G20-Eklat um Lawrow: Putin-Minister vorgeführt – keiner will etwas mit ihm zu tun haben

Beim G20-Treffen in Atlanta schien Sergej Lawrow auf verlorenem Posten zu stehen. Videoaufnahmen zeigen, wie andere Delegationen Abstand zur russischen Mannschaft hielten, ein gemeinsames Gruppenfoto wurde abgesagt. Doch beim Abendempfang im Aquarium kam es zu überraschenden Begegnungen.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Beim G20-Außenministertreffen wurde Sergej Lawrow von anderen Teilnehmern gemieden. (Foto) Suche
Beim G20-Außenministertreffen wurde Sergej Lawrow von anderen Teilnehmern gemieden. Bild: Michael Kappeler/dpa/dpa
  • Videoaufnahmen zeigen die russische Delegation beim G20-Treffen weitgehend unter sich
  • Ein gemeinsames Familienfoto mit Sergej Lawrow wurde aus dem Programm gestrichen
  • Beim Empfang im Georgia Aquarium kam der Kreml-Diplomat dennoch mit mehreren Amtskollegen ins Gespräch

Beim G20-Außenministertreffen in Atlanta bot sich ein bemerkenswertes Bild: Videoaufnahmen zeigen die russische Delegation weitgehend auf sich allein gestellt. Auf der Plattform X veröffentlichte der Nachrichtenkanal "Nexta" Aufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie andere Teilnehmer des Treffens im US-Bundesstaat Georgia einen weiten Bogen um Sergej Lawrow und sein Team machten. Kaum jemand habe sich bereitgefunden, mit den russischen Vertretern ins Gespräch zu kommen, hieß es dazu.

Polens Außenminister Radosław Sikorski bezeichnete Lawrows Anwesenheit als "unangenehmen Moment". Deutschlands Außenminister machte deutlich, dass eine Rückkehr zum normalen Umgang mit Russland nicht in Frage komme. Das traditionelle Gruppenfoto der Außenminister wurde kurzerhand von der offiziellen Agenda gestrichen – mehrere Ressortchefs hatten sich geweigert, gemeinsam mit dem russischen Vertreter vor die Kamera zu treten.

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Schmach beim G20-Außenministertreffen – kein Familienfoto mit Sergej Lawrow

Bereits vor Beginn der Beratungen hatte Bundesaußenminister Johann Wadephul eine klare Linie gezogen: "Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind." Im ZDF erklärte er seine Haltung damit, dass der Begriff Familienfoto ein Gefühl von Zusammengehörigkeit vermittle. "Eine solche Familie sind wir nun mit Russland zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nicht." US-Außenminister Marco Rubio strich das traditionelle Gruppenbild daraufhin aus dem Programm – offenbar vor allem auf Druck europäischer G20-Mitglieder. Lawrow konterte mit Spott und warf Wadephul "Familienfoto-Diplomatie" vor: "Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles."

Kreml-Diplomat von Teilnehmern gemieden – dann diese Szene

Ganz so einsam, wie die Videobilder vom offiziellen Treffen vermuten ließen, war Lawrow allerdings nicht den gesamten Aufenthalt über. Beim Abendempfang, den Rubio im Georgia Aquarium ausrichtete, zeigte sich ein anderes Bild. In dem über 2.000 Quadratmeter großen Saal mit raumhohen Fenstern und Blick auf Walhaie und Belugawale wurde der russische Chefdiplomat von Brasiliens Außenminister Mauro Vieira begrüßt – ein auf X kursierendes Video zeigt die beiden bei einem Drink am Tisch. Eine weitere Aufnahme dokumentiert Lawrow an einem Stehtisch neben dem gestikulierenden Rubio, wobei auch Wadephul und der türkische Außenminister Hakan Fidan in unmittelbarer Nähe standen. Wadephul stellte allerdings klar, Lawrow sei lediglich zu einem bereits laufenden Gespräch mit Rubio hinzugestoßen – über American-Football-Regeln. "Wir haben nicht direkt miteinander gesprochen", betonte er.

Showdown in Miami – kommt Putin persönlich?

Das Außenministertreffen in Atlanta galt als Testlauf für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami. Trump hat auch Putin dazu eingeladen – ob der Kremlchef tatsächlich anreist, steht noch aus. Zuletzt war er 2019 persönlich bei einem G20-Gipfel erschienen. Neben Putin werden auch Kanzler Friedrich Merz und Chinas Staatschef Xi Jinping erwartet.

Voraussichtlich Mitte November sollen in den Vereinigten Arabischen Emiraten Gespräche zwischen der Ukraine, den USA und Russland über eine mögliche Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen stattfinden. Lawrow attackierte in Atlanta bereits die Europäer: "Sie versuchen, sich in den Friedensverhandlungsprozess in der Ukraine einzumischen." Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Russlands diplomatische Randstellung anhält – oder sich das Blatt wendet.

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/bos/news.de/dpa/stg

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