AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt: Politologe warnt – dieses Wahlergebnis wird zum Problem

Die AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt, die CDU stürzt ab. Politologe Roger Stöcker warnt vor einem historischen Patt und schwierigen Koalitionsverhandlungen. Auch für Friedrich Merz wird es spannend.

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Sachsen-Anhalt nach der AfD-Wahl: Politologe warnt vor politischem Patt Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • AfD verpasst trotz Rekordergebnis die absolute Mehrheit
  • CDU verliert massiv und steht vor einer Richtungsdebatte
  • Politologe erwartet schwierige Regierungsbildung

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Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat das politische Kräfteverhältnis im Land grundlegend verändert. Die AfD liegt klar vorn, während die CDU massiv verliert. Politologe Roger Stöcker erwartet schwierige Koalitionsverhandlungen und sieht Sachsen-Anhalt vor einer historischen politischen Hängepartie.

CDU stürzt ab, AfD feiert Rekordergebnis

Das Wahlergebnis sorgt für einen politischen Paukenschlag: Die AfD erreicht rund 44 Prozent und wird damit erstmals stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Die CDU landet mit etwa 17,5 Prozent weit dahinter. Für die Christdemokraten ist das Ergebnis besonders bitter. Gegenüber der vorherigen Landtagswahl verliert die Partei fast 20 Prozentpunkte. Damit endet zugleich eine jahrzehntelange Dominanz der CDU im Land.

Politologe Roger Stöcker bezeichnet das Ergebnis als Schock für die Partei. "Dass es schlecht werden könnte, war absehbar. Dass es so katastrophal endet, dürfte selbst hartgesottene CDUler in eine Art Schockstarre versetzt haben", erklärt der Wissenschaftler gegenüber "Focus".

Warum so viele Wähler der CDU den Rücken kehrten

Aus Sicht des Politologen steckt hinter dem Absturz nicht nur eine allgemeine Unzufriedenheit. Viele ehemalige CDU-Wähler seien enttäuscht von der politischen Bilanz der Partei. Unter anderem geht es um Steuern, Abgaben und die Interessen von Arbeitnehmern. Gleichzeitig profitiert die AfD davon, dass sie für ähnliche Wählerschichten deutlich einfachere politische Botschaften anbietet. Genau darin sieht Stöcker eine der größten Herausforderungen für die CDU. "Ihr fehlt bislang eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie sie inhaltlich gegen eine Partei bestehen will, die dieselben Wählerschichten mit einfacheren Versprechen anspricht", sagt er.

AfD verpasst die absolute Mehrheit

Trotz ihres enormen Wahlerfolgs kann die AfD Sachsen-Anhalt nicht allein regieren. Für eine absolute Mehrheit im Landtag reichen die gewonnenen Sitze nicht aus. Damit beginnt nun die schwierige Suche nach einer Regierungsmehrheit. BSW, SPD, Grüne und Linke sind ebenfalls im Parlament vertreten. Die Mehrheitsverhältnisse könnten deshalb kompliziert werden. Stöcker hält sogar eine historische Pattsituation für möglich. "Erleben wir womöglich das größte politische Patt der Nachwendegeschichte in Sachsen-Anhalt", lautet seine Einschätzung.

Neue Zerreißprobe für Friedrich Merz

Auch auf Bundesebene dürfte das Wahlergebnis Folgen haben. Bundeskanzler Friedrich Merz steht nach Einschätzung Stöckers vor der Aufgabe, die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der CDU zusammenzuhalten. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die Partei künftig mit der AfD umgehen soll. Während ein Teil der CDU auf eine klare Abgrenzung setzt, fordern andere Stimmen eine stärkere Auseinandersetzung mit den Themen, mit denen die AfD erfolgreich ist.

Für Merz selbst erwartet Stöcker zunächst jedoch keine dramatischen Konsequenzen. Die eigentlichen Personaldebatten dürften seiner Einschätzung nach eher in Sachsen-Anhalt als in Berlin geführt werden.

Strategische Stimmen für SPD und Grüne?

Überraschend fiel auch das Abschneiden der kleineren Parteien aus. SPD, Grüne und Linke schaffen den Einzug in den Landtag, obwohl insbesondere SPD und Grüne in den Umfragen zeitweise um die Fünf-Prozent-Hürde kämpfen mussten. Eine mögliche Erklärung sieht Stöcker im strategischen Wahlverhalten. Manche Wähler könnten bewusst eine Partei gewählt haben, die sie eigentlich nicht bevorzugen, um eine bestimmte Sitzverteilung zu erreichen. Vor allem SPD und Grüne könnten davon profitiert haben, dass Wähler eine möglichst starke AfD verhindern wollten. Die Linke verlor dagegen im Vergleich zu früheren Umfragewerten deutlich an Boden. Stöcker spricht deshalb von "keinen Liebesheiraten, sondern eher pragmatischen Zweckehen".

AfD zeigt sich plötzlich offen für Koalition

Wie es nun weitergeht, ist offen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte zuvor erklärt, nur mit einer eigenen Mehrheit regieren zu wollen. Nach der Wahl schlug er allerdings einen deutlich offeneren Ton an. In der ARD erklärte Siegmund, er wolle "allen möglichen Kräften die Hand ausstrecken, wenn sie mit uns eine grundsätzliche politische Kehrtwende herbeiführen wollen". Für Stöcker steckt dahinter auch ein taktisches Signal. Die AfD könne sich damit als kompromissbereite Partei darstellen und gleichzeitig anderen Parteien die Verantwortung zuschieben, falls keine Zusammenarbeit zustande kommt.

Fest steht damit vor allem eines: Sachsen-Anhalt steht vor schwierigen Verhandlungen. Wer am Ende tatsächlich die Regierung bildet, dürfte sich erst nach zähen Gesprächen entscheiden.

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