Von Tier zu Mensch übertragen: Juckreiz, Eiter, Läsionen - diese "neue" Krankheit breitet sich aus

Eigentlich ist die Krankheit bisher hauptsächlich unter Tieren ausgebrochen – nun informiert das RKI über vermehrte Übertragungen auf den Menschen im Zusammenhang mit der sogenannten Regenfäule. Was genau dahintersteckt, alles über Symptome und Ansteckung hier.

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"Pockenähnliche" Narben auf der Haut, Juckreiz und Eiter - RKI informiert über neuen Übertragungsweg der sogenannten Regenfäule (Symbolbild). (Foto) Suche
"Pockenähnliche" Narben auf der Haut, Juckreiz und Eiter - RKI informiert über neuen Übertragungsweg der sogenannten Regenfäule (Symbolbild). Bild: Adobe Stock/Miroslav Beneda
  • Regenfäule breitet sich in Deutschland aus – RKI meldet neue Fälle
  • Pockenähnliche Pusteln und nässende Krusten – diese Symptome sind typisch
  • Ansteckung von Mensch zu Mensch – neue Erkenntnisse zur Dermatophilose
  • RKI gibt Entwarnung – für diese Menschen besteht trotzdem ein erhöhtes Risiko

Eine bislang vor allem aus der Tiermedizin bekannte Hautinfektion sorgt zunehmend für Aufmerksamkeit: Die sogenannte Regenfäule, fachlich als Dermatophilose bezeichnet, breitet sich unter Menschen in Deutschland und Europa aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 bis zu 17 Erkrankungen hierzulande erfasst, geht aus einem aktuellen Bericht hervor. Europaweit liegt die Zahl der bestätigten Infektionen bei über 100.

RKI informiert über vermehrte Fälle von Regenfäule - das steckt dahinter

Ausgelöst wird die Krankheit durch das Bakterium Dermatophilus congolensis, das Tierärzten seit mehr als hundert Jahren vor allem von Rindern und Pferden geläufig ist. Unter anderem in Berlin und Brandenburg wurden Fälle registriert. Besonders alarmierend: Die Ansteckungen erfolgten offenbar nicht über den klassischen Tierkontakt, sondern direkt zwischen Menschen. Das RKI hat einen neuen Übertragungsweg identifiziert, der die bisherige Einschätzung der Krankheit grundlegend verändert.

Zoonosen - wenn Tierkrankheiten auf den Menschen übergehen

Lange galt ausschließlich der direkte Umgang mit infizierten Tieren als Ansteckungsquelle. Doch die aktuellen Fälle zeichnen ein völlig anderes Bild. Nach Erkenntnissen des RKI infizierten sich Betroffene durch engen Haut-zu-Haut-Kontakt in feuchtwarmer Umgebung – mehrere von ihnen hatten zuvor sich mutmaßlich bei einem Sauna-Besuch angesteckt.

Übertragung von Mensch zu Mensch - das hat sich bei der Regenfäule jetzt verändert

Ob und wie der Erreger dabei weitergegeben wurde, beispielsweise über engen Körperkontakt oder auch verunreinigte Oberflächen, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist jedoch bereits: Neben dem bekannten Weg über Tierkontakt hat sich ein zweiter, zwischenmenschlicher Infektionsweg etabliert. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC bestätigt, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch bei engem Körperkontakt möglich ist.

Vorsicht bei diesen Symptomen: Pockenähnliche Pusteln und nässende Krusten als Warnsignale

Wer sich mit dem Erreger ansteckt, entwickelt charakteristische entzündliche Veränderungen der Haut. Dazu gehören kleine Knötchen, eitrige Pickel sowie Pusteln, die an Pocken erinnern können. Häufig kommen schuppige, verkrustete Stellen hinzu, die teilweise nässen. Begleitet werden die Symptome oft von Juckreiz.

Die Hautläsionen zeigen sich an unterschiedlichen Körperstellen – betroffen sind unter anderem der Genitalbereich und die Innenseiten der Oberschenkel, aber auch das Gesicht. Trotz des teils auffälligen Erscheinungsbilds verliefen die bislang dokumentierten Erkrankungen überwiegend mild. Eine zuverlässige Diagnose lässt sich allerdings nicht allein anhand des äußeren Befunds stellen: Nur eine Laboruntersuchung kann den Erreger sicher nachweisen.

Antibiotika helfen – Erreger stammt ursprünglich aus der Veterinärmedizin

Die gute Nachricht: Die bakterielle Infektion lässt sich wirksam mit Antibiotika behandeln. In den bisherigen Fällen führte die Therapie in der Regel zu einer vollständigen Genesung ohne bleibende Schäden.

Das verantwortliche Bakterium Dermatophilus congolensis ist in der Tiermedizin seit über einem Jahrhundert bekannt. Vor allem Rinder und Pferde sind von der Regenfäule betroffen, die dort auch als "Regenekzem" bezeichnet wird. Beim Menschen galten Infektionen bis vor Kurzem als äußerst selten und traten fast ausschließlich nach direktem Kontakt mit erkrankten Tieren auf. Die Krankheit wurde daher lange als klassische Zoonose eingestuft – also als eine Infektion, die vom Tier auf den Menschen überspringt. Die aktuelle Häufung in Europa stellt diese Einordnung nun infrage.

RKI gibt Entwarnung für die breite Bevölkerung

Für die Allgemeinheit stuft das RKI die Gefahr durch die Regenfäule als sehr gering ein. Erhöht ist das Risiko hingegen für Personen, die Orte mit engem körperlichen Kontakt zu anderen aufsuchen. Grund zur Panik bestehe dennoch nicht.

Das Institut empfiehlt, bei ungewöhnlichen Hautveränderungen – etwa juckenden oder verkrusteten Stellen – zeitnah einen Arzt aufzusuchen. Bis eine medizinische Abklärung erfolgt ist, sollten Betroffene intensiven Hautkontakt mit anderen Personen meiden, um eine weitere Verbreitung des Erregers zu verhindern.

Die Dermatophilose reiht sich damit in eine Serie von Tierkrankheiten ein, die zuletzt in Deutschland nachgewiesen wurden. Die Entwicklung der Fallzahlen wird vom RKI weiterhin beobachtet.

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