Krieg im All: Wie der Machtkampf über unseren Köpfen Deutschland bedroht

Was nach Science-Fiction klingt, ist längst Realität: Im All tobt ein Machtkampf zwischen Großmächten. GPS-Ausfälle, Cyberangriffe und Spionagesatelliten bedrohen eine Infrastruktur, ohne die unser Alltag kaum noch funktioniert.

Von news.de-Redakteurin - Uhr

Satelliten im Orbit sichern unseren Alltag und werden zunehmend zum Ziel von Angriffen. (Foto) Suche
Satelliten im Orbit sichern unseren Alltag und werden zunehmend zum Ziel von Angriffen. Bild: AdobeStock / ckybe
  • Im Erdorbit wächst der Machtkampf zwischen Großmächten – Satelliten werden gestört, überwacht und bedroht
  • GPS-Störungen im Ostseeraum zeigen, wie verwundbar Europas Infrastruktur ist
  • Deutschland ist stark von Satelliten abhängig und arbeitet an mehr Unabhängigkeit im Weltraum

Was lange als Science-Fiction galt, ist längst bittere Realität geworden: Im Erdorbit tobt ein Machtkampf, der unmittelbare Auswirkungen auf unser Leben am Boden hat. Die neue ZDF-Dokumentation "Aufrüstung im All" von Filmemacher Andreas Orth zeichnet ein beunruhigendes Bild: Im Ostseeraum werden GPS-Signale beinahe jeden Tag manipuliert, die Bundeswehr muss ihre Satelliten regelmäßig vor herannahenden Spionagesatelliten in Sicherheit bringen, und digitale Attacken auf Bodenstationen gehören mittlerweile zum Alltag.

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Funkwellen als Waffe: GPS-Chaos über der Ostsee

"Wir werden täglich beobachtet, verfolgt, angegriffen, gestört und teilweise werden Weltraumsysteme auch zerstört", warnt ein Offizier des Weltraumkommandos in der Dokumentation. Deutschland sei dabei besonders verwundbar – denn ohne Satelliten funktioniert hierzulande weder die Stromversorgung noch der Gang zum Geldautomaten.

Besonders greifbar wird die Bedrohung beim Blick auf die Satellitennavigation. Im Ostseeraum werden GPS-Signale nahezu täglich durch sogenanntes Jamming gestört – dabei überlagern starke Funksignale die Satellitenfrequenzen und machen eine zuverlässige Positionsbestimmung unmöglich. Noch perfider ist das Spoofing, bei dem gefälschte Standortdaten eingespeist werden, die Schiffe oder Flugzeuge auf Kollisionskurs bringen könnten.

Die Spuren der Störsignale führen laut der Dokumentation häufig in die russische Exklave Kaliningrad. Im Baltikum mussten Flüge aus Finnland nach Estland bei schlechtem Wetter bereits umdrehen, weil die Navigationssysteme durch Störsender jenseits der russischen Grenze unbrauchbar wurden. Die Internationale Fernmeldeunion ITU verzeichnete 2024 eine Verfünffachung der gemeldeten Vorfälle – vor allem in der Ukraine, im Nahen Osten und eben auf der Ostsee.

Ohne Satelliten geht in Deutschland das Licht aus

Die Abhängigkeit der Bundesrepublik von Systemen im Orbit hat in den vergangenen Jahrzehnten dramatische Ausmaße angenommen. Ein Experte bringt es in der Doku auf den Punkt: "Wenn Sie heute das Zeitsignal aus dem Weltraum abschalten, dann würde die Stromversorgung in Deutschland zusammenbrechen." Denn das gesamte Stromnetz ist auf präzise Synchronisation angewiesen – und die kommt aus dem All.

Die Kettenreaktion wäre verheerend: Ohne Elektrizität funktioniert keine Tankstelle, ohne Treibstoff kollabiert die Lebensmittelversorgung. Dabei nutzen Bürgerinnen und Bürger Satellitendienste rund 40 Mal am Tag, meist ohne es zu bemerken – vom Geldabheben über Börsengeschäfte bis zur Wettervorhersage.

Dass diese Infrastruktur verwundbar ist, zeigen bereits erfolgte Cyberangriffe auf Bodenstationen. 2007 und 2008 verschafften sich Hacker Zugang zu einer US-Satellitenstation auf Spitzbergen und hätten die angebundenen Satelliten theoretisch steuern können.

Spionagesatelliten bedrängen die Bundeswehr

Doch die Bedrohung kommt nicht nur über Funkwellen, sondern auch physisch im Orbit. Russische und chinesische Inspektionssatelliten – etwa der Kosmos 2542 oder Modelle der Shijian-Serie – nähern sich regelmäßig westlichen Raumflugkörpern. Offiziell dienen sie der Weltraumsicherheit, doch Fachleute befürchten Spionage, Manipulation oder gezielte Abschaltung.

Ein Offizier des Weltraumkommandos schildert in der Doku, dass solche Annäherungswarnungen wöchentlich eingehen. Innerhalb von 72 Stunden müsse dann ein Ausweichmanöver berechnet, hochgeladen und durchgeführt werden.

Dass Satelliten auch gezielt zerstört werden können, haben alle drei Großmächte bewiesen: China schoss 2007 einen eigenen Wettersatelliten ab, Russland demonstrierte 2021 dasselbe – jeweils mit Tausenden Trümmerteilen als gefährlichem Erbe im Orbit.

Musks Monopol im Orbit – Europa hinkt hinterher

Von den mehr als 12.000 Satelliten in der Erdumlaufbahn gehören rund 10.000 zu Elon Musks Starlink-Netzwerk. SpaceX befördert bis zu 60 Prozent aller US-Militärsatelliten und etwa 80 Prozent aller zivilen Satelliten weltweit ins All – ein faktisches Monopol. Selbst Aufklärungssatelliten der Bundeswehr fliegen mit SpaceX-Raketen in den Orbit.

Deutschland will nun Milliarden in eigene Kapazitäten stecken. Europäische Start-ups wie HyImpulse und Isar Aerospace aus München arbeiten an eigenen Trägerraketen, sind aber noch weit von der Wettbewerbsfähigkeit entfernt. "Die europäische Unabhängigkeit im All ist absolut notwendig für die Sicherheit und auch für die wirtschaftliche Entwicklung von Europa", betont ein HyImpulse-Sprecher in der Doku. Solange der Flaschenhals beim Transport bestehe, bleibe Europa auf die USA angewiesen.

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