Wladimir Putin: Kremlchef schwört Rache auf hoher See - Medwedew droht mit offenen Angriffen

Kremlchef Wladimir Putin spricht plötzlich über Vergeltungsaktionen gegen westliche Handelsschiffe. Auch Russlands Ex-Präsident Medwedew droht offen damit, Boote "feindlicher Staaten" auch außerhalb des Schwarzen Meeres anzugreifen.

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Wladimir Putin nimmt Schiffe aus Europa ins Visier. (Foto) Suche
Wladimir Putin nimmt Schiffe aus Europa ins Visier. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov
  • Wladimir Putin droht mit Eskalation wegen "Piraterie und Plünderungen"
  • Medwedew warnt vor Angriffen weit über das Schwarze Meer hinaus
  • Experten warnen vor Putin-Schlägen auf hoher See

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Europa offen mit Vergeltungsaktionen gegen Handelsschiffe gedroht. Sollten westliche Staaten weiterhin Tanker seiner sogenannten Schattenflotte beschlagnahmen, werde Moskau mit "spiegelbildlichen Maßnahmen" reagieren, kündigte der Kremlchef an.

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Wladimir Putin droht mit Eskalation wegen "Piraterie und Plünderungen"

Bei einem Auftritt auf dem Kriegsschiff "Warjag" bezeichnete der 73-Jährige das Vorgehen des Westens als "nichts anderes als Piraterie und Plünderungen". Hintergrund der Eskalation ist das jüngste EU-Sanktionspaket, das erstmals den Verkauf der Ladung beschlagnahmter Schattenflotten-Schiffe ermöglicht.

Mehrere europäische Länder - darunter Frankreich, Großbritannien und Schweden - haben in der Vergangenheit bereits wiederholt russische Tanker festgesetzt, die zur Umgehung westlicher Ölsanktionen eingesetzt wurden. Putins scharfe Reaktion zeigt, wie empfindlich der Kreml auf diese Maßnahmen reagiert.

Medwedew warnt vor Angriffen weit über das Schwarze Meer hinaus

Noch drastischer äußerte sich der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew. Auf Telegram erklärte der 60-Jährige, Moskau habe das Recht, Schiffe "feindlicher Staaten" anzugreifen, sobald der Verdacht bestehe, dass diese Fracht für den Gegner beförderten. Diese Drohung beschränkt sich ausdrücklich nicht auf Waffentransporte, sondern zielt auf den gesamten Handelsverkehr. Die russischen Streitkräfte seien zudem in der Lage, ihre Einsätze weit über das Schwarze Meer hinaus auszudehnen, so Medwedew.

Für Deutschland bedeutet das trotz seiner bisherigen Zurückhaltung keine Entwarnung. Aus Sicht des Kremls bilden Waffenlieferungen, Finanzhilfen für die Ukraine und sämtliche Sanktionsmaßnahmen ein einheitliches westliches Vorgehen gegen Russland. Dass Berlin bei der Festsetzung von Schattenflotten-Tankern bislang deutlich weniger offensiv agiert als London oder Paris, dürfte Moskau kaum zu einer Unterscheidung veranlassen.

Experten warnen vor Putin-Schlägen auf hoher See

Der Historiker und Russland-Kenner Jan C. Behrends ordnet die Drohungen als bewusste Einschüchterungsstrategie ein: "Putin versucht, westliches Eingreifen wieder in westliches Zaudern zu verwandeln", sagte er der "Bild". Die Aktionen gegen die Schattenflotte träfen einen wunden Punkt des Kremls, weil die Ölexporte für den russischen Staatshaushalt existenziell seien. "Russland versucht, im Westen wieder Angst zu schüren", so Behrends. Das Ziel: den Druck auf Moskau senken und weitere Maßnahmen gegen die Schattenflotte verhindern.

Auch der maritime Sicherheitsexperte Moritz Brake mahnt bei "Bild", die Drohungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Bereits vereinzelte Zwischenfälle auf See könnten erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen: höhere Versicherungsprämien, längere Routen für Reedereien und zusätzliche Belastungen für den internationalen Handel.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) teilt diese Einschätzung. Angriffe, Festsetzungen oder andere staatliche Eingriffe auf See würden die Risikolage spürbar verschärfen. Versicherer könnten daraufhin ihre Bedingungen für betroffene Routen deutlich anziehen. Für Reedereien und Händler bedeutet das: Umwege und Verzögerungen treiben die Kosten zusätzlich in die Höhe.

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