Friedrich Merz: Merz vor dem Aus? CDU diskutiert offenbar schon über Merz' Ablösung
Die Stimmung in der CDU kippt – und der Ärger über Friedrich Merz wächst täglich. Nach der umstrittenen Kabinettsumbildung gehen immer mehr Parteifreunde auf Distanz zum Kanzler und CDU-Chef. Hinter den Kulissen wird bereits über eine Zukunft der Partei ohne Merz an der Spitze gesprochen.
Erstellt von Sarah Baumann-Rüster - Uhr
Suche
- CDU-Politiker kritisieren Merz' Führungsstil scharf
- CDA-Chef Dennis Radtke warnt: "Die Lage der CDU ist ernster als zur Zeit der Spendenaffäre."
- In der Partei werden Szenarien über einen möglichen Führungswechsel nach der NRW-Wahl 2027 diskutiert
Die CDU steckt nach der jüngsten Kabinettsumbildung durch Kanzler Friedrich Merz in einer tiefen innerparteilichen Krise. Hochrangige Parteimitglieder gehen auf offene Konfrontation mit dem Parteivorsitzenden und Regierungschef. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, finden Christdemokraten für den Umgang von Merz mit dem geschassten Verkehrsminister Patrick Schnieder drastische Worte: "schäbig", "unwürdig" und "unterirdisch". Nun droht Kanzler Merz eine regelrechte CDU-Rebellion.
Weitere Nachrichten aus der Politik-Welt finden Sie am Ende des Artikels.
CDU-Aufstand gegen Friedrich Merz eskaliert
Der Ärger reicht dabei weit über einzelne Personalentscheidungen hinaus. Zahlreiche Parteifreunde werfen Merz einen Führungsstil vor, der die eigene Basis immer wieder brüskiere. Für viele Wahlkämpfer sei die Bundesregierung mittlerweile mehr Last als Unterstützung. Die Frustration innerhalb der Partei hat offenbar ein Ausmaß erreicht, das selbst langjährige CDU-Mitglieder alarmiert.
"Die Lage der CDU ist ernster als zur Zeit der Spendenaffäre" - CDU-Politiker rechnen offen mit Kanzler Merz ab
Besonders deutlich wird Dennis Radtke, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). In der "FAZ" warnt er unmissverständlich: "Die Lage der CDU ist ernster als zur Zeit der Spendenaffäre." Im Ruhrgebiet hätten bereits Mitglieder der Partei den Rücken gekehrt.
Radtke zufolge war die Stimmung an der Parteibasis bereits vor dem umstrittenen Kabinettsumbau angespannt. Die jüngsten Personalentscheidungen hätten die Situation nun weiter verschärft. Der CDA-Chef fordert, die CDU müsse ihre Schockstarre überwinden und die eigenen Mitglieder wieder aktivieren. Die Ernennung der neuen Generalsekretärin Franziska Hoppermann bewertet er hingegen positiv – sie müsse nun aber zunächst der Basis zuhören.
CDU droht Debakel bei NRW-Wahl 2027
Radtke selbst hat sich erst in der vergangenen Woche ein Bild von der Lage in Nordrhein-Westfalen gemacht. Gemeinsam mit CDU-Kandidaten für die Landtagswahl 2027 war er vor Ort unterwegs. Sein Fazit fällt ernüchternd aus: In zahlreichen Wahlkreisen befinden sich CDU, SPD und AfD in einem engen Dreikampf.
Als besonders besorgniserregend beschreibt der CDA-Vorsitzende die demografische Struktur der Wählerschaft. Die Partei stütze sich vielerorts auf eine Stammklientel, die zunehmend altere. Gleichzeitig empfänden viele Kandidaten die Arbeit der Bundesregierung inzwischen als Belastung im Wahlkampf statt als Rückenwind. Ohne eine rasche Mobilisierung der Mitgliederbasis könnte die CDU bei der NRW-Wahl empfindliche Verluste erleiden.
Ostdeutsche Christdemokraten fühlen sich übergangen
Auch aus den neuen Bundesländern hagelt es Kritik. Sachsens Innenminister Armin Schuster bemängelte, dass Ostdeutschland bei der großen Personalrochade erneut zu wenig Berücksichtigung gefunden habe. Seine Erwartung an mehr ostdeutsche Gesichter in der Regierung sei enttäuscht worden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schloss sich der Kritik an: Viele Menschen hätten angesichts der Umbildung nur noch den Kopf geschüttelt – "ich auch", so Kretschmer.
Für zusätzlichen Unmut sorgt der Fall des Sachsen-Anhaltiners Tino Sorge, der seinen Posten als Parlamentarischer Staatssekretär verlor. Sorge machte öffentlich, dass Merz ihn nicht einmal persönlich über seine Ablösung in Kenntnis gesetzt habe. Parteiintern heißt es allerdings, der damalige Generalsekretär Carsten Linnemann habe Sorge telefonisch informiert.
Hinter den Kulissen wird über Merz' Ablösung gesprochen
Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, finden hinter verschlossenen Türen bereits Gespräche über eine Zukunft der CDU ohne Friedrich Merz an der Spitze statt. Einige Bundestagsabgeordnete halten demnach einen Führungswechsel nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Frühjahr 2027 für denkbar. Manche schließen nicht einmal aus, dass Merz schon vorher gestürzt werden könnte.
Zwar gilt ein solches Szenario derzeit noch als wenig wahrscheinlich. Doch der innerparteiliche Druck auf den Kanzler und Parteivorsitzenden nimmt offenkundig zu. Die Kombination aus wachsendem Basisfrust, offener Kritik prominenter Landespolitiker und drohenden Wahlniederlagen stellt Merz vor die schwerste Bewährungsprobe seiner Amtszeit.
Auch diese Politik-News sind einen Blick wert:
- "Nicht unser Lieblingsmensch" - Macron-Post macht Merz zum Gespött im Netz
- "Wie immer peinlich" - Baerbocks Thomas-Müller-Post läuft aus dem Ruder
- "Selbst ablesen fällt ihr schwer" - neuer Baerbock-Clip sorgt für heftige Reaktionen
- Baerbock erneut im Kreuzfeuer - alte UN-Rede sorgt für Spott
- "Reißt euch endlich zusammen" - Grünen-Politikerin zerlegt Merz-Regierung
sba/news.de/stg
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.