Wladimir Putin: Offensive in der Ukraine gescheitert? Kremlchef steckt fest
Für Wladimir Putin läuft es im Ukraine-Krieg offenbar nicht nach Plan. Seine Truppen erzielen laut ukrainischer Militärführung nur noch minimale Geländegewinne, während die Verluste die Zahl der neuen Rekruten deutlich übersteigen. Kann der Kremlchef seine Eroberungsziele überhaupt noch erreichen?
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Russlands Offensive in Donezk verliert laut ukrainischer Militärführung zunehmend an Dynamik
- Moskau soll monatlich rund 6.000 Soldaten mehr verlieren, als neu rekrutiert werden können
- Der Kreml-Zeitplan zur Eroberung des Donbass könnte damit zunehmend unrealistisch werden
Der Vormarsch russischer Truppen in der Ukraine verliert zunehmend an Dynamik. Das erklärte der ukrainische Militärvertreter Pavlo Palisa in einer aktuellen Lageeinschätzung. An mehreren Frontabschnitten gebe es Anlass für "begrenzten Optimismus", so Palisa. Einheiten der ukrainischen Luftlandetruppen führten im Raum Oleksandrivka bereits seit längerer Zeit aktive Operationen durch. Die russische Frühjahr-Sommer-Offensive in der Region Donezk kann demnach als gescheitert betrachtet werden. Moskaus Streitkräfte erzielten dort lediglich minimale Geländegewinne. Trotz massiven Ressourceneinsatzes gelang es der russischen Armee nicht, entscheidende Durchbrüche zu erzielen. Gleichzeitig verliert Russland Monat für Monat mehr Soldaten, als es durch Neurekrutierungen ersetzen kann. Palisa zufolge übersteigen die verifizierten Verluste die Zahl der neu angeworbenen Kräfte deutlich – ein Trend, der die militärische Lage auf dem Schlachtfeld spürbar beeinflusst.
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"Unrealistisches Szenario": Scheitert Wladimir Putin mit seinem Zeitplan im Ukraine-Krieg?
Der Kreml verfolgt das Ziel, die gesamte Region Donezk bis zum 31. Dezember 2026 unter Kontrolle zu bringen. Die russische Militärführung hält diesen Zeitrahmen jedoch selbst für zu ambitioniert und drängt auf eine Verlängerung bis Ende März 2027. "Meiner subjektiven Einschätzung nach ist selbst der 31. März ein unrealistisches Szenario", sagte Palisa dazu. Darüber hinaus plant Moskau die Errichtung von Pufferzonen in den Regionen Charkiw, Sumy und teilweise Tschernihiw mit einer Tiefe von bis zu 20 Kilometern. Hintergrund sei die zunehmende Reichweite der Drohnen-Kampfzone. Auch eine mögliche Offensive in Richtung Kiew und Tschernihiw werde im Kreml durchgespielt.
"Ich möchte betonen: Planung und Vorbereitung", stellte Palisa klar. Entsprechende Geheimdienstinformationen seien durch mehrere Quellen bestätigt worden. Anzeichen für den tatsächlichen Aufbau einer Angriffsgruppierung in diesen Richtungen gebe es derzeit allerdings nicht. Der ukrainische Generalstab habe bereits entsprechende Verteidigungsmaßnahmen ausgearbeitet.
Russland verliert monatlich 6.000 Soldaten mehr als es ersetzt
Die Zahlen verdeutlichen das wachsende Personalproblem der russischen Streitkräfte. Allein im Juli beliefen sich die verifizierten Verluste – Gefallene und Verwundete – auf 43.000 Mann. Dem standen lediglich 37.000 neu rekrutierte Soldaten gegenüber. Dieses monatliche Defizit von 6.000 Kämpfern hält laut Palisa mindestens seit Februar an. "Mit den derzeit verfügbaren Kräften und der gegenwärtigen Rekrutierungsrate ist es sowohl ihnen als auch uns offensichtlich, dass sie ihre strategischen Ziele nicht erreichen können", erklärte Palisa mit Blick auf die Eroberungspläne für die Regionen Donezk und Luhansk. Zwar plane der Kreml die Einberufung von insgesamt 600.000 Personen – 300.000 noch in diesem Jahr und weitere 300.000 im ersten Halbjahr 2027. Doch diese Rekruten müssten eingekleidet, ausgerüstet und militärisch ausgebildet werden, was erhebliche Ressourcen und Zeit erfordere. Ein plötzlicher Zustrom großer Truppenkontingente an die Front sei daher nicht zu erwarten.
