14.08.2020, 20.23 Uhr

Coronavirus-News vom Auswärtigen Amt: Mallorca ist jetzt Risikogebiet - Tui streicht Pauschalreisen

Spanien ist das Lieblingsziel von Urlaubern aus Deutschland im Ausland - normalerweise. Doch in der Corona-Krise häufen sich die schlechten Nachrichten. Jetzt ist auch Mallorca als Risikogebiet eingestuft worden.

Zwei weitere Regionen Spaniens übersteigen inzwischen die Corona-Richtwerte. Bild: au_uhoo/Shutterstock.com/spot on news

Nicht nur in Deutschland steigen die Fallzahlen der mit Corona infizierten Menschen wieder. In der beliebten Urlaubsdestination Spanien entwickeln sich derzeit mehrere Infektionsherde, wegen denen sich das Auswärtige Amt nun dazu gezwungen sieht, die Reisewarnung für Spanien erneut auszuweiten.

Reisewarnung aktuell: Mallorca und Balearen von RKI als Risikogebiet eingestuft

Nach der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die spanische Hauptstadt Madrid und das Baskenland wuchs die Sorge um Urlaubsfreuden auf Mallorca. Jetzt ist eingetreten, was Urlaubsreisende befürchtet hatten.

Fast ganz Spanien samt der Ferieninsel Mallorca gilt für deutsche Urlauber nun als Corona-Risikogebiet wegen hoher Infektionszahlen. Eine Ausnahme bilden nur die Kanarischen Inseln. Das entschieden die beteiligten Bundesministerien für Gesundheit und Inneres sowie das Auswärtige Amt am Freitag. Das bundeseigene Robert Koch-Institut (RKI) setzte das gesamte Festland Spaniens sowie die Inselgruppe Balearen, zu der Mallorca gehört, noch am Abend auf die Liste der Corona-Risikogebiete.

Mallorca-Rückkehrer müssen Coronatest machen und Quarantäne absolvieren

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Zuvor standen in Spanien lediglich einzelne Regionen auf der Liste, nämlich Aragón, Navarra, das Baskenland, Katalonien und die Hauptstadt Madrid.

Tui sagt Pauschalreisen nach Spanien von Samstag an ab

Der Reisekonzern Tui wird nach der Reisewarnung für fast ganz Spanien die ab Samstag geplanten Pauschalreisen dorthin absagen. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher am Freitagabend der dpa sagte. Weil man nicht von allen Kunden Kontaktdaten habe, nehme man außerdem Kontakt zu Reisebüros auf. Reisenden, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen.

Die deutsche Tourismuswirtschaft bedauerte derweil die vom Auswärtigen Amt ausgesprochene Reisewarnung, betonte aber auch, die Entscheidung sei zu akzeptieren, "da der Gesundheitsschutz die höchste Priorität für die Tourismusbranche hat", wie der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) mitteilte.

BTW-Generalsekretär Michael Rabe appellierte "an die Vernunft von Reisenden wie touristischen Unternehmen (...), die geltenden allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten". Reisewarnungen müssten vor dem Hintergrund der ohnehin schon stark gebeutelten Tourismusbranche "tagesaktuell überprüft und bald möglichst zurückgenommen werden".

Reisewarnung für Spanien im August 2020: Madrid und spanisches Baskenland als Risikogebiete

Das Auswärtige Amt hatte am Dienstagabend die Reisewarnung für Teile Spaniens um Madrid und das spanische Baskenland wegen der "erneut hohen Infektionszahlen" erweitert. Bereits seit Ende Juli gilt eine Warnung vor Reisen in drei andere spanische Regionen, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava. Das geschieht in der Regel, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen übersteigt.

Coronavirus-Fälle auf Mallorca nehmen zu - Balearen-Insel ist noch kein Risikogebiet

Diesem Wert nähern sich die Balearen langsam an. Noch sind die Inseln und die Kanaren sowie der Süden Spaniens aber nicht zu einem Risikogebiet erklärt worden. Auf den Balearen sind derzeit nach offiziellen Angaben mehr als 1.000 aktive Corona-Fälle registriert. Binnen 24 Stunden seien am Dienstag 228 Neuinfektionen festgestellt worden. Erstmals kletterte der Wert am Dienstag auf leicht über 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner.

