Hautkrebs-Impfung von "Moderna": Durchbruch bei schwarzem Hautkrebs - Rückfallrisiko sinkt um 42 Prozent

Es gilt als medizinische Sensation - ein maßgeschneiderter mRNA-Impfstoff von "Moderna" senkt das Rückfallrisiko bei schwarzem Hautkrebs um 42 Prozent. Erste Studienergebnisse liefern beeindruckende Zahlen. Die Hintergründe.

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Eine neue mRNA-Impfung gegen Hautkrebs des Pharmaunternehmens "Moderna" gilt als äußerst vielversprechend (Symbolbild). (Foto) Suche
Eine neue mRNA-Impfung gegen Hautkrebs des Pharmaunternehmens "Moderna" gilt als äußerst vielversprechend (Symbolbild). Bild: picture alliance/dpa/Katharina Kausche
  • 42 Prozent weniger Rückfälle und Todesfälle – was der neue mRNA-Impfstoff bewirkt
  • Krebs-Impfung von "Moderna": maßgeschneiderte Therapie statt Standard-Impfung
  • Warum der Durchbruch für viele Patienten vorerst außer Reichweite bleibt
  • Welche Melanom-Patienten von der neuen Therapie profitieren könnten

Ein personalisierter mRNA-Krebsimpfstoff der US-Pharmaunternehmen Moderna und Merck hat in einer groß angelegten klinischen Studie einen bemerkenswerten Erfolg erzielt: Bei Patienten mit schwarzem Hautkrebs reduzierte die Behandlung das kombinierte Risiko für Rückfall oder Tod um 42 Prozent. Die Ausbreitung des Tumors in entfernte Körperregionen ging um 38 Prozent zurück. Aber wie ist das möglich?

An der Untersuchung nahmen mehr als 1100 Melanom-Patienten teil, deren Daten über einen Zeitraum von zwei Jahren nach der Therapie ausgewertet wurden. Die detaillierten Ergebnisse sollen am Samstag beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in Madrid präsentiert werden, berichtet die "Bild".

Damit liegt erstmals ein Wirksamkeitsbeleg für einen individualisierten Krebsimpfstoff aus einer großen Studie vor.

So funktioniert der Hautkrebs-Impfstoff von "Moderna"

Das Prinzip hinter der Therapie unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Impfungen: Statt eines einheitlichen Wirkstoffs erhält jeder Patient eine individuell angefertigte Behandlung. Zunächst werden die spezifischen Mutationen des jeweiligen Tumors entschlüsselt. Auf Basis dieser Analyse wird dann ein maßgeschneiderter mRNA-Impfstoff produziert, der das körpereigene Abwehrsystem gezielt darauf trainiert, genau diese Krebszellen aufzuspüren und zu zerstören.

Ergänzt wird der Impfstoff durch Mercks Blockbuster-Medikament Keytruda (Pembrolizumab), eines der umsatzstärksten Arzneimittel weltweit. Diese etablierte Immuntherapie unterstützt das Abwehrsystem zusätzlich bei der Krebsbekämpfung. Bei den Studienteilnehmern war der Tumor zuvor chirurgisch entfernt worden – die Kombinationsbehandlung sollte anschließend verhindern, dass die Erkrankung zurückkehrt.

Die Studie liefert damit den ersten Wirksamkeitsnachweis in großem Maßstab für das Konzept: Tumor analysieren, Impfstoff individuell herstellen, Immunsystem präzise auf die Krebszellen ausrichten.

Was die 42 Prozent wirklich bedeuten

Ein wichtiges Detail zur Einordnung: Die vielzitierte Zahl von 42 Prozent beschreibt nicht etwa, dass 42 Prozent weniger Patienten verstarben. Vielmehr handelt es sich um die relative Senkung des kombinierten Risikos aus Rückfall und Tod. Der Unterschied zeigt sich beim Blick auf die absoluten Zahlen deutlicher.

Nach zwei Jahren lebten 82,2 Prozent der Patienten in der Impfstoff-Gruppe ohne Rückfall. In der Kontrollgruppe, die lediglich Keytruda plus ein Placebo erhielt, lag dieser Wert bei 70 Prozent – ein absoluter Unterschied von gut zwölf Prozentpunkten.

Auch bei der Bildung von Fernmetastasen schnitt die Kombinationstherapie besser ab: 88,5 Prozent der behandelten Patienten blieben davon verschont, verglichen mit 80,2 Prozent in der Vergleichsgruppe. Das entspricht der relativen Risikoreduktion von 38 Prozent bei der Ausbreitung des Krebses in entfernte Körperregionen.

Über 300.000 Euro pro Patient – und trotzdem keine Massentherapie

Wer jetzt auf eine baldige Krebsimpfung für jedermann hofft, muss sich gedulden. In den USA streben die Hersteller noch in diesem Jahr einen Zulassungsantrag an. Europäische Patienten müssten im günstigsten Fall bis Ende 2027 warten, bis die Therapie regulär verfügbar sein könnte.

Und dann wäre da noch die Kostenfrage: Weil jeder Impfstoff individuell auf den jeweiligen Tumor zugeschnitten wird, ist die Herstellung extrem aufwendig. Im Raum stehen Preise von mehr als 300.000 Euro pro Behandlung, berichtet die "Apotheken Umschau". "Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist das daher kaum für die breite Masse vorstellbar", ordnet Prof. Dr. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik an der Uniklinik Erlangen, die Situation ein. Ob Krankenkassen die Kosten dauerhaft übernehmen würden, müsste nach einer möglichen Zulassung erst noch verhandelt werden.

Ohnehin richtet sich die Behandlung an eine eng umrissene Zielgruppe: In Deutschland kämen laut Berking etwa 6.000 Menschen mit bestimmten Melanom-Stadien infrage. Patienten mit Autoimmunerkrankungen sind von der Kombinationstherapie mit dem Immunmedikament zudem ausgeschlossen.

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