Warnung an Wladimir Putin: Geheimer Raketentest im Nordatlantik soll Russland abschrecken

Zwischen Irland und Island hat die Deutsche Marine in einer streng geheimen Nachtoperation erstmals eine ballistische Rakete von einem Kriegsschiff abgefeuert. Das israelische Waffensystem Lora mit über 500 Kilometern Reichweite soll eine jahrelange Fähigkeitslücke der Bundeswehr schließen und die Abschreckung gegenüber Russland auf eine völlig neue Stufe heben.

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Eine Warnung an Wladimir Putin: Deutsche Marine startet geheimen Raketentest im israelischen Waffensystem Lora. (Foto) Suche
Eine Warnung an Wladimir Putin: Deutsche Marine startet geheimen Raketentest im israelischen Waffensystem Lora. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/Pyotr Kovalev
  • Deutsche Marine testet israelische Rakete Lora im Nordatlantik
  • Geheime Erprobung mit Fregatten sorgt für Aufsehen
  • Neue Waffe mit mehr als 500 Kilometern Reichweite
  • Deutschland baut seine Abschreckungsfähigkeit massiv aus

Die Deutsche Marine hat in einer streng geheimen Operation im Nordatlantik das israelische Raketensystem Lora erfolgreich getestet. Für die Erprobung wurden zwei Fregatten in das Seegebiet zwischen Irland und Island entsandt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.

Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack zeigte sich gegenüber der "Bild" begeistert von dem Ergebnis: "Mit dem erfolgreichen Schuss einer ballistischen Rakete gestern Nacht im Nordatlantik haben wir Marine-Geschichte geschrieben. Ich bin hochzufrieden mit dieser Leistung." Das Waffensystem funktioniere einwandfrei auf deutschen Schiffen, betonte Kaack. Die erzielte Reichweite "übersteigt alles, was wir bisher kannten".

Die Erprobung stelle "ein neues Kapitel in Sachen Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft auf See dar", so der Marine-Inspekteur weiter. Nach dem gelungenen Test sollen nun die Beschaffungspläne für die Rakete mit mehr als 500 Kilometern Reichweite vorangetrieben werden.

Israelische Präzisionsrakete aus dem Startcontainer

Lora – die Abkürzung steht für "Long Range Attack" – ist eine in Israel entwickelte und produzierte ballistische Rakete. Die israelischen Streitkräfte haben das Waffensystem bereits mehrfach im Einsatz erprobt, unter anderem bei Operationen im Libanon sowie in einer Flugzeugvariante gegen den Iran.

Ein entscheidender Vorteil des Systems: Die Rakete wird in einem transportablen Startcontainer bereitgestellt, was eine vergleichsweise rasche Einsatzbereitschaft an Bord von Kriegsschiffen ermöglicht. Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) wirbt damit, dass jedes identifizierte Ziel innerhalb von zehn Minuten bekämpft werden könne.

Die Flugbahn unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Marschflugkörpern: Lora steigt zunächst steil auf, beschreibt dann eine Wurfparabel und stürzt sich anschließend mit hoher Geschwindigkeit nahezu senkrecht auf das Ziel herab. Nach Rüstungskontroll-Kategorien handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete.

Zweite Fernwaffe neben dem Taurus-Marschflugkörper

Bei weitreichenden Präzisionswaffen klafft in der Bundeswehr seit Langem eine erhebliche Lücke. Mit der Beschaffung von Lora würde die Truppe erstmals über ein zweites System neben dem Marschflugkörper Taurus verfügen, das Landziele in großer Entfernung bekämpfen kann.

Beide Waffensysteme erreichen offiziell mehr als 500 Kilometer Reichweite, unterscheiden sich jedoch fundamental in ihrer Einsatzweise. Taurus wird an Kampfflugzeugen vom Typ Tornado und Eurofighter montiert und nähert sich seinem Ziel in einem komplexen Konturenflug dicht über dem Gelände. Lora hingegen operiert von Schiffen oder mobilen Plattformen aus und trifft sein Ziel auf einer steilen Flugbahn von oben.

IAI beschreibt die Rakete als Waffe für Präzisionsschläge gegen "strategische Ziele tief in feindlichem Gebiet". Damit würde die Marine eine völlig neue Angriffskapazität erhalten.

Russlands Aggression als Treiber der Aufrüstung

Die Anschaffung des Lora-Systems reiht sich in eine Serie von Rüstungsvorhaben ein, die seit dem russischen Überfall auf die Ukraine angestoßen wurden. Zentrales Ziel dieser Programme ist es, Moskau militärisch abzuschrecken.

Unter den NATO-Verbündeten nimmt die Besorgnis vor einer möglichen russischen Aggression stetig zu. Befeuert wird diese Entwicklung durch jüngste Vorfälle wie den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig. Die Bundesregierung hatte erst am Dienstag Russland für diese gescheiterte Attacke verantwortlich gemacht. Die Beweise seien eindeutig, berichteten nur kurz zuvor britische Medien.

Marine-Inspekteur Kaack ordnete den erfolgreichen Raketentest ausdrücklich in diesen sicherheitspolitischen Kontext ein. Die Erprobung diene "zum Schutz Deutschlands und unserer Verbündeten" und markiere einen Wendepunkt bei der Verteidigungsfähigkeit auf See. Mit der neuen Reichweite von über 500 Kilometern könnte die Marine künftig eine deutlich wirksamere Abschreckungsrolle übernehmen.

Tomahawk-Deal und europäische Eigenentwicklung

Neben dem Lora-System setzt die Bundesregierung auf weitere Waffensysteme mit noch größerer Reichweite. Beim NATO-Gipfel in Ankara wurde der Kauf amerikanischer Tomahawk-Mittelstreckenraketen vereinbart. Diese Waffen können Ziele in bis zu 2500 Kilometern Entfernung treffen und sollen auf deutschem Boden stationiert werden.

Mit dieser Reichweite ließen sich Ziele weit im russischen Hinterland erreichen – die Luftlinie zwischen Berlin und Moskau beträgt rund 1600 Kilometer. Die Stationierung der US-Waffen ist ein weiterer Baustein in der Abschreckungsstrategie gegenüber Russland.

Parallel dazu arbeitet Deutschland gemeinsam mit europäischen Partnern an der Entwicklung eigener Raketensysteme. Ziel ist es, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu verringern und eine eigenständige europäische Abschreckungsfähigkeit aufzubauen. Die Systeme sollen ebenfalls in Europa stationiert werden.

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