Grippe-Saison 2026/27 in den Startlöchern: Wie heftig wird die Influenza-Welle? Experten benennen größtes Grippe-Problem

Die Grippe-Saison 2026/27 steht in den Startlöchern - und mit ihr angepasste Influenza-Impfstoffe, die mit einer besonders umfangreichen Änderung aufwarten. Wie hart wird der Grippe-Welle in Deutschland? Das sagen Experten.

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In jedem Herbst ein Piks gegen Grippe – für einen Teil der Bevölkerung wird die Grippeschutzimpfung empfohlen, andere können sich damit schützen, wenn sie möchten. (Foto) Suche
In jedem Herbst ein Piks gegen Grippe – für einen Teil der Bevölkerung wird die Grippeschutzimpfung empfohlen, andere können sich damit schützen, wenn sie möchten. Bild: Katharina Kausche/dpa/dpa
  • Grippe-Saison 2026/27 steht in den Startlöchern
  • Impfstoffe gegen Influenza ungewöhnlich stark angepasst - was steckt dahinter?
  • Wie hart wird der Grippe-Winter in Deutschland? Deshalb bleiben Experten gelassen

Alljährlich im Herbst wird in Deutschlands Arztpraxen wieder für die Grippeimpfung geworben, wenn die angepassten Impfstoffe verfügbar gemacht werden. Für die Grippe-Saison 2026/27 allerdings fällt diese Aktualisierung deutlich umfangreicher aus als gewohnt – sämtliche drei in den Vakzinen enthaltenen Stämme mussten gleichzeitig ausgetauscht werden.

Grippe-Saison 2026/27: Überarbeitete Influenza-Impfstoffe stehen bereit

Der Grund: Die weltweit kursierenden Influenzaviren haben sich so stark verändert, dass die bisherigen Impfstoffreferenzviren nicht mehr ausreichend zu den tatsächlich zirkulierenden Erregern passen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) spricht von "deutlichen antigenetischen Unterschieden", die eine derart umfassende Anpassung erforderlich machten.

Grundlage für die Entscheidung sind Empfehlungen der WHO sowie des zuständigen Ausschusses bei der Europäischen Arzneimittelagentur, die üblicherweise im Februar eine Prognose für den kommenden Winter treffen. Dass alle drei Komponenten auf einmal erneuert werden, ist ein ungewöhnlicher Schritt.

Deshalb wurden die neuen Influenza-Impfstoffe so radikal verändert

Hinter der dreifachen Aktualisierung steckt eine biologische Realität: Influenzaviren mutieren kontinuierlich, und in den vergangenen Jahren haben sich alle drei Impfstoffkomponenten so weit von ihren Vorgängern entfernt, dass die durch eine Impfung gebildeten Antikörper die aktuellen Erreger kaum noch zuverlässig erkennen konnten. Besonders im Fokus steht dabei die Influenza-Variante A(H3N2) der sogenannten Subklade K, die sich als relativ neuer Spieler im Virusgeschehen etabliert hat.

Leif-Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin an der Charité, ordnet die Maßnahme nüchtern ein: Alle drei Stämme hätten sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt, die Anpassung sei erfolgt "mit dem Ziel, den Impfstoff besser an die zirkulierenden Viren anzupassen." Das PEI bestätigt, dass die veränderte Antigenität – also die Art, wie das Immunsystem die Viren wiedererkennt – den Ausschlag für die umfassende Neuausrichtung gab.

Wie hart wird der Grippe-Winter in Deutschland? Deshalb bleiben Experten gelassen

Doch bedeutet eine derart weitreichende Impfstoff-Überarbeitung automatisch, dass Deutschland ein besonders harter Grippewinter bevorsteht? Charité-Experte Sander bremst die Erwartungen: "Ich würde daraus nicht primär schließen, dass wir eine viel stärkere Grippesaison bekommen." Ein wesentlicher Faktor für seine Gelassenheit: Zahlreiche Menschen sind bereits im vergangenen Winter mit der neuen A(H3N2)-Subklade K in Berührung gekommen und haben dadurch eine gewisse Immunität aufgebaut.

Zwar habe die letzte Saison durchaus volle Krankenhäuser und viele Erkrankte mit sich gebracht, außergewöhnlich schwer sei sie jedoch nicht gewesen. Auch der Blick auf die Südhalbkugel, deren Winter gerade zu Ende geht, liefert eher beruhigende Signale – dort verlief die Grippesaison moderat. "Aber wir erwarten nicht, dass dieses Jahr eine besonders dramatische Grippewelle auf uns zurollt", fasst Sander zusammen. Entwarnung im klassischen Sinne ist das allerdings nicht: "Die Grippewelle kommt immer, da kann man im Grunde die Uhr danach stellen."

Impfmüdigkeit in Deutschland als größtes Grippe-Problem

So wichtig die Anpassung der Vakzine auch sein mag – das weitaus größere Defizit liegt bei der Bereitschaft, sich überhaupt impfen zu lassen. In der Saison 2024/25 ließen sich nach Zahlen des Robert Koch-Instituts gerade einmal 34,5 Prozent der über 60-Jährigen gegen Influenza immunisieren. Mehr als jeder Zweite in dieser besonders gefährdeten Altersgruppe ging also ohne Schutz in den Winter.

Das von der EU ausgegebene Ziel einer Impfquote von 75 Prozent verfehlt Deutschland damit um Längen. Selbst der europäische Durchschnitt lag laut Statistischem Bundesamt in der Saison 2022/23 mit 47 Prozent bei den über 65-Jährigen deutlich höher. Sander bringt es auf den Punkt: "Die Anpassung der Impfstoffe ist wichtig, aber vor allen Dingen brauchen wir eine bessere Impfquote."

Grippe-Impfung ja oder nein? So lautet die Empfehlung der Stiko

Noch bewegen sich die Atemwegsinfekte in Deutschland auf moderatem Niveau. Laut RKI dominieren Mitte Oktober 2026 klassische Erkältungserreger wie Rhino-, Parainfluenza- und Enteroviren das Geschehen. Allerdings verzeichnen die Experten sowohl bei Influenza- als auch bei Coronaviren einen leichten Aufwärtstrend – ein typisches Signal für den beginnenden Herbst.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen sowie Personen mit chronischen Vorerkrankungen – darunter Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen oder Adipositas. Auch Kinder und Jugendliche mit entsprechenden Grunderkrankungen sollten geimpft werden. Gerade in dieser jungen Gruppe sind die Impfquoten der Stiko zufolge seit Jahren besorgniserregend niedrig. Selbst ein Impfstoff mit eingeschränkter Wirksamkeit sorgt dafür, dass Grippeerkrankungen bei Geimpften in der Regel milder verlaufen.

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