Rente aktuell: Mehrkosten für Mitversicherte – so viel sollen Rentner künftig zahlen

Rentner, die ihre Ehepartner bisher kostenlos in der Familienversicherung mitversichert haben, müssen ab Juli 2028 mit deutlichen Mehrkosten pro Jahr rechnen. So stark wirkt sich die beschlossene Gesundheits- und Pflege-Reform aus.

Erstellt von - Uhr

Ab 2028 sollen aufgrund der Gesundheits- und Pflegereform Mehrkosten auf Rentner zukommen. (Foto) Suche
Ab 2028 sollen aufgrund der Gesundheits- und Pflegereform Mehrkosten auf Rentner zukommen. Bild: Adobe Stock/ New Africa
  • Neue Pflege- und Gesundheitsreform könnte für Rentner eine finanzielle Mehrbelastung darstellen
  • Die bisherige kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern kann künftig zu Mehrkosten führen
  • Auch kinderlose Rentner könnten künftig mehr Beiträge zahlen

Auf Rentnerinnen und Rentner soll ab Juli 2028 eine empfindliche finanzielle Belastung zukommen. In den beschlossenen Reformen der Gesundheits- und Pflegeversicherung lauern laut einem "Bild"-Bericht Mehrkosten, die viele Betroffene hart treffen dürften. Wer einen Ehepartner bislang kostenfrei in der Familienversicherung mitversichert hat, muss künftig mit erheblichen Aufschlägen rechnen.

Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende des Artikels.

Krankenkassen- und Pflegereform erhöht Beiträge

Die neuen Regelungen sehen einen Zusatzbeitrag von 2,5 Prozent für die Krankenversicherung sowie 0,52 Prozent für die Pflegeversicherung vor. Zusammengerechnet ergibt das eine Mehrbelastung von über drei Prozent auf die Rente. Bereits ab dem 1. Januar 2027 sollen die Beitragssätze für Kinderlose um 0,3 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent steigen. Mit dem beschlossenen Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sollen die Pflegefinanzen in einem ersten Schritt stabilisiert werden. Das geht aus dem am 30. September beschlossenen Pflegeneuordnungsgesetz hervor.

Fast 600 Euro Mehrkosten pro Jahr – so teuer kann es für Rentner werden

Besonders hart trifft es Frührentner mit jüngeren Ehepartnern. Ein konkretes Beispiel der Zeitung verdeutlicht die Dimension: Geht ein Beschäftigter nach vier Jahrzehnten Berufstätigkeit mit 63 Jahren vorzeitig in Rente und ist seine mitversicherte Ehefrau erst 60, fallen die Zusatzbeiträge über einen Zeitraum von sieben Jahren an – bis sie selbst das reguläre Rentenalter von 67 erreicht.

Die Gesamtbelastung von 3,02 Prozent steigt für kinderlose Paare sogar auf 3,32 Prozent, da ein weiterer Pflegezuschlag von 0,3 Prozent hinzukommt. Bei einer monatlichen Rente von 1.500 Euro bedeutet das eine Zusatzbelastung von 49,80 Euro pro Monat. Hochgerechnet auf ein ganzes Jahr entstehen so Mehrkosten von annähernd 600 Euro.

Kostenanstieg für Rentner - diese Ausnahmen gelten

Allerdings greift die neue Regelung nicht in allen Fällen. Eine zentrale Ausnahme besteht für Rentner, deren mitversicherter Ehepartner bereits die Regelaltersgrenze erreicht hat. Diese wird schrittweise bis 2031 auf 67 Jahre angehoben und liegt aktuell etwa für den Jahrgang 1960 bei 66 Jahren und vier Monaten.

Weitere Ausnahmen gelten, wenn das Paar noch Kinder unter zwölf Jahren hat. Auch wenn der mitversicherte Partner als erwerbsgemindert eingestuft ist oder mindestens Pflegegrad 3 besitzt, entfällt die zusätzliche Beitragspflicht.

VdK-Präsidentin nennt Reform "ungerecht"

Scharfe Kritik an den geplanten Änderungen kommt vom Sozialverband VdK. Dessen Präsidentin Verena Bentele wirft Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) vor, die Finanzlöcher der Sozialversicherung auf dem Rücken von Kinderlosen und bislang beitragsfrei mitversicherten Familienangehörigen zu stopfen. "Das ist ungerecht", sagte Bentele gegenüber "Bild".

Statt die Lasten auf diese Gruppen abzuwälzen, müsse der Bund nach Ansicht der VdK-Chefin andere Wege gehen. "Um das Loch in der Kasse zu stopfen, muss der Bund dringend die Kosten der Corona-Pandemie an die Pflegeversicherung zurückzahlen und die versicherungsfremden Leistungen aus Steuermitteln begleichen", forderte Bentele.

Noch mehr Politik-News im Überblick:

/sfx/news.de/dpa/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.