Lehrerstreik heute in Sachsen: Unterrichtsausfall und Notbetreuung erwartet - Diese Schulen sind betroffen

Leipzig – Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes der Länder werden diese Woche auch in Sachsen Schulen bestreikt. Am heutigen Mittwoch sind Lehrkräfte im Raum Leipzig zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.

Von news.de-Redakteur - Uhr

GEW Streik im Januar für höhere Löhne. Demonstrierende mit Warnwesten halten Plakate und Flaggen, am 14.01.2026. (Symbolbild) (Foto) Suche
GEW Streik im Januar für höhere Löhne. Demonstrierende mit Warnwesten halten Plakate und Flaggen, am 14.01.2026. (Symbolbild) Bild: picture alliance/dpa | Britta Pedersen
  • Heute Warnstreik in Leipzig
  • Privatschulen wachsen: bundesweit inzwischen rund 12 % der allgemeinbildenden Schulen privat
  • Mehr Bedarf für Integration/Sprachförderung: 29 % der Schüler haben Einwanderungsgeschichte

In Sachsen trifft der Tarifkonflikt der Länder diese Woche auch die Schulen: Heute legen Lehrkräfte im Raum Leipzig ganztägig die Arbeit nieder, am Freitag soll die Region Dresden folgen. GEW, Sächsischer Lehrerverband und Beamtenbund erhöhen den Druck auf die Arbeitgeber – gefordert werden 7 % mehr Lohn, mindestens 300 Euro pro Monat. Betroffen sind rund 920.000 Tarifbeschäftigte der Länder, darunter angestellte Lehrkräfte; bundesweit geht es um 2,2 Millionen Beschäftigte. In Sachsen dürfen verbeamtete Lehrkräfte (rund 42 % der etwa 34.000 Lehrkräfte) nicht streiken, dennoch rechnet die GEW mit mehreren hundert Teilnehmenden. Schulen sollen Notbetreuung anbieten; weitere Warnstreiks in Sachsen sind für die nächste Woche angekündigt.

  • Leipzig – Mi., 21.01.2026: 10:00 Uhr, Richard-Wagner-Platz (Eintragung in Streiklisten vor Ort)
  • Dresden – Fr., 23.01.2026: 09:30 Uhr, Postplatz (Eintragung in Streiklisten vor Ort)
  • Chemnitz – Di., 27.01.2026: 11:00 Uhr, Theaterplatz (Eintragung in Streiklisten vor Ort)

Quelle: GEW

Leeres Klassenzimmer: Wegen des Warnstreiks der Lehrer könnten heute in Leipzig viele Räume unbesetzt bleiben

Hintergrund: Die Lehrergewerkschaften beklagen nicht nur unzureichende Gehaltsangebote der Länder, sondern generell schwierige Bedingungen im Bildungssystem. Chronischer Lehrermangel, steigende Schülerzahlen und psychische Belastungen bedrängen den Schulalltag. Unterrichtsausfall ist vielerorts an der Tagesordnung. Schon im Schuljahr 2025/26 werden bundesweit voraussichtlich rund 35.000 Lehrerstellen unbesetzt sein, fünf Jahre später könnte der Mangel laut Prognosen sogar auf 68.000 fehlende Lehrkräfte anwachsen. Um mehr Personal zu gewinnen, müssten Quereinsteiger verstärkt gefördert und der Lehrberuf finanziell attraktiver gemacht werden, mahnen Experten.

Warnstreik GEW: Schulplanänderungen in Leipzig, Dresden und Chemnitz

Datum  Ort  Schule  Was gilt?
21.01.2026 Leipzig Astrid-Lindgren-Schule (Grundschule) Kein regulärer Unterricht, nur Notbetreuung; Eltern sollen Kinder möglichst zuhause betreuen und abmelden.
21.01.2026 Leipzig 39. Schule (Grundschule) Kein regulärer Unterricht (Kl. 1–4), Notbetreuung nur eingeschränkt, GTA entfällt; Hortbetrieb laut Schule regulär.
21.01.2026 Leipzig Frege-Schule (Oberschule) Unterricht kann betroffen sein; Schule verweist auf Vertretungsplan/Schulmanager und teilt Sonderregelungen (u. a. für einzelne Jahrgänge) mit.
21.01.2026 Leipzig Klaus-Gottschalk-Schule (Oberschule) Zusätzlicher Unterrichtsausfall möglich (Elternbrief/GEW-Hinweis); kurzfristige Änderungen werden ausdrücklich erwähnt.
23.01.2026 Dresden 113. Grundschule Schule kündigt Einschränkungen an und organisiert Notbetreuung; bittet Eltern, wenn möglich zuhause zu betreuen und Hinweise zu beachten.
23.01.2026 Dresden-Loschwitz Schillerschule Hinweis auf Warnstreik am Freitag – Vertretungsplan beachten (Schule verlinkt Elterninfo).
26.01.2026 Oschatz Robert-Härtwig-Schule Schule kündigt Streik-Einfluss an und verweist auf Vertretungsplan für den konkreten Ablauf.
26.01.2026 Werdau Diesterweg-Oberschule Werdau Schule informiert über geplanten Warnstreik und verlinkt eine Elterninfo (Details dort).
27.01.2026 Chemnitz F.-A.-W.-Diesterweg-Oberschule Schulhinweis zum Warnstreik: u. a. späterer Schulbeginn (10:30 Uhr) wird genannt (laut Ankündigung).

