Friedrich Merz in der Schusslinie: Deutschlands Ärzteschaft knöpft sich Bundeskanzler nach TV-Affront vor
Friedrich Merz' jüngste Äußerungen über Deutschlands Mediziner haben einen Orkan der Empörung ausgelöst. Nachdem sich der Bundeskanzler im TV mit einer Kinderärztin anlegte, schlägt Merz nun die geballte Wut der Ärzteschaft entgegen.
Erstellt von Claudia Löwe - Uhr
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- Friedrich Merz legt sich in RTL-Sendung mit Kinderärztin an
- Bundeskanzler bezeichnet Mediziner als "Nutznießer des Gesundheitssystems" - dann bricht die Empörung los
- Deutschlands Ärzte rechnen mit Merz ab:"Kommen Sie eine Nacht in unsere Klinik"
Die Wut der Ärzteschaft auf Bundeskanzler Friedrich Merz ebbt nicht ab – im Gegenteil. Nach dem hitzigen Aufeinandertreffen zwischen Merz und der niedersächsischen Kinderärztin Bea Merscher in der RTL-Sendung "Am Tisch mit Friedrich Merz" formiert sich in den sozialen Medien massiver Widerstand aus der Medizinwelt.
Deutschlands Ärzte gehen nach Friedrich Merz' TV-Auftritt auf die Barrikaden
Besonders der Vorwurf des Kanzlers, Ärzte seien Nutznießer des Gesundheitssystems, treibt Klinikchefs und Ärztevertreter auf die Barrikaden. In zahlreichen Videobotschaften rechnen Mediziner mit der Aussage ab. "Sehr geehrter Bundeskanzler Merz, was erlauben Sie sich eigentlich?", fragt etwa ein wutentbrannter Arzt in seinem Clip. Die Botschaft der Ärzteschaft ist unmissverständlich: Sie fordern eine grundlegende Kehrtwende in der Gesundheitspolitik – und laden Merz ein, sich den Klinikalltag persönlich und ungefiltert anzusehen.
Kinderärztin legt sich mit Bundeskanzler an - Schlagabtausch im TV zieht weite Kreise
Der Auslöser der Debatte: In der von Pinar Atalay moderierten RTL-Sendung konfrontierte die niedersächsische Kinderärztin Bea Merscher den Bundeskanzler mit schweren Vorwürfen. Sie wollte von Merz wissen, weshalb er mit dem Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben menschenverachtende und zerstörerische Gesetze verabschiede – und damit seinen Amtseid verletze. Friedrich Merz reagierte sichtlich getroffen. "Das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus", entgegnete er. Einen vorsätzlichen Eidbruch lasse er sich nicht unterstellen – das sei "schon ziemlich harter Tobak". Ebenso wies er den Vorwurf entschieden zurück, "dass ich vorsätzlich die Zukunft dieser Kinder zerstöre". Die Ärztin habe ihn damit persönlich herabgesetzt, und das gehe eindeutig zu weit.
Friedrich Merz blafft Kinderärztin an: "Sie machen sich das ein bisschen leicht"
Der Kanzler ging in der Sendung in die Offensive und verteidigte das Sparpaket. Die Kritik, die Gesundheitsreform belaste vor allem Versicherte, während etwa die Pharmaindustrie verschont bleibe, wies er als bloßes Bauchgefühl zurück. "Das ist ein Gefühl. Aber das entspricht nicht unserem Gesetz", so Merz. Seine Regierung habe sämtliche Akteure im Gesundheitswesen gleichermaßen zu Einsparungen verpflichtet. Kinderärztin Bea Merscher hielt der CDU-Chef vor, die Sachlage zu vereinfachen: "Also ich finde, Sie machen sich das ein bisschen leicht." Doch Merscher war nicht die einzige, die den Kanzler in die Bredouille brachte. Auch ein anwesender Vater warf der Politik vor, Familien mit Kindern im Stich zu lassen. Merz räumte zwar ein, dass mehr möglich wäre, verwies jedoch auf die begrenzten Haushaltsspielräume.
Erfahrener Kindermediziner spricht Klartext nach Kanzler-Affront
Die Gegenoffensive der Mediziner läuft über emotionale Videobotschaften in den sozialen Netzwerken. Dr. med. Michael Dördelmann, selbst Klinikchef mit 35 Jahren Erfahrung in der Kindermedizin und 17 Jahren an der Spitze einer Kinderklinik, macht seinem Ärger Luft – und stellt klar, dass er täglich nicht nur medizinische, sondern auch wirtschaftliche Verantwortung trage: "Ich verantworte jeden Tag nicht nur Medizin, sondern auch Budgets und Personal." Seine Schilderung des Klinikalltags ist eine schonungslose Abrechnung mit dem Nutznießer-Vorwurf: "Wir tragen dieses System, Herr Bundeskanzler, mit unbesetzten Stellen, mit Nachtdiensten, mit dem täglichen Kampf um jede einzelne Stelle und jedes einzelne Bett." Offene Stellen, Dauerschichten und der permanente Kampf um Ressourcen – so sieht laut den Medizinern die Realität derjenigen aus, die Merz als Profiteure des Systems bezeichnete.
Friedrich Merz fällt Talkshow-Auftritt auf die Füße - "Kommen Sie eine Nacht in unsere Klinik"
Der Klinikchef aus Flensburg belässt es nicht bei Kritik – er spricht eine konkrete Einladung an Bundeskanzler Merz und die gesamte gesundheitspolitische Führungsriege aus. Die Bedingungen: ohne Kameras, ohne Entourage aus medizinischem Fachpersonal. "Kommen Sie einfach eine Nacht in unsere Klinik von 20.00 bis 06.00 Uhr. Stellen Sie sich hin und sehen Sie uns Nutznießern dabei einfach nur zu, wie wir alles geben, um Menschenleben zu retten." Zehn Stunden Nachtschicht statt Talkshow-Atmosphäre – das ist die Forderung, die hinter der Einladung steckt. Die Ärzteschaft will damit nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern einen grundlegenden gesundheitspolitischen Kurswechsel erzwingen. Ob der Kanzler die Einladung annimmt, bleibt abzuwarten.
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loc/news.de/dpa/stg
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