Ukraine nimmt Russlands Einnahmequellen ins Visier
Ein Krieg dieser Dimension verschlingt gewaltige finanzielle Mittel. Genau dort setzt die Ukraine mit ihren Langstreckenangriffen auf russisches Territorium an. "Wir versuchen, den Russen die Möglichkeit zu nehmen, dieses Geld zu verdienen", erläuterte Palisa. Die Zahl solcher Angriffe werde künftig weiter steigen.
Im Fokus stehen dabei Einrichtungen, die für Russlands Energieexporte entscheidend sind – eine der wichtigsten Säulen des Staatshaushalts. Ebenso greifen ukrainische Kräfte Schiffe der sogenannten Schattenflotte sowie die russische Logistikinfrastruktur an. Solche Schläge entfalten laut Palisa sowohl unmittelbare als auch langfristige Wirkung.
"Wir entwickeln diese Fähigkeiten während des Krieges unter extrem schwierigen Bedingungen – natürlich mit der außerordentlichen Unterstützung unserer Partner", betonte Palisa. Die Ukraine sei in der Lage, den Krieg damit in eine neue Phase zu überführen.
Jet-Drohnen werden zur wachsenden Gefahr für ukrainische Städte
Russland setzt zunehmend auf strahlgetriebene Drohnen und wird deren Einsatz nach Palisas Einschätzung weiter ausbauen, da Moskau sie als besonders wirkungsvoll betrachtet. Wie real die Bedrohung bereits ist, zeigte sich am 27. August in Kiew: An einem einzigen Tag wurde 13 Mal Luftalarm ausgelöst – insgesamt 15 Stunden lang.
"Offensive Fähigkeiten sind der Verteidigung immer einen Schritt voraus. Wir werden uns zweifellos anpassen müssen. Das wird Zeit brauchen", räumte Palisa ein. Die derzeit verfügbaren ukrainischen Abfangdrohnen hätten bisher nicht die erhoffte Wirksamkeit gegen die jet-angetriebenen Flugkörper gezeigt. An Verbesserungen werde gearbeitet.
Deutlich erfolgreicher seien hingegen tragbare Flugabwehrsysteme, punktuelle Luftverteidigungsanlagen und Kampfflugzeuge. Die Ukraine appelliert daher an ihre Verbündeten, zusätzliche Luftabwehrsysteme zum Schutz der Städte bereitzustellen.
Provokationen gegen Nato-Staaten hält Palisa für unwahrscheinlich
Trotz der westlichen Sorgen vor einer Ausweitung des Konflikts schätzt Palisa militärische Provokationen Russlands gegen die baltischen Staaten, Polen oder andere NATO-Mitglieder als unwahrscheinlich ein. Der Grund: Moskau erziele bereits in der Ukraine keine bedeutenden Ergebnisse und stehe dort vor erheblichen Schwierigkeiten. Die Ukraine sieht sich unterdessen in der Lage, den Krieg schrittweise in eine neue Phase zu lenken. "Die Bevölkerung der Russischen Föderation spürt die Auswirkungen bereits", sagte Palisa mit Blick auf die zunehmenden Langstreckenangriffe. Durch gezielten Druck auf verwundbare Punkte und strategische Schwerpunkte entfalte sich ein kumulativer Effekt, der langfristig das gewünschte Ergebnis bringen solle. Entscheidend bleibe dabei die Unterstützung der westlichen Partner – insbesondere bei Luftabwehrsystemen und der Weiterentwicklung der Angriffskapazitäten.
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