Für die Inseln wäre eine deutsche Reisewarnung ein weiterer schwerer Schlag. Zuvor hatte schon die Ende Juli in Großbritannien angeordnete Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Spanien für einen Einbruch bei den Buchungen gesorgt.

Tourismusbranche könnte Spanien-Reisewarnung abermals hart treffen

Auch für die von der Corona-Krise hart getroffene deutsche Branche steht einiges auf dem Spiel. Die bislang von Reisewarnungen betroffenen Regionen Spaniens spielen für deutsche Veranstalter eine vergleichsweise geringe Rolle. Anders sieht es dagegen mit den Balearen und den Kanaren aus.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) zählen auch in Corona-Zeiten die Balearen zu den Topzielen. Mehr als 50.000 Passagiere beförderte beispielsweise der Ferienflieger Tuifly in den ersten zwei Monaten nach dem coronabedingten Neustart nach Mallorca und zurück. Bei einer Reisewarnung müssen Veranstalter bereits gebuchte Trips absagen. Kunden haben die Wahl zwischen Gutschein oder Rückerstattung des Geldes. Urlauber, die zum Zeitpunkt der Warnung in der Region sind, können die Reise abbrechen. Der Veranstalter bringen sie zurück.

Grundsätzlich befürwortet der DRV differenzierte Bewertungen einzelner Regionen, statt einer pauschalen Reisewarnung, wie sie bis Ende August noch für etwa 160 Länder gilt.

Viele Touristen aus dem europäischen Ausland hatten sich schon in den vergangenen Wochen durch Reisewarnungen, Zwangsquarantäne nach einer Rückkehr aus Spanien und Berichte über wieder steigende Corona-Zahlen von einer Reise nach Spanien abschrecken lassen.

Strände in Spanien trotz Coronavirus-Pandemie rappelvoll

An den Stränden drängen sich deshalb zurzeit vor allem Einheimische. Wo die Zahl der Strandbesucher reduziert wurde, bilden sich dennoch teils schon früh morgens lange Warteschlangen. Wer etwa an Stränden in Begur an der Costa Brava nicht schon frühmorgens an der Einlasssperre erscheint, muss sich mit stundenlangen Wartezeiten abfinden.

Der spanische Reiseverband betont jedoch, dass die einheimischen Urlauber die durch den weitgehenden Wegfall des internationalen Tourismus entstehenden Einnahmeverluste von geschätzten 50 Prozent nicht ausgleichen können. Die Branche hatte zunächst noch gehofft, nach dem Ende des Corona-Notstandes am 21. Juni und der Öffnung der Grenzen für Europäer zumindest mit einem blauen Auge davonzukommen. Das erwies sich schon bald als Wunschdenken.

Düstere Aussichten für die Reisebranche: 750.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Ihre schon bisher pessimistischen Prognosen für dieses Jahr mussten wegen wieder gestiegener Corona-Zahlen und neuer Einschränkungen noch einmal drastisch gesenkt werden. Bis zum Jahresende drohten der Verlust von bis zu 750.000 Arbeitsplätzen und ein Rückgang der in normalen Zeiten zu erwartenden Einnahmen um mehr 50 Prozent oder 83 Milliarden Euro, berichtete die Zeitung "El País" kürzlich unter Berufung auf Schätzungen des Reiseunternehmerverbandes Exceltur.

Die Tourismusbranche in Spanien trägt in normalen Zeiten mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und sichert Hunderttausende Arbeitsplätze.

Coronavirus als Reise-Mitbringsel

Laut Robert-Koch-Institut haben zahlreiche Urlaubsrückkehrer das Coronavirus bereits aus dem Urlaub nach Deutschland gebracht. Wie "ntv" aktuell berichtet, ist die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren in einigen Urlaubsländern deutlich höher.Laut RKI ist das vor allem in den Balkan-Staaten sowie der Türkei der Fall. Am häufigsten gaben Reiserückkehrer (1096 Fälle) nach einer Infektion den Kosovo als Aufenthaltsort an. Dahinter folgen die Türkei (501), Kroatien (260), Serbien (196), Bulgarien (166), Bosnien Herzegowina (156) und Rumänien (113).

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loc/news.de/spot on news/dpa

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