König Charles III.: Billionen für Jamaika? Sklaven-Vergangenheit holt Monarchen ein

Jamaika fordert von der britischen Krone eine juristische Antwort auf drei brisante Fragen zur Sklaverei. Doch König Charles III. war nicht da, um die Petition entgegenzunehmen. Im Raum stehen auch Zahlungen. Welche Rolle spielt der Monarch?

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Jamaika fordert von König Charles III. in einer Petition Antworten zur Sklaverei. (Foto) Suche
Jamaika fordert von König Charles III. in einer Petition Antworten zur Sklaverei. Bild: picture alliance/dpa/PA Wire | Toby Shepheard
  • Jamaika fordert Reparationen nach Großbritanniens Sklaverei
  • König Charles III. konnte Petition nicht entgegennehmen
  • Müsste der Monarch Billionen an Jamaika zahlen?

Jamaika fordert eine Gutmachung für das durch Großbritanniens Sklavenhandel verursachte Leid an der Bevölkerung. Eine jamaikanische Delegation hat am Montag (7. September) in London eine wegweisende Petition zu Sklaverei-Reparationen beim Judicial Committee des Privy Council eingereicht, die auch König Charles III. nach ersten Berichten erhalten haben soll.

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Petition an König Charles III. wegen Sklaverei-Vergangenheit in Jamaika

Entgegen anfänglicher Medienberichte nahm König Charles III. das Dokument jedoch nicht persönlich entgegen. Berichtet "Newsweek". Der Monarch hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Schottland auf.Das Dokument richtet sich an Charles in seiner Funktion als Staatsoberhaupt Jamaikas. Es fordert ihn auf, beim Rechtsausschuss des Privy Council – dem höchsten Berufungsgericht für britische Überseegebiete und einige Commonwealth-Staaten – ein Rechtsgutachten zur Sklaverei einzuholen.

Die Abordnung unter Führung von Kulturministerin Olivia Grange war am Wochenende in der britischen Hauptstadt eingetroffen. Begleitet wurde sie von Mitgliedern des jamaikanischen Nationalen Reparationsrats. Ziel der Reise war es, eine bereits im Juni vergangenen Jahres angekündigte Petition offiziell einzureichen.

Jamaika fordert Sklaverei-Reparationen – Palast äußert sich

Ein Sprecher von Buckingham Palace erläuterte den vorgesehenen Ablauf: Die Petition müsse beim Judicial Committee eingereicht werden, damit eine Überweisung gemäß Abschnitt vier des Gesetzes von 1833 geprüft werden könne. Zudem würden die jamaikanischen Vertreter vom britischen Außenministerium zu bilateralen Gesprächen empfangen.

Gleichzeitig verwies der Palast auf Charles' bisheriges Engagement. Der König habe "bei zahlreichen Gelegenheiten sein persönliches und aufrichtiges Bekenntnis bekundet, ein tieferes Verständnis rund um das Thema Sklaverei zu fördern und Wege zu finden, historisches Unrecht zum Wohle heutiger Gemeinschaften anzugehen". Vor Commonwealth-Staats- und Regierungschefs hatte er zudem betont, dass niemand die Vergangenheit ändern könne, man sich aber "von ganzem Herzen" verpflichten müsse, aus ihr zu lernen.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit – juristische Fragen klären

Im Kern verlangt die Petition eine juristische Klärung von drei grundlegenden Fragen. Erstens soll das Judicial Committee beurteilen, ob die gewaltsame Verschleppung von Afrikanern nach Jamaika rechtmäßig war. Zweitens wird eine Einschätzung gefordert, ob diese Praxis ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellte. Drittens soll geprüft werden, ob Großbritannien zur Wiedergutmachung gegenüber Jamaika verpflichtet ist – sowohl für die Sklaverei selbst als auch für deren bis heute spürbare Auswirkungen.

Kulturministerin Grange bezeichnete die Beantwortung dieser Fragen durch den Privy Council als entscheidend für den Fortgang der jamaikanischen Reparationsforderungen. Das Ministerium für Kultur in Jamaika schrieb im August 2023 auf seiner Webseite über ein Dokument mit dem Titel "Bericht über Reparationen für die transatlantische Sklaverei in Amerika und der Karibik", in dem die Entschädigungszahlungen genannt werden. Demnach betragen sie 9,5 Billionen US-Dollar (8,18 Billionen Euro). Sollte diese Summe fällig sein, muss der Monarch dafür aufkommen? Nein. Er übernimmt nur eine verfassungsechtliche Rolle, berichtet "Bild". Wie hoch die Summe schlussendlich ausfallen wird, ist derzeit unklar.

Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert wurden mehr als 12,5 Millionen Afrikaner entführt, über den Atlantik verschleppt und in die Sklaverei verkauft. Jamaika hatte bereits 2009 als erstes karibisches Land eine nationale Reparationskommission ins Leben gerufen.

Sklaverei-Erbe belastet Jamaika bis heute

Ministerin Grange machte deutlich, wie tiefgreifend die Folgen der Sklaverei das Land noch immer prägen. "Wir haben Systeme geerbt, die unser Land und unsere Bevölkerung weiterhin benachteiligen – das Erbe im Bildungswesen, sogar im Gesundheitsbereich, unsere Ernährungsweise, weil sie davon bestimmt wurde, was unseren Vorfahren zu essen gegeben wurde", zitierte sie der "Guardian". Ohne diese ererbten Probleme hätte Jamaika etwa die Folgen von Hurrikan Melissa weitaus besser bewältigen können, so Grange. Das Land sei zwar widerstandsfähig, doch die strukturellen Nachteile aus der Kolonialzeit bremsten die Entwicklung erheblich.

Ralph Gonsalves, ehemaliger Premierminister von St. Vincent und die Grenadinen sowie Berater der Reparationsbewegung "Repair Campaign", unterstrich diese Einschätzung. "Die Menschen müssen sich eines vor Augen halten: Europäische Nationen wurden durch die Versklavung afrikanischer Menschen reich", sagte er. Die Gegenwart sei untrennbar mit der Vergangenheit verknüpft, da man noch immer mit den Hinterlassenschaften der Unterentwicklung kämpfe.

Wachsender internationaler Druck auf ehemalige Kolonialmächte

Die jamaikanische Initiative fügt sich in eine breite globale Bewegung ein. Erst im März dieses Jahres stimmten 123 Staaten für eine wegweisende UN-Resolution, die den transatlantischen Sklavenhandel als schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit einstufte. Großbritannien enthielt sich bei dieser Abstimmung ebenso wie mehrere andere europäische Länder.

Im Juni veröffentlichten die karibischen Staaten ein Manifest, das die moralischen, ethischen und rechtlichen Grundlagen für Reparationszahlungen darlegt. Zudem erklärte ein UN-Ausschuss zur Beseitigung rassistischer Diskriminierung im vergangenen Monat, Staaten seien rechtlich verpflichtet, Entschädigungen für den Sklavenhandel in Betracht zu ziehen.

Mehrere bedeutende Termine stehen bevor: eine karibische Reparationskonferenz in Barbados noch in diesem Monat, Lobbyarbeit bei der UN-Generalversammlung Ende September sowie das Commonwealth-Gipfeltreffen im November in Antigua, an dem auch König Charles teilnehmen soll.

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