Sindbis-Virus von Tropenmücke übertragen: Neues Virus erreicht Deutschland - bisher keine Behandlung bekannt
Ein 60-Jähriger aus Baden-Württemberg hat das Land nie verlassen – und sich trotzdem mit einem Virus infiziert, das Ärzte bisher nur aus Skandinavien und Afrika kannten. Sein Fall stellt die Medizin vor eine unbequeme Frage: Wie viele Infektionen wurden hierzulande bislang schlicht übersehen?
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Erstmals Sindbis-Virus bei einem Menschen in Deutschland nachgewiesen
- 60-Jähriger aus Baden-Württemberg infiziert sich ohne Auslandsreise
- Fieber, Hautausschlag und heftige Gelenkschmerzen als typische Symptome
- RKI warnt vor weiteren Fällen durch heimische Stechmücken
Zum ersten Mal ist in Deutschland eine Erkrankung durch das Sindbis-Virus bei einem Menschen nachgewiesen worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte, infizierte sich ein 60-jähriger Mann aus Baden-Württemberg bereits Mitte Juli mit dem Erreger. Das ist bisher bekannt.
Erster Sindbis-Virus-Fall in Deutschland - das ist bisher bekannt
Besonders bemerkenswert: Der Betroffene hatte Baden-Württemberg vor seiner Erkrankung nicht verlassen. Damit handelt es sich um eine sogenannte autochthone Infektion – der Mann steckte sich also hierzulande an und nicht etwa auf einer Auslandsreise. Das Sindbis-Virus war bislang vor allem aus Nordeuropa sowie Teilen Afrikas als Krankheitsauslöser beim Menschen bekannt. In Finnland, Schweden und Südafrika tritt es am häufigsten auf. Pandemie-Potenzial, wie bei anderen Erregern, die zuletzt gemeldet wurden, sehe man nicht.
Anfangs tippten Ärzte auf eine andere Tropenkrankheit
Die behandelnden Mediziner gingen zunächst von einer Chikungunya-Infektion aus. Der Verdacht lag nahe, da am Wohnort des Patienten die Asiatische Tigermücke heimisch ist – eine bekannte Überträgerin dieses Erregers. Zudem ähneln sich die Krankheitsbilder beider Viren stark.
Doch sämtliche Laboruntersuchungen auf Chikungunya fielen negativ aus. Erst als die Ärzte gezielt nach weiteren Erregern suchten, lieferte ein spezifischer Antikörpertest die Antwort: Der 60-Jährige hatte sich mit dem Sindbis-Virus angesteckt. Laut "SWR" war es der Nachweis dieser Antikörper, der letztlich Klarheit über den tatsächlichen Erreger brachte – und damit den ersten dokumentierten Sindbis-Fall auf deutschem Boden bestätigte.
Meist milde Symptome, doch die Gelenkschmerzen können bleiben
Das Sindbis-Virus äußert sich typischerweise durch Fieber, einen juckenden Ausschlag auf der Haut sowie teils heftige Schmerzen und Entzündungen in den Gelenken. Während Fieber und Hautveränderungen in der Regel nach ein bis zwei Wochen abklingen, können die Gelenkbeschwerden deutlich länger andauern.
Der Großteil der Infektionen verläuft jedoch harmlos – viele Betroffene bemerken die Ansteckung nicht einmal. Schwere Krankheitsverläufe mit neurologischen Komplikationen kommen laut RKI nur in Ausnahmefällen vor.
In Skandinavien kennen Mediziner das Krankheitsbild schon seit Langem: In Schweden wird es als Ockelbo-Krankheit bezeichnet, in Finnland als Pogosta-Krankheit. Dass nun erstmals auch in Deutschland ein Patient erkrankte, markiert eine neue Entwicklung.
Heimische Mücken als Überträger – Vögel verbreiten den Erreger
Übertragen wird das Sindbis-Virus durch in Deutschland weit verbreitete Culex-Mücken, die das RKI als Hauptvektor einstuft. Diese Stechmücken infizieren sich bei Wildvögeln, die als natürliche Wirte dienen und den Erreger in hoher Konzentration vermehren. Menschen gelten dagegen als sogenannte Fehlwirte – sie können zwar erkranken, tragen aber nicht zur weiteren Ausbreitung bei. Eine direkte Ansteckung zwischen Menschen ist nicht möglich.
Neu ist der Erreger in Deutschland allerdings nicht: Bereits 2009 wurde das Virus erstmals in einer hiesigen Stechmücke identifiziert. Seitdem konnte es laut RKI wiederholt sowohl in heimischen Mückenarten als auch in Wildvögeln nachgewiesen werden – unter anderem in der Region um Weinheim in Baden-Württemberg.
RKI ruft Ärzte zu mehr Wachsamkeit auf
Das Robert-Koch-Institut appelliert an Mediziner, während der Mückensaison auch bei Patienten ohne Reisegeschichte verstärkt an durch Mücken übertragene Viren wie Sindbis zu denken. Besonders wenn Fieber, Hautausschlag und starke Gelenkschmerzen auftreten und gängige Tests auf Dengue- oder Chikungunya-Fieber kein Ergebnis liefern, sollte eine gezielte virologische Untersuchung auf das Sindbis-Virus eingeleitet werden.
Nach Einschätzung des RKI ist in Gebieten, in denen der Erreger bereits bei Mücken und Wildvögeln zirkuliert, künftig mit weiteren Erkrankungsfällen beim Menschen zu rechnen. Die dafür relevanten Stechmückenarten, die sowohl Vögel als auch Menschen stechen, sind in ganz Deutschland verbreitet. Wie viele unerkannte Infektionen es bislang gegeben hat, bleibt offen.
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ife/news.de/stg/dpa
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