Donald Trump: US-Präsident in die Enge getrieben - jetzt gehen Historiker auf ihn los

König Charles III. hat bei seinem US-Besuch mehr Eindruck hinterlassen, als Donald Trump lieb sein dürfte. Politische Beobachter feiern seine Rede als leidenschaftliches Bekenntnis zu Demokratie und Pluralismus. Gleichzeitig sorgt Trumps nationalistischer Tonfall für heftige Diskussionen.

Von news.de Redakteurin - Uhr

König Charles III. und Donald Trump (Foto) Suche
König Charles III. und Donald Trump Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon
  • König Charles III. verteidigt in Washington Demokratie und Pluralismus
  • Historiker sehen klare Spitze gegen Donald Trumps nationalistisches Weltbild
  • Trump-Rhetorik wird im Podcast sogar als "quasi-faschistisch" bezeichnet

Im 250. Jubiläumsjahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung brauchte es ausgerechnet einen britischen Monarchen, um die Grundwerte der USA zu verteidigen. König Charles III. hielt vor dem US-Kongress eine Rede, die politische Beobachter als bemerkenswerten Appell für Demokratie, Pluralismus und internationale Zusammenarbeit werten. Die Podcast-Kommentatoren Sidney Blumenthal und Sean Wilentz sprechen in einer neuen Folge von "The Court of History" sogar von einer indirekten, aber klaren Zurückweisung von Donald Trumps nationalistischer Politik.

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König Charles verteidigt bei Trump-Besuch Demokratie und Pluralismus

Besonders Historiker Sean Wilentz zeigt sich beeindruckt von den Worten des Royals. Die Ansprache sei "brillant konzipiert" gewesen und könnte als eine der bedeutendsten Reden eines britischen Monarchen in die Geschichte eingehen. König Charles habe die Amerikaner "sehr sanft, aber sehr nachdrücklich" daran erinnert, wofür die Vereinigten Staaten eigentlich stehen.

In seiner Rede betonte der König, Demokratie entstehe "nicht durch den Willen eines Einzelnen, sondern durch die Beratung vieler". Er sprach sich für Toleranz, Pluralismus und eine regelbasierte Weltordnung aus. Auch die Unterstützung der Ukraine hob Charles ausdrücklich hervor. Für Kommentator Sidney Blumenthal war die Rede sogar "Charles' größte Stunde".

"Quasi-faschistisch": Historiker gehen in Podcast auf Trump los

Besonders brisant: Der direkte Kontrast zum US-Präsidenten. Während Charles demokratische Werte beschwor, hielt Trump beim Staatsdinner eine Gegenrede, die laut den Kommentatoren eine "Blut und Boden"-Ideologie propagierte und die amerikanische Revolution faktisch verleugnete. "Lange bevor Amerikaner eine Nation oder eine Verfassung hatten, hatten wir zuerst eine Kultur, einen Charakter und ein Glaubensbekenntnis. In ihren Adern floss angelsächsischer Mut", zitiert Blumenthal den US-Präsidenten.

Historiker Wilentz reagierte auf diese Aussagen mit deutlichen Worten. Die Vorstellung einer anglo-amerikanischen Blutlinie, um alle anderen auszuschließen, sei "Unsinn", erklärte er. Amerika sei schon bei seiner Gründung kulturell und sprachlich vielfältig gewesen. "Ich verwende dieses Wort sehr sparsam, aber es hat einen quasi-faschistischen Aspekt", sagte Wilentz über Trumps Rhetorik. Sie stelle eine "Zurückweisung von allem dar, wofür Amerika stand".

Den Gegensatz zwischen König Charles und Donald Trump bezeichnete Wilentz als "fast psychedelisch". Ausgerechnet ein britischer Monarch verteidige amerikanische Demokratie-Werte, während ein US-Präsident diese infrage stelle. Für viele Beobachter sei genau dieser Kontrast der eigentliche historische Moment der Woche gewesen.

Experten sehen Trump zunehmend unter Druck

Wilentz glaubt zudem, dass Trump nach dem Besuch von König Charles zunehmend unter Druck geraten sei und sich möglicherweise in die Enge getrieben fühlen könnte. Dies könne erklären, warum der Präsident zuletzt seine Angriffe auf den ehemaligen FBI-Direktor James Comey erneut verschärft habe. "Seine Reaktion besteht nicht darin, die Kluft zu heilen oder das Land zu einen", sagte Wilentz. "Es geht nur darum, es noch mehr zu spalten."

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