(unvollständige Liste) 

Privatschulen Boomen in ganz Deutschland: jede achte Schule ist privatisiert

Die angespannte Lage an öffentlichen Schulen spiegelt sich unter anderem in einem Boom bei Privatschulen wider. Neuen Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge nimmt die Zahl der Privatschulen in Deutschland seit Jahren zu. Im Schuljahr 2024/25 gab es rund 3.800 allgemeinbildende Schulen in privater Trägerschaft, etwa 7 % mehr als zehn Jahre zuvor (2014/15: ca. 3.600 Privatschulen). Damit ist inzwischen fast jede achte Schule (12 %) eine Privatschule. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der öffentlichen Schulen um knapp 4 % zurückgegangen (2014/15 waren es gut 30.000, zuletzt noch ca. 29.000 öffentliche Schulen).

Trotz mehr Privatschul-Gründungen bleibt ihr Schüleranteil laut Destatis seit Jahren nahezu stabil: 2024/25 besuchten rund 9 % der Kinder eine Privatschule (etwa 807.900 von 8,9 Millionen), auch weil Privatschulen oft kleiner sind und Schließungen öffentlicher Schulen teils durch größere Klassen aufgefangen wurden. Regional gibt es starke Unterschiede: Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 13 % vorn, Sachsen folgt mit 12 % (Bayern: 11 %), während Schleswig-Holstein und Niedersachsen bei rund 6 % liegen. Viele Eltern nennen kleinere Klassen oder spezielle Konzepte als Motiv, zugleich kostet ein Privatschulplatz Geld: bundesweit im Schnitt 2.042 Euro Schulgeld pro Jahr, in Sachsen mit 1.270 Euro am niedrigsten.

Integration in Schulen: Vielfalt wächst, Personalbedarf auch

Die Schülerpopulation in Deutschland wird immer vielfältiger: Laut Destatis hatten 2024 29 % der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Einwanderungsgeschichte (2019: 26 %). Gleichzeitig sind Lehrerkollegien deutlich homogener: Nur rund 11 % der Lehrkräfte haben selbst eine Einwanderungsgeschichte (2019: 9 %). Damit steht fast jedem dritten Kind mit Migrationsbezug nur gut jede*r zehnte Lehrkraft mit ähnlichem Hintergrund gegenüber.

Für Schulen bedeutet das zusätzliche Aufgaben – vor allem bei Sprachförderung und Assimilation. Viele Kinder sprechen zu Hause nicht Deutsch, nötig sind Vorbereitungsklassen, "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ), Schulsozialarbeit und mehr Personal. Doch häufig fehlen genau diese Kapazitäten, sodass neu zugewanderte Kinder teils früh in Regelklassen landen, obwohl sie sprachlich noch nicht mithalten können. Der Warnstreik in Leipzig rückt diesen Druck auf das System mit in den Fokus: Höhere Löhne sollen den Beruf attraktiver machen und helfen, mehr Lehrkräfte zu gewinnen – sonst drohen bei wachsender Vielfalt und Privatschul-Trend weitere Einbußen bei Chancengleichheit und Bildungsqualität. 

Insbesondere soll der Warnstreik das Bewusstsein schärfen, dass fehlende Investitionen in Bildung zulasten der Kinder gehen – besonders zulasten von Kindern, deren Lebensrealitäten und Perspektiven nicht dem "Norm"-Bild entsprechen. Schulen müssten besser ausgestattet werden: Sonst geraten Kinder häufiger ins Hintertreffen, wechseln eher auf Privatschulen – und Lehrkräfte rutschen durch Überlastung nicht selten in Burnout.

/news.de

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