaufszentren.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, Gabriel Felbermayr, sagte, es sei "erschreckend", wie wenig in Deutschland getestet werde. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, kritisierte, Bund und Länder hätten es ein Jahr nach Beginn der Pandemie immer noch nicht geschafft, eine vernünftige, logisch nachvollziehbare Öffnungsstrategie zu entwickeln. Die Unternehmen bräuchten nun Planbarkeit.

+++ Berliner Senat berät über Lockerungsplan +++

Nach gut zwei Monaten Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie liegt dem Berliner Senat ein umfassender Plan für schrittweise Lockerungen etwa in Handel, Gastronomie oder Kultur vor. Die Vorlage für die Senatssitzung am (heutigen) Dienstag trägt das Datum 21. Februar, sie liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Das Dokument umfasst sechs Stufen für mögliche Lockerungsschritte, die sich über mehrere Wochen erstrecken. Grundlage sind Kriterien wie der Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Hinzu kommen die Reproduktionszahl (R-Wert), die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, die Kapazitäten bei den Intensivbetten, die Veränderungsrate der Inzidenz und perspektivisch die Impfquote.

Auch "Bild/B.Z." und "Tagesspiegel" berichteten am Dienstag über die Vorlage beziehungsweise vergleichbare Papiere. Der Senat beriet am Dienstag über den Plan.

+++ Müller enttäuscht von späterer Einführung der Gratis-Tests +++

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), hat enttäuscht darauf reagiert, dass die kostenlosen Massentests später kommen sollen als erwartet. !Es ist zum wiederholten Mal so, dass von Seiten des Bundesgesundheitsministers Dinge angekündigt wurden, die dann so oder zumindest so schnell nicht kommen", sagte Müller im ZDF-!Morgenmagazin".

In den Schulen beispielsweise müssten nun wieder vermehrt die bekannten Schutzmaßnahmen gelten - zumindest bis die Test- und Impfkapazitäten hochgefahren werden können. Auch wenn es eine "Gratwanderung" sei, bekräftigte Müller, dass die schrittweisen Schulöffnungen verantwortbar seien. "Wir haben Lüftungsanlagen, wir haben Masken." Eine Konsequenz der späteren Ankunft der Gratis-Selbsttests könne ältere Schülerinnen und Schüler treffen. Es ist Müller zufolge möglich, "dass zum Beispiel in der Schule die nächsten Klassenstufen nicht so schnell in die Schule kommen können wie man es sich vielleicht erhofft hat".

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt immer wieder angekündigt, dass ab 1. März das Angebot für alle Bürger kommen solle, sich kostenlos von geschultem Personal mit Antigen-Schnelltests testen zu lassen - etwa in Testzentren, Praxen oder Apotheken. Darüber soll nun aber erst bei den Bund-Länder-Beratungen am 3. März gesprochen werden, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts (Montag).

+++ Lauterbach warnt: "Dritte Welle lässt sich nicht mehr aufhalten" +++

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ist die dritte Welle in Deutschland bereits ein Fakt. Gegenüber der "Passauer Neuen Presse" sagte der Epidemiologe:"Wir sind noch nicht mitten in der dritten Infektionswelle, aber diese hat angefangen und lässt sich auch nicht mehr aufhalten." Grund seien unter anderem die Virus-Mutationen, die sich schneller verbreiten und bereits einen hohen Teil der Neuinfektionen in Deutschland ausmachen.

Öffnungen hält der SPD-Politiker derzeit nicht für klug. "Ich glaube, dass wir die Inzidenzzahl von 35, wenn wir jetzt schon so früh in die dritte Welle kommen, an vielen Orten nicht mehr erreichen können. Öffnungsschritte würden sich also nach hinten verschieben", so Lauterbach. Er warnt davor, die Mutationen auf die leichte Schulter zu nehmen und sich von Hoffnung leiten zu lassen. "Immer noch hoffen viele, dass die Mutationen mit ihrer höheren Gefährdung vor allem im Ausland wirken und nicht so sehr bei uns. Auch gibt es Experten, die ich gar nicht kenne, die glauben, dass die Gefährdung aus saisonalen Gründen abnimmt. Das wird alles nicht geschehen. Das Problem wird sich nicht durch das bessere Wetter lösen. Die britische Variante B 1.1.7 wird dadurch nicht zurückgedrängt. Die neuen Varianten des Virus werden sich durchsetzen."

+++ Kanzleramtschef Helge Braun: Momentan "keinerlei Öffnungen möglich" +++

Wie die "Bild" aus einer Konferenz zwischen Bundesregierung und Staatskanzleien der Länder erfahren haben will, soll Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) Lockerungen momentan skeptisch sehen. Grund dafür sind die erneut steigenden Infektionszahlen sowie der erhöhte R-Wert, der vermutlich auf den Virus-Mutationen beruht, die sich in Deutschland immer mehr ausbreiten.

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sig/news.de/dpa

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